Der Fehlzeitenreport 2019

„Die flexible Arbeitswelt: Arbeitszeit und Gesundheit“ ist das Schwerpunktthema des aktuellen Fehlzeiten­reports. Das Krankenstandsniveau ist langfristig betrachtet vergleichsweise niedrig, auch wenn die Statistik 2018 gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg verzeichnete.

Abb. 1: Entwicklung der Krankenstandstage und der Versicherten. Quelle: Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, WIFO-Berechnungen. Anmerkung: Durch die Umstellung der Versichertenzahlen in der Krankenstandsstatistik kommt es in den betroffenen Datenreihen zwischen 1999 und 2000 zu einem geringfügigen statistischen Bruch.

Abb. 2: Unfallquoten der unselbständig Beschäftigten. Quelle: Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, WIFO-Berechnungen.

Bereits seit 2008 erscheint jährlich der Fehlzeitenreport und gibt eine Übersicht über die Entwicklung und Verteilung der gesundheitsbedingten Fehlzeiten in Österreich. Der Fehlzeitenreport 2019 mit dem Schwerpunkt „Die flexible Arbeitswelt: Arbeitszeit und Gesundheit“ wurde am 4.12.2019 im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger vorgestellt. Herausgegeben wird der aktuelle Fehlzeitenreport vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bundesarbeitskammer, der Wirtschaftskammer Österreich und des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Entwicklung der Krankenstandstage

Der durchschnittliche Krankenstand von unselbständig Beschäftigten lag im Jahr 2017 bei 12,5 Tagen und stieg im Jahr 2018 auf 13,10 Kalendertage an. Betrachtet man das Krankenstandsniveau langfristig über die Zeit, ist es derzeit vergleichsweise niedrig. Die krankheitsbedingten Fehlzeiten erreichten im Jahr 1980 mit durchschnittlich 17,4 Tagen ihren Höchstwert und gingen bis 2000 auf 14,4 Tage zurück. In den letzten Jahren schwankte die Zahl der Krankenstandstage zwischen 12,3 und 13,2.

Kurze Krankenstände sind in diesen Zahlen nicht vollständig abgebildet, da Krankenstände von Arbeitnehmern, die sich ohne Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses (ein bis drei Tage) krankmelden dürfen, nicht in die Statistik einfließen. Damit ist die tatsächliche Krankenstandsquote etwas höher als in der Statistik ausgewiesen. Aber auch ohne eine vollständige Erfassung sind Kurzkrankenstände sehr häufig: 2018 dauerten gut 40 Prozent aller erfassten Krankenstände weniger als vier Tage. Bezogen auf die Summe der Krankenstandstage stellen Kurzkrankenstände jedoch mit 8,5 Prozent einen geringen Anteil dar. Längere Krankenstände sind selten (nur 12 Prozent dauern länger als zwei Wochen), verursachen jedoch mit knapp 58,5 Prozent einen erheblichen Anteil der Fehlzeiten.

Arbeiter häufiger krank als Angestellte

Auch wenn sich der Unterschied in der Krankenstandsquote zwischen Arbeitern und Angestellten in den letzten Jahren verringert hat, bleibt er nach wie vor deutlich ausgeprägt. Im Jahr 2018 verbrachten Arbeiter im Schnitt 16,2 Tage im Krankenstand, Angestellte durchschnittlich elf Tage.

Heute dominieren vor allem Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Atemsystems. Der Anteil der Verletzungen an den Krankenstandsdiagnosen nahm dagegen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich ab. Mit rund vier bis acht Tagen fallen infektiöse und parasitäre Krankheiten, Krankheiten des Atmungssystems sowie Krankheiten des Verdauungssystems relativ kurz aus.
Von den häufigeren Krankheitstypen liegen die Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems mit
15,4 Tagen, Verletzungen und Vergiftungen mit 19,6 Tagen und vor allem die psychischen und Verhaltensstörungen mit 34,6 Tagen über dem Gesamtdurchschnitt.

Die durchschnittliche Zahl der Krankenstandstage infolge psychischer Erkrankungen hat sich seit der Mitte der 1990er-Jahre, ausgehend von einem niedrigen Niveau, fast verdreifacht. Der Anstieg der psychisch bedingten Krankenstände ist seit 2012 abgeflacht. 2016 kam es erstmals seit der Mitte der 2000er-Jahre zu einer leichten Reduktion der Krankenstandstage je Versicherten aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen. Während 2017 der Wert gleich blieb, ist 2018 wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen.

Arbeitsunfälle weiterhin rückläufig

Waren es im Jahr 1974 in Österreich je 10.000 Versicherte noch 765 Arbeitsunfälle (inkl. Wegunfälle), reduzierte sich dieser Wert bis 1995 auf etwa 600 Unfälle. In der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre kam es zu einem weiteren, deutlichen Rückgang auf 455 Arbeitsunfälle im Jahr 2000. Nach Schwankungen reduzierten sich die Arbeitsunfälle ab 2008 weiter und erreichten 2018 mit 318 Unfällen je 10.000 Versicherten den tiefsten Stand seit 1974. Anders ausgedrückt: Im Jahr 1974 waren 7,6 Prozent der unselbständig Beschäftigten von einem Arbeitsunfall betroffen, im Jahr 2018 waren es 3,2 Prozent. Der Anteil der Wegunfälle am gesamten Unfallgeschehen ist über die Jahre weitgehend konstant geblieben (siehe Abb. 2).

Arbeitszeit & Gesundheit

Im zweiten Teil des Fehlzeitenreports 2019 geht der Autor Thomas Leoni auf „die flexible Arbeitswelt: Arbeitszeit und Gesundheit“ ein. Nach einem zusammenfassenden Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse zieht Leoni für aktuelle Berechnungen mit österreichischen, repräsentativen Daten den Arbeitsklima-Index sowie den Arbeitsgesundheitsmonitor der Arbeiterkammer Oberösterreich (2012 – 2018) heran.

Dargestellt werden in Folge erkennbare Muster, die sich aus unterschiedlichen Formen der Arbeitszeit und der Gesundheit der entsprechenden Beschäftigten in Österreich ergeben. Die Arbeitszeitzufriedenheit sowie die Arbeitsplatzgestaltung werden in weiteren Schritten mit gesundheitlichen Indikatoren der Arbeitnehmer verknüpft. Die wichtigsten Ergebnisse über Nacht- und Schichtarbeit, Gleitzeit, Wochenendarbeitszeit und langen Arbeitszeiten sind in diesem zweiten Teil des Fehlzeitenreports beschrieben.

Betont wird die Komplexität der Thematik, die auch in der Beantwortung von Fragestellungen berücksichtigt werden muss, da es stets mehrere Faktoren zu beachten gilt. Beispielsweise kann hinsichtlich der vorhandenen Autonomie von Beschäftigten mit Gleitzeit festgestellt werden, dass diese mit der Arbeitszeitgestaltung zufriedener und motivierter sind. Dieser Spielraum kann jedoch auch zu Arbeitsverdichtung und schlechterer Abgrenzung zwischen Privatem und Beruflichem führen. Moderne Kommunikationstechnologien können diese Entgrenzung verstärken.     (bh/ts)

Der Fehlzeitenreport 2019 bestätigt

  • Überlange Wochenarbeitszeiten gehen mit verschlechterten Gesundheits­indikatoren (subjektiver Gesundheitszustand, Schlafstörungen u.A.) einher
  • 80 Prozent der Beschäftigten, die innerhalb von Gleitzeit arbeiten, sind mit ihrer Arbeitszeit zufrieden
  • Unter den Beschäftigten mit überlangen Arbeitszeiten sind die meisten Unzufriedenen zu finden
  • Nachtschichtarbeitnehmer sind am meisten von Schlafstörungen betroffen, unabhängig von ihrer Arbeitszeitzufriedenheit
  • Führungskräften haben eine zentrale Rolle hinsichtlich der Möglichkeiten, Arbeitszeit zu gestalten sowie belastende Arbeitsmerkmale kompensieren zu können


Thomas Leoni: Fehlzeitenreport 2019.
Krankheits- und unfallbedingte Fehlzeiten in Österreich.
Die flexible Arbeitswelt: Arbeitszeit und Gesundheit.WIFO, Wien, 2019.