Die Tropen in Österreich

Tropische Krankheiten auf Grund von Mückenstichen und Zeckenbissen machen sich langsam auch in Österreich breit.

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Prof. Dr. Norbert Nowotny vom Institut für Virologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien erforscht, welche Mücken und Zecken ihr Verbreitungsgebiet nach Norden ausdehnen und so auch unerwünschte Tropenkrankheiten nach Österreich bringen. Der Experte weiß, dass besonders zwei Viren hierzulande neu sind: das Usutu- und das West-Nil-Virus.

Tropenkrankheiten im Schlepptau

Seit 1996 ist bekannt, dass das Usutu-Virus auch in Europa auftritt, 2001 wurde es im Großraum Wien nachgewiesen. „Vermutlich wurde es über Zugvögel eingeschleppt“, so der Forscher. Das Usutu-Virus wird durch heimische Gelsen übertragen, aber auch die neu eingeschleppte Asiatische Buschmücke trägt zur Verbreitung bei. Die Erkrankung verläuft meist harmlos, kann aber auch schwerwiegende Komplikationen mit sich bringen.

„Das zweite neu nach Europa eingeschleppte Virus ist eine neue Variante des West Nil-Virus, die bisher nur aus Afrika bekannt war“, erzählt der Veterinärvirologe. Das West-Nil-Virus sei für den Menschen deutlich gefährlicher. „In einem von 140 Fällen kommt es zu einer Infektion des Gehirns, die zu zehn Prozent tödlich verlaufen kann. Schwere Krankheitsverläufe werden vor allem bei älteren Menschen beobachtet.“

Übles aus dem Süden

Es sind nicht nur neue Viren, die sich in Österreich und Europa breit machen, sondern auch Mücken und Zecken, die Übles im Gepäck mit sich führen. Neben der Asiatischen Buschmücke wurde mehrfach die Asiatische Tigermücke nachgewiesen. „Sie können gefährliche Krankheiten wie das Dengue-Fieber oder die Chikungunya-Infektion übertragen“, so Nowotny.  Noch dürfte es für den unerwünschten Gast in Österreich eher zu kalt sein. „Wenn die globale Erwärmung aber im gleichen Maße wie in den letzten Jahren fortschreitet, wird sich die Asiatische Tigermücke auch hier etablieren können“, so der Experte. Außerdem werden immer wieder Malaria-Fälle gemeldet und auch das Verbreitungsgebiet der Sandmücken, die Leishmaniose übertragen können, vergrößert sich langsam, aber stetig, Richtung Norden.
Zecken können Krankheiten wie FSME und Borreliose übertragen. Zumindest gegen Ersteres helfen Schutzimpfungen. In den letzten Jahren wurden aber auch in höheren Bergregionen und in vermeintlich kühleren Monaten FSME-Fälle nachgewiesen. Neue Zeckenarten, die das gefährliche Krim-Kongo-Fieber übertragen können, wurden in unseren Breiten gefunden. Eine beunruhigende Aussicht auf kommende, wärmere Jahre.

Wirksamer Schutz ist die beste Vorbeugung

Klassische Insektenmittel: Salben und Gele aus der Apotheke bzw. auf Verordnung des Arztes, Hitze, zum Beispiel in Form eines Insektenstichheilers oder Thermostifts aus der Apotheke oder als erhitzter Löffel

Zur Vorbeugung: Pflanzen zur Abwehr, Fliegen-/Mückennetz, Licht abdrehen, Gelsenstecker nur in Ausnahmefällen, Wasserschalen mit Duftölen oder Duftkerzen – sofern keine Allergie bekannt ist. Lange, helle Kleidung, häufig duschen, UV-Lampen, Repellents

Aus Omas Hausapotheke:  rohe Erdäpfelscheibe, rohe Zwiebel, Lavendel-, Teebaum-, Nelkenöl, Topfen, Honig, Zitrone, Melissen- oder Spitzwegerichblätter, Essig, Eiswürfel, Spucke, Salzbrei aus Salz und wenig Wasser auf die Einstichstelle auftragen