Risikokompetenz bei Kindern fördern

Kinder werden nicht vor Unfällen geschützt, indem sie in Watte gepackt und vor wichtigen Entwicklungser­fahrungen ferngehalten werden.

Übertriebene Sicherheitsbedenken, Ängstlichkeit und Überbehütung durch Erwachsene, aber auch Bewegungsarmut durch zu viele Zeit vor dem TV, Tablet, Smartphone hemmen die motorische Entwicklung des Kindes. Dadurch kommt es auch zu Entwicklungsverzögerungen der sozialen, emotionalen und kognitiven Fähigkeiten des Kindes. Die entstehenden Defizite führen zudem zu einer erhöhten Unfallgefährdung. Lernen Kinder bereits von klein auf mit Gefahren und heiklen Situationen umzugehen, werden sie in Zukunft in Gefahrensituationen auch umsichtiger handeln. Traut man dem Kind Neues zu, kann es seine Motorik frei entfalten. Natürlich ist es oberste Priorität Unfälle zu vermeiden, trotzdem gehören aus entwicklungspsychologischer Sicht aufgeschürfte Knie, blaue Flecken, Kratzer und schmutzige Kleidung einfach dazu, wenn Kinder springen, klettern, toben oder laufen wollen.

Kein Lernen ohne Risiko

Kinder können risikohafte Situationen nur dann verstehen und daraus lernen, wenn sie diese selbst erleben. Für viele Erwachsene sind derartige Situationen oft schwer auszuhalten, weshalb sie gerne frühzeitig eingreifen. Dadurch verhindern sie, dass das Kind wichtige Erfahrungen machen kann, wie zum Beispiel etwas aus eigenen Kräften geschafft zu haben. Indem Erwachsene jedes Kind und jede Situation individuell beurteilen, können sie das Unfallrisiko besser einschätzen und gegebenenfalls eingreifen.
Positive und negative Erfahrungen, Erfolg und Misserfolg gehören zur Entwicklung der Risikokompetenz dazu. Wichtig ist, dass man Kindern ermöglicht, (Bewegungs-)Erfahrungen aus erster Hand zu machen. Umso mehr Sicherheit das Kind gewinnt, desto besser wird es seine Fähigkeiten und Grenzen in Zukunft einschätzen können.

Info & Kontakt:
Mag. Teresa Kerschenbauer, MA
wuv-kindergarten(at)auva.at

✓ Reflektieren Sie Ihr Erziehungsverhalten!

  • Lasse ich mein Kind Neues ausprobieren oder greife ich immer gleich ein?
  • Wäge ich ab, was im schlimmsten Fall passieren kann, bevor ich eingreife?
  • Beobachte ich mein Kind stets mit Argusaugen oder lasse ich es auch mal für sich selbst sein?
  • Kann ich dabei zusehen, wie mein Kind ein überschaubares Risiko eingeht?
  • Nehme ich meinem Kind im Alltag Dinge ab, die es vielleicht schon selbst kann (zum Beispiel mit einem Messer Butter aufs Brot streichen)?

Literaturquelle:
Unverzagt, G., (2015): Selber fliegen! Warum Kinder keine Helikopter-Eltern brauchen, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau.