Coole Tasche, gesunder Rücken

Laptop, Papier, Sportschuhe, Frühstück und Wasserflasche – Arbeits-, Sport- und Schultaschen sind oft überaus „belastet“. Sie sollen neben Funktionalität und Tragekomfort auch ein hübsches „Modeaccessoire“ sein. Die Auswirkungen auf einen gesunden Rücken dürfen dabei keinesfalls aus den Augen gelassen werden.

© B&M Noskowski/iStock, Frederic Hutter

Laut Hebelgesetz wirken beim Heben einer 10 kg schweren Last bereits 50 kg auf den Rücken. © Frederic Hutter

Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates und der Gelenke im Erwachsenenalter sind oft die Folge von Versäumnissen, die im Kindesalter oder in der Jugend begangen worden sind. Eine junge Wirbelsäule reagiert sehr empfindlich auf Fehlbelastungen, da die Knochen noch nicht voll entwickelt und daher weich und verformbar sind. Neben mangelnder Bewegung können Fehlbelastungen ein Grund für Rückenschmerzen sein. Darüber hinaus kann eine über lange Zeit falsch getragene Tasche im schlimmsten Fall irreversible Haltungsschäden verursachen.

Bewegung: Basis für einen gesunden Rücken

Wichtig für einen gesunden Bewegungsapparat sind eine gesunde Muskulatur und ein stabiles Knochensystem. Die Voraussetzung dafür heißt Bewegung, die heutzutage schon im Kindesalter fehlt. Schulwege werden nicht zu Fuß, sondern mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln absolviert, den größten Teil des Tages verbringen Kinder und Erwachsene sitzend. Turnstunden werden reduziert, teure Mitgliedschaften im Fitnesscenter beschränken sich nach dem ersten Hype über ein paar Wochen auf das Tragen der Mitgliedskarte in der Geldbörse. Leider baut der menschliche Körper die Muskulatur, die nicht benötigt und gefordert wird, sehr rasch ab. Die stützende und stabilisierende Funktion für die Wirbelsäule geht damit ebenso verloren, wie die Stabilisierung des Fußskeletts. Die gesamte Haltung leidet unter dem Abbau, der Schwächung der Muskulatur und dem Unvermögen, die einzelnen Muskelgruppen zu koordinieren. Auch das Knochensystem wird geschwächt und die Folge davon sind Überlastungsschäden. Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Funktionsschwächen oder Erkrankungen sind ebenso häufig.
Wenn die Muskulatur gleichmäßig und gut ausgebildet ist und die Koordination zwischen den Muskeln funktioniert, dann stimmt auch die Körperhaltung. Oftmaliger Haltungswechsel ist dabei wichtig, denn je länger man in immer derselben Position verharrt, desto mehr gewöhnt sich der Körper daran. Er wird träge und verhindert Abwechslung, weil sie sich plötzlich seltsam anfühlt. Leider fühlt sich die Position des Körpers „richtig“ an, die man „gewohnt“ ist und nicht die, die gesund ist. Diesen Teufelskreislauf gilt es möglichst früh zu durchbrechen und durch viel Abwechslung und Bewegung erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Der Mensch ist kein „Lastesel“

Neben dem Bewegungsmangel ist auch das „falsche“ Tragen von Taschen ein wesentlicher Faktor, der sich oft erst Jahre später in Haltungsschäden und körperlichen Beschwerden oder Schmerzen auswirkt. Klar ist: Je geringer das Gewicht einer Tasche, umso besser. Beim Heben und Tragen gelten einfache physikalische Gesetze. Laut Hebelgesetz wirken beim Heben einer zehn Kilo schweren Last bereits 50 Kilo auf den Rücken. Je kürzer der Hebel, desto geringer die Belastung. Werden Sporttaschen, Rucksäcke oder Schultaschen am Rücken getragen, so ist darauf zu achten, dass die Gurte straff angezogen sind und die Last somit eng am Körper anliegt. So wird das empfundene Gewicht einer Last, die nahe am Körper gehalten wird oder sogar auf diesem „gelagert“ ist, um ein Vielfaches geringer, als wenn die Last mit ausgestreckten Armen, weit vom Körper entfernt, gehalten werden muss.
Rucksäcke haben meist ein geringeres Eigengewicht als herkömmliche Arbeits- oder Schultaschen, daher sind sie bei gleichem Füllgewicht leichter. Der Nachteil ist ihre fehlende Stabilität und der fehlende Schutz für das Packgut, vor allem Laptops sind in Rucksäcken ohne eigene Polster ungeschützt und können leicht beschädigt werden.

Rollen mit Köpfchen

Trolleys sind zwar beim Gehen auf der Ebene eine Erleichterung, allerdings auf Treppen, Rolltreppen oder beim Einsteigen in öffentliche Verkehrsmittel manchmal sehr gefährlich. Man kann damit hängen bleiben, sie sind schwer hochzuheben und meistens viel schwerer und voller als eine herkömmliche Tasche. Wichtig wäre also, sich die Arbeit zu machen, die normalerweise im Rückenteil integrierten oder versteckten Träger herauszunehmen und den Trolley beim Tragen auf beide Schultern zu nehmen. Auch der Bügel sollte ganz hineingeschoben werden, damit er den Tragevorgang nicht behindert. Beim Ziehen eines Trolleys muss darauf geachtet werden, dass die Arme nahe beim Körper verbleiben und der Ellenbogen in Taillennähe gehalten wird. Nur so kann eine Verdrehung im Rücken verhindert werden. Die Verdrehung entsteht dadurch, dass unser flexibler Körper der Last nachgibt, statt dass die kräftige Muskulatur dagegen hält. Wie bei Rucksäcken und Schultaschen, sollte auch beim Trolley auf eine gute Polsterung an den Stellen geachtet werden, wo der Trolley beim Tragen am Körper anliegt. Je stabiler ein Trolley beim Ziehen ist, desto besser ist es für die Sicherheit und den Benutzungskomfort. Falls weitere Gepäckstücke wie Mappen, Sportbeutel oder Regenschirm transportiert werden müssen, die keinen Platz im Trolley finden, sollten diese besser in der Hand getragen und nicht am Trolley befestigt werden. Auch hier geht es um die Erhaltung der Stabilität des Trolleys und um die Sicherheit beim Transport. Zudem wird der Rücken weniger belastet, wenn das zu transportierende Gewicht stabil und gut verteilt ist.
Umhänge- oder Tragetaschen mit einem Riemen sollten nach Möglichkeit nicht verwendet werden, da sie den Rücken einseitig belasten. Kommen sie allerdings doch zum Einsatz, empfiehlt es sich, den Trageriemen quer über Brust und Rücken auf die gegenüberliegende Schulter zu legen und so hochzuziehen, dass die Tasche bequem mit der Hand umfasst und eventuell in der Taille abgestützt werden kann. Ein Seitenwechsel ist etwa alle 20 Minuten anzuraten, denn nach dieser Zeitspanne lässt die Muskelspannung nach.

Tipps für den Kauf und den Gebrauch der Schultasche

  • Bei einer Schultasche mit 15 Litern Innen­volumen sollte das Leergewicht maximal 1,2 kg betragen.
  • Entsprechende Innenfächer sollten dafür sorgen, dass das Gewicht beim Packen gleichmäßig auf dem Rücken verteilt werden kann.
  • Für Tragegurte gilt: zumindest 4 cm Breite, ausreichend gepolstert sowie einfach und rasch zu verstellen.
  • Wesentlich ist auch die Position auf dem Rücken: beide Tragegurte verwenden (straff­ziehen) und die Oberkante der Schultasche auf Höhe der Schultern abschließen.
  • Schultasche nicht einseitig oder am Griff tragen.
  • Wasserflaschen erst in der Schule befüllen, um unnötiges Gewicht am Schulweg zu vermeiden.

Die AUVA hat eine Drehscheibe entwickelt (Bestellung unter www.auva.at), die dabei mit Fun-Faktor unterstützt, einfach das Idealgewicht der Schultasche in Abhängigkeit vom Körpergewicht zu ermitteln. So geht’s: Stellen Sie im äußeren Kreis das Körpergewicht ein. Darunter können Sie dann den Richtwert ablesen, den die Schultasche haben soll. Die fertig gepackte Schultasche kann mit einer Badezimmerwaage oder einem vergleichbaren Messgerät gewogen werden. Vergleichen Sie das angezeigte Gewicht mit dem abgelesenen Wert. Abweichungen sind je nach je nach Trainingszustand der Muskeln, tolerierbar.