Alles, was Räder hat, rollt

Roller haben das Verständnis von urbaner Mobilität verändert. Auch hier gilt: Sicherheit hat Vorrang!

Seit 1. Juni gibt es neue Regeln für das „Rollern“ im Straßenverkehr. © pavelvinnik/Adobe Stock

Als „Kinderspielzeug“ gestartet und oft belächelt, bieten Roller eine kompakte und leicht transportable Alternative zum Zu-Fuß-Gehen. E-Scooter sind auf dem Vormarsch, ermöglichen es, anstrengungsfrei zum Ziel zu flitzen. Man ist wendig, kann mühelos vom Rollen in die Straßenbahn oder U-Bahn wechseln, und am Zielort angekommen bedarf es keiner Parkplatzsuche. Die Benützung eines Rollers signalisiert auch einen aktiven Lebensstil und kann darüber hinaus auch richtig Spaß machen. Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen vor allem auf kurzen Wegen auf das Auto verzichten und sich auf den Roller schwingen.

Mittlerweile gibt es am Markt eine Reihe von unterschiedlichen Geräten für viele Einsatzgebiete. Grob kann in ausschließlich durch Muskelkraft betriebene Roller und elektrisch angetriebene E-Scooter unterteilt werden. Letztere sind meist deutlich größer und schwerer als die mit einer Hand tragbaren Scooter, müssen doch Antrieb und Akku verstaut werden. Dadurch wiegen E-Scooter schnell einmal zwischen zehn und 20 Kilogramm, dieser Nachteil wird jedoch wettgemacht, sobald man tatsächlich aufsteigt und losfährt. Mit im Normalfall bis zu 25 km/h ist man dann unterwegs und das ohne mühsames Treten. Die Höchstgeschwindigkeit und Leistung sind limitiert, um die im Gesetz vorgesehenen Spezifikationen nicht zu überschreiten. Alle Fahrzeuge mit einer Leistung von über 600 Watt und einer Höchstgeschwindigkeit von über 25 km/h dürfen nämlich nur auf der Fahrbahn für Autos bewegt werden, sie gelten als Motorfahrräder (Mopeds) und bedürfen auch eines entsprechenden Führerscheins.

Sharing Economy – nutzen statt besitzen

Wer nun nicht gleich täglich einen E-Scooter benutzen, sondern erstmal hineinschnuppern möchte, kann sich beispielsweise in Wien einen der zahlreich platzierten Leih-Scooter nutzen. Am Ende der Fahrt wird der Roller einfach auf einem geeigneten Platz abgestellt – also nicht einfach auf den Gehsteig, sondern dort, wo er niemanden behindert. Mehrere Hundert E-Scooter sind auf diese Weise in der ganzen Stadt verteilt verfügbar. Die so das Stadtbild bereichernden E-Scooter lösen natürlich nicht nur Begeisterung aus, vor allem, wenn sie unglücklich oder gar rücksichtslos zurückgelassen werden. Die Stadt Wien hat den Betreibern daher auferlegt, binnen kurzer Zeit nach Meldung eines den Gehsteig oder gar die Straße behindernden Scooters auszurücken und diesen zu entfernen. Somit sollte das eine oder andere „Scooter-Hindernis“ nicht die positiven Aspekte der neuen Mobilität trüben.

Sicherheit geht vor – auch auf dem Roller

Auch, wenn man die Höchstgeschwindigkeit nicht ausreizt, man ist dennoch flott unterwegs. Somit gilt das, was auch beim Fahrradfahren empfohlen wird: Wer mit Helm unterwegs ist, fährt sicherer im Fall eines Unfalls. Schließlich ist so ziemlich alles auf der Straße wesentlich härter als der eigene Kopf. Für Kinder ist das Tragen eines Helms verpflichtend – daran sollte man sich ein gutes Beispiel nehmen, damit der Spaß auf den zwei kleinen Rollen auch nachhaltig ungetrübt bleibt.

Was sind „Juicer“?

Am Ende des Tages schwärmen sie aus, sammeln die Roller ein, laden diese auf und wieder verteilen sie wieder in der Stadt. Die Juicer sind für das Funktionieren des gesamten Systems unerlässlich und werden pro eingesammelten Scooter bezahlt. Körperlich fitte Menschen, die gerne in der Nacht arbeiten, verdienen sich auf diese Weise als Teilnehmer der sogenannten „Gig-Economy“ ein Zusatzeinkommen.

Wie sicher sind E-Scooter?

Im April publizierte E-Scooter-Anbieter BIRD erstmalig in der Branche einen Safety Report, der auf internen Daten des Unternehmens basiert. Wesentliche Eckpunkte dabei waren:

  • E-Scooter und Fahrräder haben ein ähnliches Risikoprofil
  • Die Reduktion des Autoverkehrs durch die neue Form der E-Mobilität trägt auch zu mehr Sicherheit auf den Straßen bei
  • Fahrradstreifen sorgen für mehr Sicherheit bei allen Verkehrsteilnehmern

Für Städte und Gemeinde werden daraus folgende
Sicherheitstipps abgeleitet:

  1. Investitionen in Verkehrssicherheitskonzepte tätigen
  2. Investitionen in die Instandhaltung von Straßen tätigen
  3. Die Geschwindigkeiten für Autos und Schwerverkehr reduzieren
  4. Konzepte erarbeiten, um die Zahl der Autofahrten insgesamt zu reduzieren
  5. Maßnahmen für die individuelle Sicherheit erhöhren

Report zum Download: www.bird.co/wp-content/uploads/2019/04/Bird-Safety-Report-April-2019-3.pdf

Leih-E-Scooter-Anbieter in Wien:

 

Nachgefragt bei …


… Mag. Marion Seidenberger, ÖAMTC-Verkehrspsychologin

Um die E-Scooter ist ein regelrechter Hype ausgebrochen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Es ist wie so oft: Wenn ein Trend mal in Schwung kommt, entwickelt sich eine gewisse Eigendynamik. Natürlich darf man auch den Fun-Faktor nicht außer Acht lassen – das Tempo macht Spaß, Wege lassen sich schneller zurücklegen, es gibt kaum Abstell­probleme, überfüllte Öffis werden umgangen. All das sorgt für einen regelrechten Boom.

Wo dürfen nun Roller fahren, wo E-Scooter und was hat sich hier geändert?
Kleintretroller sind „vorwiegend zur Verwendung außerhalb der Fahrbahn bestimmte Kleinfahrzeuge“. Mit diesen darf auf Gehsteigen, Geh- und Radwegen, in Fußgängerzonen, Wohnstraßen, Spielstraßen sowie auf Schutzwegen gefahren werden. In Begegnungszonen darf nur am Gehsteig gefahren werden. Radfahranlagen sowie die Fahrbahn sind tabu.
Seit 1.Juni 2019 gelten für E-Scooter, die eine Maximalleistung von nicht mehr als 600 Watt und eine Bauartgeschwindigkeit von nicht mehr als 25 km/h aufweisen, dieselben Regeln wie für Tretroller. Allerdings wird gesetzlich festgeschrieben, dass mit E-Scootern alle für Radfahrer geltenden Verhaltensvorschriften zu beachten sind. Ausdrücklich verboten ist das Befahren von Gehsteigen, Gehwegen und Schutzwegen. Die Behörde kann jedoch mittels Verordnung das Befahren von Gehsteigen und Gehwegen mit E-Scootern gestatten.

Gibt es Altersbeschränkungen?
Kinder dürfen seit 1. April 2019 ab 8 Jahren ohne Beaufsichtigung mit einem Kleintretroller unterwegs sein, wenn es sich um Geräte handelt, die ausschließlich durch Muskelkraft betrieben werden. Bei jüngeren Kindern muss eine Begleitperson von zumindest 16 Jahren dabei sein. Die Geschwindigkeit ist mit Kleintretrollern in der Regel dem vorhandenen Fußgängerverkehr anzupassen und man darf sich nur so verhalten, dass weder der Verkehr auf der Fahrbahn noch Fußgänger gefährdet oder behindert werden. Kinder müssen auf Kleintretrollern keinen Helm tragen.
Bei E-Scootern ist das gesetzlich vorgeschriebene Alterslimit von 12 Jahren bzw. 9 oder 10 Jahren als Inhaber eines Radfahrausweises zu beachten. Jüngere Kinder dürfen nur in Begleitung einer mindestens 16 Jahre alten Begleitperson mit E-Scootern unterwegs sein. Für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr besteht Helmpflicht.

Gibt es aus Ihrer Sicht eine Häufung von Unfällen und wenn ja, was sind die Ursachen?
Leider liegen uns dazu keine Zahlen vor, da E-Scooter in der Unfallstatistik bisher nicht separat erfasst werden. Wir sprechen uns dafür aus, dass dies in Zukunft passiert.

Wie kann ein konstruktives Miteinander aus E-Scooter- und Roller-Fahrern und den anderen Verkehrsteilnehmern gefördert werden?
Aus Sicht des Mobilitätsclubs wäre die Bewusstseinsbildung besonders ­wichtig. Aufeinander Rücksicht zu nehmen ist ein Gebot, das aber selbst­verständlich für alle Verkehrsteilnehmer und Mobilitätsformen gilt.