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05.05.2014 21:04 Alter: 5 Jahre
Kategorie: Mai 2014

Clever entscheiden, Risiko vermeiden

Jeder verletzte und verstorbene Mensch ist ­einer zu viel. Besonders tragisch ist der Verlauf bei jungen Menschen, wenn aufgrund einer Unachtsamkeit oder einer bewussten Nachlässigkeit das Leben aufs Spiel gesetzt wird und plötzlich nie wieder so sein wird wie „früher“.


Jugendliche bei der Bewusstseinsbildung, dass oft nur einige Sekunden über das Schicksal entscheidet. Fotos Ulrich Weinert / mc pro

„Party machen“ ist ein Credo der jungen Generation, die sich dabei auch gerne vielfältigen Risiken aussetzt. P.A.R.T.Y. steht aber gleichzeitig auch für eines der weltweit erfolgreichsten und spannendsten Präventionsprogramme für die Zielgruppe der 15- bis 18-Jährigen. P.A.R.T.Y. steht für „Prevent Alcohol and Risk Related Trauma in Youth“, eine Initiative, hinter der eine Reihe engagierter Mediziner steht, die sich  für die Prävention von durch Alkohol und risikoreiches Verhalten verursachte Verletzungen bei Jugendlichen einsetzen.

Weltweites Programm

Den Ausgangspunkt nahm die Idee bereits im Jahr 1986 in der Notfallambulanz eines Krankenhauses in Toronto (Kanada). Junge Menschen sollten „hautnah“ erleben, was es bedeutet, Risiken falsch einzuschätzen und – noch im besten Fall – schwerstverletzt in einem Krankenhaus behandelt zu werden. Das Programm etablierte sich als eines der erfolgreichsten und spannendsten Präventionsprogramme weltweit. Die Koordinierungsstelle für die europäischen und deutschen P.A.R.T.Y.-Aktivitäten ist in der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie am Klinikum Köln-Merheim. Eine wissenschaftliche Evaluation des Programms erfolgt hier in Zusammenarbeit mit dem Institut für Forschung in der operativen Medizin (IFOM) am Campus Köln-Merheim der Uni­ver­sität Witten/Herdecke.

Entscheiden über Leben und Tod

Ein unaufmerksamer Augenblick, und das eigene Leben oder das eines anderen Menschen ändert sich unwiderruflich. Ob zu viel Alkohol, Drogen oder einfach Leichtsinn der Grund war, spielt letztendlich keine Rolle mehr, wenn Schwerstverletzte im Krankenhaus landen. Doch was steckt nun genau dahinter und vor allem: wie kann Jugendlichen tatsächlich mehr Bewusstsein über jene Sekunden gelehrt werden, in denen Euphorie, Leichtsinn oder Selbstüberschätzung über das künftige (Über-)Leben entscheiden? „Das P.A.R.T.Y.-Programm ist ein perfektes Werkzeug, das uns hilft, gezielt Aufklärungsarbeit zu leisten“, erklärt Dr. Thomas Brockamp, Projektleiter P.A.R.T.Y. am Klinikum in Köln-Merheim, der das Projekt 2011 in Deutschland aufgebaut hat.

Unfallopfer aus nächster Nähe erleben

Kern des Programms ist der sogenannte „P.A.R.T.Y.-Tag“, bei dem Schulklassen einen Tag in einer Unfallklinik verbringen und dort die verschiedenen Stationen eines (Schwer-)Verletzten erleben. Ergänzt durch Vorträge und Präsentationen werden die Jugendlichen an allen Stationen von Unfallchirurgen, Ärzten, Krankenschwestern und -pflegern, Rettungssanitätern oder Reha-Spezialisten betreut, die erklären und unmittelbar Rede und Antwort stehen. Und oft kann der Blick hinter die Kulissen eines Schockraums, einer Intensivstation oder einer Unfallchirurgie dann auch den noch so coolen Typen ganz leicht aus der Bahn werfen. In einem Rettungswagen können die Teilnehmer selbst „Hand anlegen“ und sich mit unterschiedlichen Geräten vertraut machen. Mit Physiotherapeuten wird der Umgang mit „Handicaps“ im Alltag erprobt, wie das Tragen eines Stiffnecks, eines Verbandes oder die Fortbewegung mit Gehstützen. Zum Abschluss des P.A.R.T.Y.-Tages berichtet ein ehemaliger schwerverletzter junger Patient über seine Erlebnisse – über Unfall, Ursachen und die Zeit danach, über Schwierigkeiten und Probleme im Krankenhaus und besonders über die Ängste und Sorgen. „Als Arzt in der Unfallchirurgie macht es Spaß, zusammen mit unserem gesamten Team und mit den Schülern das Problem der vielen tragisch endenden Verkehrsunfälle anzugehen, bevor sie passieren. Und es ist auch immer wieder beeindruckend, wie das Programm den jungen Menschen buchstäblich unter die Haut geht und Bewusstsein für Gefahren schafft, die noch am Morgen des Tages als harmlos eingestuft wurden“, resümiert Brockamp. In Österreich gibt es derzeit noch keine Spitäler, die P.A.R.T.Y.-Tage für Schulklassen anbieten. „Ich würde mich freuen, wenn sich interessierte Einrichtungen bei uns melden und das Programm weitertragen“, so der Mediziner.

Wofür steht P.A.R.T.Y.?

  • Prävention: Die Verringerung oder Verhinderung von alkohol- und risikobedingten Traumen bei Jugendlichen durch Vorsorge.
  • Alkohol: Ob durch „Klassiker“ wie Alkohol oder Drogen, durch Selbstüberschätzung oder bewusste Nachlässigkeit – im Mittelpunkt stehen vermeidbare Ereignisse.
  • Risiko: Die eigene Gefährdung richtig einschätzen und keine Risiken für andere eingehen, kann erlernt werden.
  • Trauma: Als Trauma wird in der Medizin eine Schädigung, Verletzung oder Wunde bezeichnet, die durch Gewalt von außen entsteht. Bewusstseinsbildung, welches Verhalten zu welchen Konsequenzen führen kann, ist ein wichtiger Schritt.
  • Youth: Junge Menschen werden unterstützt, gefährliche Situationen zu erkennen und in diesen clevere und sachkundige Entscheidungen zu treffen. Das Bewusstsein der Jugendlichen wird gestärkt, wenn sie mehr Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen übernehmen und die Konsequenzen ihres eigenen Handelns erkennen.

www.partyprogram.de, www.partyprogram.com

Kliniken gesucht!

Das P.A.R.T.Y.-Programm ist ein Unfallpräventionsprogramm der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU®). Die Koordination findet über die AUC (Akademie der Unfallchirurgie) mit Sitz in München statt. Interessierte Kliniken können sich unter info(at)partyprogram.de melden!