Diabetes und Sport – Leistungsfähig trotz Erkrankung

Ein Team aus 16 Radrennfahrern steht im Fokus der aktuellen Diabetes-Forschung und erarbeitet mit den Wissenschaftlern Strategien, die auch für Hobbysportler wichtig sind.

© Med Uni Graz

Wissenschaftler der Medi­­­­­­zinischen Universität Graz betreuen seit 2019 ein professionelles Radteam, das zur Gänze aus Athleten mit Typ-1-Diabetes mellitus besteht. Dabei arbeitet das Forschungsteam der Kardiovaskulären Diabetologie an der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Med Uni Graz an der Erforschung des Zusammenhangs von Blutzuckereinstellung und Leistungsfähigkeit. Im Fokus der Wissenschaftler ist dabei die Verbindung von Diabetesmanagement und Hochleistungssport.

Individuelle Empfehlungen

Max Eckstein, MSc, und sein Kollege Priv.-Doz. Mag. Othmar Moser, PhD, erforschen gemeinsam mit Kollegen von der Swansea University, UK, wie man Diabetesmanagement und Hochleistungssport am besten miteinander verbinden kann. Daher begleiten sie seit 2019 ein professionelles Radteam – das Team Novo Nordisk – bestehend aus Athleten mit Typ-1-Diabetes mellitus. „Die Athleten sind grundsätzlich als Hochleistungssportler anzusehen. Es geht uns darum, die Leistungsfähigkeit und Regeneration zu gewährleisten und die Einflüsse der Erkrankung und Insulintherapie zu minimieren“, sagt Moser. Die erste wissenschaftliche Betreuung des Teams fand in einem 10-tägigen Trainingslager in Spanien statt, in welchem die Glukose-, Insulin-, Ernährungs- und Leistungsdaten erhoben und ausgewertet wurden. „Sowohl die Leistungsfähigkeit als auch das Diabetesmanagement der Athleten sind bemerkenswert. Nichtsdestotrotz versuchen wir, die Daten objektiv zu interpretieren, um individuelle Empfehlungen abzugeben“, sagt Eckstein.

Insulinspiegel und Kohlenhydratzufuhr im Visier

Die Insulintherapie ist bei körperlicher Belastung besonders schwierig zu organisieren. Da bei physischer Aktivität die Glukose ohne Insulinwirkung in die Muskulatur aufgenommen wird, empfehlen Experten den Patienten mit Typ-1-Diabetes mellitus, die Insulindosis in Abhängigkeit zur Dauer und Intensität der Belastung zu reduzieren oder zusätzliche Kohlenhydrate zuzuführen. In früheren Studien konnte die Forschungsgruppe zeigen, dass Insulinreduktionen oder zusätzliche Kohlenhydrate eindeutig notwendig sind, um lebensbedrohliche Hypoglykämien zu vermeiden: „Bei normal leistungsfähigen Menschen mit Typ-1-Diabetes mellitus konnten wir zeigen, dass das Insulin um 25 bis zu 75 Prozent reduziert werden sollte, um die Glukosekonzentration während des Sports stabil zu halten. Wenn diese Therapieoption für Patienten nicht geeignet ist, sollten pro Stunde Sport circa 35 bis 40 Gramm Kohlenhydrate konsumiert werden. Interessanterweise wurden diese Ergebnisse durch die Athleten bestätigt, die exakt dieselben Therapiestrategien anwenden“, sagen die beiden Physiologen.

Das Team, bestehend aus 16 Athleten, wurde vor Kurzem auch bei der „Tour of Slovenia“ wissenschaftlich betreut, um die Relation zwischen Training und Wettkampf besser verstehen zu können. Assoz.-Prof. PD Dr. Harald Sourij, Leiter der Forschungsgruppe Kardiovaskuläre Diabetologie und der Diabetesambulanz an der Med Uni Graz, sagt dazu: „Aus klinischer Sicht sind die Daten der Athleten mit Typ-1-Diabetes mellitus von großem Wert, um weitere Therapiestrategien entwickeln zu können. Sport, mit all seinen positiven Aspekten, sollte jedem Patienten mit Typ 1-Diabetes zugänglich gemacht werden, ohne die permanente Angst vor Hypoglykämien.“