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05.03.2013 21:00 Alter: 5 Jahre
Kategorie: März 2013

Nachhaltig sicher

Wie in der Schweiz, kann auch hierzulande davon ausgegangen werden, dass jeder Zweite Berufsbekleidung trägt. Ob diese fair und nachhaltig produziert wurde, ist eine andere Frage – dabei ließe sich diese gar nicht so schwer beantworten.


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Ob zum Schutz vor Verletzungen (z.B. bei der Feuerwehr, auf dem Bau) oder vor Schmutz (z.B. bei Mitarbeitern der Straßenmeisterei), um schlichtweg als Polizist oder Zugbegleiter erkannt zu werden, oder damit Hygienestandards eingehalten werden, was unter anderem im Gesundheitsbereich garantiert sein muss – Berufsbekleidung ist mehr als nur notwendig. Allein: Ob diese fair und nachhaltig produziert wurde, darüber machen sich nur die wenigsten Einkäufer Gedanken. Gewiss steckt der Bereich Persönliche Schutzausrüstung in dieser Hinsicht noch in den Kinderschuhen, speziell in Österreich. Dennoch tut sich einiges, weiß Mag. ­Elisabeth Schinzel, Projektleiterin „Sozial faire Beschaffung“ bei der Agentur Südwind, die sich als entwicklungspolitische NGO seit 30 Jahren für eine nachhaltige globale Entwicklung, Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen weltweit einsetzt: „Im Rahmen der Clean Clothes Kampagne setzen wir uns weltweit für faire Bedingungen in der Produktion ein: von adäquater Bezahlung bis zu Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz. Während Fashion und Sportbekleidung den Anfang machten, steht seit fünf, sechs Jahren auch das Thema ‚Arbeitsbekleidung‘ verstärkt auf unserer Agenda.“

Fair Wear
Auch in der Bekleidungsindustrie gilt: Je mehr Preisdruck und Konkurrenz, desto schlechter die Arbeitsbedingungen. Dabei kommt der Arbeits- und Schutzbekleidung eine spezielle Bedeutung zu, denn wenngleich dieser Bereich von der breiten Öffentlichkeit fast nicht wahrgenommen wird, werden hier sehr große Mengen produziert und eingekauft. Die Einkäufer haben also sehr viel Macht, und diese gilt es zu nutzen. „Die Clean Clothes Kampagne wendet sich vor allem an die öffentliche Hand, nicht zuletzt, weil dadurch eine starke Vorbildwirkung generiert werden kann. Die Stadt Wien beispielsweise engagiert sich sehr in Bezug auf die Implementierung sozialer Kriterien in die Beschaffung von Berufsbekleidung, was eine große Unterstützung für unser Anliegen ist“, erklärt Schinzel.
Und wie weiß ein Unternehmen bzw. dessen Einkäufer, ob die Berufsbekleidung ihrer Mitarbeiter fair und nachhaltig produziert wurde? „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, denn bis dato ist es nicht möglich, die gesamte Produktionskette zu überprüfen. Aber es werden immer mehr sinnvolle Maßnahmen definiert, die zu einer schrittweisen Verbesserung der Zulieferkette führen“, so die langjährige Südwind-Mitarbeiterin. Ein wichtiger Indikator sei auf jeden Fall, ob Hersteller ihre Zulieferkette durch eine unabhängige Organisation überprüfen lassen. Die in dieser Hinsicht wohl aktivste Initiative ist die Fair Wear Foundation mit Hauptsitz in Amsterdam. Europaweit sind schon rund 80 Unternehmen Mitglieder dieser Überprüfungsorganisation, darunter beispielsweise die Schweizer albiro-Gruppe, zu der auch zwei österreichische Produzenten gehören: Frencys, spezialisiert auf hochfunktionale, modische Team-Bekleidung mit besonderen Ansprüchen an Kälte- und Nässeschutz, und Solida, Hersteller von Berufsbekleidung für den Gastronomie- als auch Gesundheitsbereich.

workcess: klein, aber engagiert
Berufsbekleidung wird auch – oder vielmehr großteils – importiert, unter anderem von workcess. Das Unternehmen mit Sitz im niederösterreichischen Guntramsdorf beliefert zahlreiche namhafte Firmen aus Handel und Industrie, aber auch aus dem öffentlichen Bereich mit Arbeitsbekleidung, Arbeitsschutz und ökologisch nachhaltigen Textilien. Für Geschäftsführer Christian Ess spielen Labels wie Fair Trade, GOTS (Global Organic Textile Standard) oder eben die Fair Wear Foundation eine wesentliche Rolle: „Wir sind darum bemüht, Produkte aus nachhaltiger und fairer Produktion zu forcieren, und prüfen daher stetig, mit welchen Marken eine Zusammenarbeit unter ökologischen, sozialen, aber auch betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zielführend ist. Als kleines, regionales Unternehmen sind wir dabei allerdings auf Partner angewiesen, die derartige Überprüfungen durchführen.“
Wie Elisabeth Schinzel ist Ess davon überzeugt, dass kein Weg an der öffentlichen Hand vorbeiführt: Solange diese nicht dahintersteht, sind die Volumen kaum zu erreichen, damit günstiger produziert werden kann. Und schlussendlich geht es immer um den Preis, der – das ist wahrlich kein Geheimnis – wesentlich niedriger ausfällt, wenn in Asien produziert wird. Nichtsdestotrotz arbeitet Christian Ess daran, textile Produktionen, die derzeit (noch) in Fernost laufen, zurück nach Europa zu holen: „Das hört sich einfach an, ist aber eine echte Herausforderung und erfordert einiges an Know-how sowie Ressourcen.“ Die Vorteile liegen freilich auf der Hand: Abgesehen davon, dass dadurch in Europa Jobs entstehen, noch dazu zu europäischen Arbeitsbedingungen, können die Produktionsbedingungen viel einfacher überwacht werden, die Transportwege werden kürzer, der CO2-Ausstoß wird verringert und alles in allem wird der ökologische Fußabdruck kleiner.

Apropos Füße
Um den ökologischen Fußabdruck geht es auch, wenn Ess hochwertige Kleidungsstücke etwa für die Stadt Wien bedrucken lässt: „Wir arbeiten daran, künftig ausschließlich ökologisch unbedenkliche Farben anbieten zu können, die eine sehr hohe Haltbarkeit bei der Waschung aufweisen.“ Gerade bei Promotion-Bekleidung besteht zudem die Möglichkeit, Unternehmen aus Industrie und Handel anzusprechen: „Anlässlich der Nachhaltigkeitswochen haben wir vor Kurzem ein österreichisches Handelsunternehmen mit 5.000 T-Shirts von Continental Clothing ausgestattet“, erzählt Ess, der seinen Kunden mit nakedshirt, B&C biosfair und Switcher drei weitere Mitglieder der Fair Wear Foundation anbieten kann.
Ein besonderes „Liebkind“ des workcess-Geschäftsführers ist das Thema Fußschutz, denn: „Arbeitsschutz fängt beim Fuß an und ein guter Sicherheitsschuh kostet ab etwa E 50,–. Natürlich gibt es auch Produkte um E 10,–, die womöglich sogar sicher sind. Ob sie aber auch gesund sind, ist eine andere Frage.“ Damit es nicht zu Langzeitfolgen wie Bandscheibenvorfällen kommt, muss der Schuh über eine sehr gute Fersendämpfung verfügen, denn nur so könne die Dämpfung im Schuh garantiert werden und finde nicht im Knie oder in der Wirbelsäule statt. Zudem verfügen die von workcess angebotenen Produkte über ein Mehrweitensystem, wodurch der Schuh an die Breite des Fußes angepasst werden kann. Last but not least darf ein hochwertiger Arbeitsschuh nur geringe Mengen an Klebstoff beinhalten, denn Schweiß löst diesen auf, was in weiterer Folge den Fuß angreifen kann.