Faire Führung leicht gemacht

Im Sport werden Verstöße gegen „Fair Play“ zumeist drastisch geahndet. Im Geschäftsumfeld hingegen werden „geschickte Schachzüge“, die eigene Interessen durchsetzen, oft gelobt.

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Keine gute Idee“, sagt Veronika Hucke, Unternehmensberaterin mit langjähriger Erfahrung als Führungskraft für Kommunikation, Markenführung und Personalentwicklung in großen Unternehmen. Denn fair zu agieren wird für Führungskräfte immer wichtiger. Das gilt besonders, wenn Veränderungen in Unternehmen anstehen. Dann korreliert der Ruf, fair zu sein unmittelbar mit der Fähigkeit von Vorgesetzten, Teammitglieder zu motivieren, ihr Bestes zu geben und auch in unruhigen Zeiten Erfolge zu feiern.

Als volatil, unsicher, komplex und widersprüchlich präsentiert sich die Arbeitswelt von heute. Kombiniert mit der Anforderung, heterogene Teams zu führen, versagen traditionelle Führungsstile sehr oft in der Praxis. Warum, weiß Hucke aus Erfahrung und hat aktuell zum Thema „Fair führen“ einen Praxisratgeber publiziert.

Warum ist faire Führung wichtig?
Hucke: Fairness ist längst eine Führungskompetenz.

Es ist nicht nur „nett“, Beschäftigte gerecht zu behandeln, es ist für den Erfolg von Unternehmen unabdingbar. Niemand kann im Job heute noch Jahre vorausplanen und gerade in einem so unsicheren Umfeld befähigt der Ruf, fair zu sein, Vorgesetzte, ihre Teams erfolg­­­reich durch Veränderungen zu führen.

Gleichzeitig ist allen gegenüber „fair sein“ schwieriger, wenn Teammitglieder ganz anders sind als ich selbst. Das bedeutet für mich als Führungskraft, dass ich – weniger denn je – alle über einen Kamm scheren darf. Stattdessen muss ich das Umfeld und mein Verhalten an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen, um gleiche Voraussetzungen zu schaffen.

Muss man nicht manchmal auch unfaire Entscheidungen treffen, die aber für das Wohl des Unternehmens wichtig sind?
Hucke: Manchmal muss man harte Entscheidungen treffen, aber unfair sollten sie nicht sein. Ein typischer Fall sind Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage, bei denen Stellen abgebaut werden. Wenn es fair zugeht, wird sowas auf Basis schlüssiger Kriterien entschieden, die für alle gelten. Es bleiben dann die, deren Qualifikationen besonders wichtig sind, die gute Leistung bringen und natürlich gilt es soziale Aspekte zu berücksichtigen. Unfair wird es, wenn im Endeffekt Sympathie entscheidet.

Was sind die Grundvoraussetzungen für faires Führen?
Hucke: Ich muss mir bewusst machen, dass ich nicht das Maß der Dinge bin. Dass Menschen sich unterscheiden, unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Stärken haben und Dinge unterschiedlich angehen. Und dass es nicht besser oder schlechter ist, was sie tun, nur weil sie es anders machen als ich selbst.

Zwei Faktoren beeinflussen besonders stark, wie wahrscheinlich es ist, dass wir andere fair behandeln. Zum einen fällt es uns leichter, Menschen, ihre Motivation und ihre Handlungen zu verstehen, wenn sie uns ähnlich sind. Wenn wir die Dinge aus der gleichen Perspektive sehen. Wenn große Unterschiede bestehen, jemand aus einem anderen Kontext kommt und ganz anders „tickt“, ist das viel schwieriger. Dann kann es viel leichter zu Missverständnissen kommen und dadurch auch zu Ungerechtigkeiten.
Der zweite Aspekt sind Stereotype. Sie beeinflussen unsere Erwartungen davon, was Menschen können, welche Stärken sie haben und wie sie sich verhalten sollten. Das führt dazu, dass Menschen, die unserem Bild nicht entsprechen, oft Nachteile erfahren.

Konkrete Tipps finden sich im aktuellen Praxisratgeber der Unternehmensberaterin Veronika Hucke.