Sicheres Höhlenabenteuer

Höhlen zu erkunden hat etwas Geheimnisvolles, Abenteuerliches an sich. Wer mit fachkundiger Unterstützung und bei trockenem Wetter in die „Unterwelt“ steigt, ist auf der sicheren Seite.

In Schauhöhlen sind Besucher auf der sicheren Seite und erhaschen einen Blick ins Innere des Berges – wie hier in der Dachstein-Rieseneishöhle. © Dachstein Tourismus AG/Manfred Schoepf

Im Juli des Vorjahres wurden in Thailand zwölf Kinder, eine Fußballmannschaft, und ihr Trainer, vermisst. Schließlich wurden sie in einer Höhle geortet, aus der sie jedoch nicht aus eigener Kraft entkommen konnten. Was war passiert? Die Buben im Alter von elf bis 16 Jahren erkundeten eine vermeintlich völlig ungefährliche Höhle. Während sie im Inneren des Berges weilten, kam der Regen, der Wasserspiegel stieg rapide an und versperrte den Rückweg. Immer tiefer drangen sie auf der Flucht vor den Wassermassen in die Höhle ein – die Lage wurde immer verzwickter. Nach acht Tagen wurden sie von Rettern entdeckt, nach 27 Tagen konnten alle in einer Großaktion unversehrt gerettet werden. Die halbe Welt fieberte bei der Rettungsaktion mit – und trauerte um einen bei der Aktion ertrunkenen Rettungstaucher.

Regen macht Höhlen gefährlich

Höhlen sind kalt, eng und nass. Wer ohne fachgerechte Führung auf eigene Faust eine Höhle erkundet, begibt sich in allergrößte Gefahr. Viele dramatische Rettungsaktionen beginnen damit, dass sich Wanderer oder Touristen vor der Witterung in eine ihnen unbekannte Höhle retten – und schon nimmt das Drama seinen Lauf. Der Regen, vor dem sich Unerfahrene retten möchten, sammelt sich nämlich in Höhlen und durch die engen Gänge steigt der Wasserspiegel in hohem Tempo an. Schnell ist dann der Rückweg versperrt. Selbst Regenfälle, die nicht vor Ort niedergehen, sondern ein Wolkenbruch einige Kilometer entfernt kann den fatalen Lauf der Dinge in Gang setzen.

Im Jahr 2014 geriet ein versierter deutscher Höhlenforscher in große Gefahr, als er beim Erforschen der Riesending-Schachthöhle am Untersberg bei einem Steinschlag schwere Kopfverletzungen davontrug. In einer äußerst schwierigen international besetzten Rettungsaktion mit insgesamt 728 Helfern konnte der Forscher aus 1.000 Metern Tiefe gerettet werden. Der Wissenschaftler trug keine Schuld an dem Unfall, dennoch macht er deutlich, mit welch unerwarteten Gefahren in Höhlen zu rechnen ist. Neben Wassereintritt, Steinschlag und Orientierungsverlust können auch giftige Gase, Erschöpfung der Gruppenmitglieder, Panikattacken, Kälte, schwierige Kletterpassagen oder Ausrüstungsmängel zu lebensbedrohlichen Problemen werden.

Adrenalinkick Höhlentauchen

Besonderen Gefahren sind Höhlentaucher ausgesetzt. Der Abenteuerrausch ist es oft, der dazu verleitet, Aktivitäten auszuprobieren, die aus verschiedenen Gründen nicht ausreichend vorbereitet wurden. Beim Höhlentaucher reiht sich ein Gefahrenpotenzial an das andere: Angst, Panik, Ausrüstungsmängel, Erschöpfung und Erfahrungsmangel werden ergänzt durch Tiefenrausch, Strömung, Kälte, Gasvergiftungen, Dekompressionserkrankung, Wassertrübe oder Leinenverwicklungen. Selbstverständlich gibt es gegen all diese Gefahren schützende und vorbeugende Handlungen und Ausrüstungen. Eigene Ausbildungen in Begleitung erfahrener Höhlentaucher sollen vermeiden helfen, dass man ihnen schutzlos ausgeliefert ist. Was jedenfalls nicht reicht, ist, erfahrener Taucher zu sein, denn Höhlen zu betauchen stellt die Sportler vor wesentlich größere Herausforderungen – wie das tragische Beispiel aus Thailand zeigt.
Höhlen gelten als Orte magischer Steinformationen und geologischer Schätze, geheimnisvoller Tierarten, Spuren früher Besiedelungen und unzähliger Geschichten. Sie zu erkunden bereitet vielen Abenteurern einen besonderen, einzigartigen Adrenalinkick, der anspruchsvoll und herausfordernd sein kann. Menschen mit Angst vor der Enge oder vor Fledermäusen, einem Hang zu Panikattacken, Untrainierte und Behäbige sollten nur mit fachkundiger Begleitung in Höhlen vordringen. Eine angemessene Schutzausrüstung inklusive Helm, festem Schuhwerk und Licht ist dabei ein Muss. Wer probieren möchte, wie es ihm in der unterirdischen Welt geht, der ist für den Anfang mit einer Schauhöhle gut beraten – und davon hat Österreich eine ganze Menge.

Sommer ist Gewitterzeit

Wenn zwischen Blitz und Donner weniger als 30 Sekunden vergehen, ist es Zeit einen geschützten Bereich aufzusuchen. Gerade Wanderer nutzen dann mitunter eine nahe Höhle in Ermangelung alternativer Schutzbereiche, doch das kann sich als besonders tückische Wahl herausstellen. Grundsätzlich bietet sich ein Höhleneingang als Schutz zwar an, doch weiter ins Innere sollte man sich in unbekanntem Terrain nicht wagen.

Tipps für eine sichere Höhlenbefahrung

  • Gehen Sie niemals alleine
  • Führen Sie mindestens zwei Lichtquellen mit
  • Hinterlassen Sie Name der Höhle, Alarmzeit und Ausstiegszeit
  • Planen Sie die Höhlenbefahrung detailliert (Route, Tourenziel, Genehmigung, Zeiteinteilung, Wetterverhältnisse, Rückweg etc.)
  • Wählen Sie die Höhle nach Erfahrung und Kondition aller Teilnehmer aus
  • Setzen Sie, wenn möglich, auf die Begleitung eines Ortskundigen bzw. Höhlenführers
  • Eine angemessene Ausrüstung ist Pflicht:
    je nach Art der Befahrung

    • Helm
    • Geeignetes Schuhwerk
    • Wasserfeste Kleidung
    • Seile, Gurten, Steigklemmen, Karabiner, Abseilgerät etc.
    • Stirnlampe und ggf. eine zweite Lichtquelle
    • Wärmequelle
    • Apotheke
    • Proviant
    • etc.

Diese Angaben sind für die Retter wichtig:

Was ist passiert?
Höhlenunfall/vermisst, Verletzungsart
Wo?   
Höhlenname, Katasternummer, Gebiet,
Zustieg, nächstgelegener Ort
Wann?   
Unfallzeitpunkt, Einstiegszeit, Alarmzeit
Wie viele?
   
Anzahl der Verwundeten/Vermissten, Ausrüstung, Autonummer
Wer meldet?
Name und Telefonnummer

ALPIN-NOTRUF: 140