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03.12.2018 13:34 Alter: 7 Tage
Kategorie: Dezember 2018

Arbeitssicherheit – vom ersten Tag an

Bei der MAN Truck & Bus Österreich steht die Bewusstseinsbildung zu Fragen der Arbeitssicherheit hoch im Kurs. Bei den Lehrlingen wird das Wissen um die Vermeidung von Gefahren vom ersten Tag an vermittelt.


Ein Alle!Achtung!-Award für die Lehr­lingsausbildung bei MAN Truck & Bus Österreich. V. l. n. r.: DDr. Karl-Heinz Rauscher, Geschäftsführer MAN, Mag. Marina Pree-Candido, Direktorin der AUVA-Landesstelle Linz und Dr. Erhard Prugger, Vorsitzender der AUVA-Landesstelle Linz. Foto © R. Reichhart

Alle zehn Minuten verlässt in Steyr ein Lastkraftwagen der leichten und mittleren Baureihe das Werk der MAN Truck & Bus Österreich. Am traditionsreichen Standort in der Schönauer Straße werden nicht nur alle im Konzern benötigten Lkw der Typenreihen TGL und TGM mit Motorleistungen zwischen 150 und 340 PS, Gesamtgewichten zwischen 7,5 und 26 Tonnen gefertigt. Hier entstehen auch Sonderfahrzeuge sowie Fahrerhäuser für den MAN-Produktionsverbund.

Gesund und sicher

Bei MAN in Steyr wird ausschließlich auftragsbezogen produziert. Damit jeder Lkw kundenspezifisch gefertigt werden kann, kommen modernste Organisations- und Logistikmethoden zum Einsatz. Die hohe Taktung der Produktion setzt voraus, dass die einzelnen Montageteams im Schichtbetrieb mit gleichbleibend hoher Qualität arbeiten. Dies können sie nur dann tun, wenn die Rahmenbedingungen möglichst optimal sind: Je „gesünder“ und sicherer die einzelnen Arbeitsplätze, umso eher kann das angestrebte Ergebnis erreicht werden.

Der Unternehmensleitung von MAN Truck & Bus Österreich sind diese Tatsachen wohl bewusst. Daher wurden vor rund fünf Jahren in Zusammenarbeit mit der AUVA verschiedene Initiativen zum Thema „Sicherheit am Arbeitsplatz“ gestartet. „Gesundheit und Arbeitssicherheit sind gesetzlich manifestiert und haben für ein Unternehmen jedenfalls hohe wirtschaftliche Bedeutung. MAN sieht diese Themen weit darüber hinausgehend als moralische Pflicht gegenüber den Mitarbeitern“, erläutert DDr. Karl-Heinz Rauscher, Geschäftsführer MAN Truck & Bus Österreich und ergänzt: „Eine gesunde und motivierte Belegschaft ist leistungsfähig und hat Freude am Tun. Das zeigt sich in der Qualität der Arbeit als auch am persönlichen Wohlbefinden in der Zufriedenheit der Beschäftigten.“

Teamarbeit und Führungskultur

Ein erfolgreiches Sicherheits- und Gesundheitsmanagement, so Rauscher weiter, setzt sich aus den entscheidenden Faktoren einer konsequenten Bewusstseinsbildung einerseits und nachhaltigen Maßnahmen in der Gestaltung des Arbeitsplatzes und der Rahmenbedingungen andererseits zusammen. Deshalb startete das MAN-Management in Steyr vor fünf Jahren ein Maßnahmenprogramm, das mehrere Ziele verfolgte: Die aus Unternehmenssicht zu hohe Krankenstandsquote sollte gesenkt und die Zahl der Arbeitsunfälle im Betrieb deutlich verringert werden. Ansetzen wollte man aber auch bei den damals noch teilweise vorhandenen Arbeitsplätzen mit erhöhter körperlicher Belastung. Die Arbeitsplätze wurden mit Hilfe der Leitmerkmalmethode (LMM) evaluiert und in der Folge wurde versucht, Abhilfe zu schaffen: Einerseits durch „grüne“ Arbeitsplätze, das sind jene mit geringer körperlicher Belastung nach dem Ampelsystem der Leitmerkmalmethode, andererseits durch Etablierung von Teamarbeit und durch eine gelebte Führungskultur.

Gesamtheitlicher Ansatz

Um das ambitionierte Ziel der Reduktion von Krankenstandstagen und Unfallquoten zu erreichen, wurde die Zusammenarbeit mit der AUVA auf verschiedenen Ebenen intensiviert. Schulungen für Staplerfahrer, Lärm- und Schadstoffmessungen, Beratung bei sicherheits- und verkehrsrelevanten Fragen, spezielle Angebote für Lehrlinge, die Ausbildung von Sicherheitsfachkräften oder Sicherheitsvertrauenspersonen oder die Mithilfe bei der Organisation von Sicherheitstagen durch Workshops oder spezielle Stationen sind einige Beispiele für die Unfallprävention. Wichtig ist den Verantwortlichen dabei ein gesamtheitlicher Ansatz, der aus den Modulen Verhalten, Führung, Medizin und Arbeitssicherheit besteht.
Seitens des Unternehmens wurden im Zusammenhang mit der Unfallprävention rund 500 Arbeitsplatze im Unternehmen ergonomisch optimiert, um den Status „Grün“ nach LMM zu erreichen. Dies gelang einerseits durch neue oder verbesserte Hebehilfen, andererseits durch neue Betriebsmittel oder die Verkürzung der Rotationszeiten.

Große Erfolge in den letzten fünf Jahren

Wenn es erforderlich war, wurde bei MAN dafür auch Geld in die Hand genommen: Der Umbau der Auspuffmontage mit einer absenkbaren Arbeitsbühne schlug sich beispielsweise mit 275.000 Euro zu Buche. Dafür können die Mitarbeiter die Abgasanlage nun ohne Verrenkungen anbringen. Eine Besonderheit bei MAN in diesem Zeitraum war auch die Unterstützung eines Physiotherapeuten, der die Beschäftigten bei den jeweiligen Tätigkeiten beobachtete und ihnen Hinweise zu richtiger Körperhaltung und Vermeidung von Fehlstellungen gab.

Bei der Einführung der Teamarbeit setzte man bei MAN auf ein Konzept aus Qualifikation und Rotation. In jedem Team werden im Schnitt zehn bis zwölf Arbeitsschritte erledigt. Ziel ist es, dass jeder Mitarbeiter eines Teams alle Arbeitsschritte erlernt und ausführen kann. Wie die Rotation aussieht, wird teamintern festgelegt: Kürzeste Zeiteinheit ist eine Stunde, die längste eine Woche.

Nicht ohne Stolz berichtet das MAN-Management über die Erfolge, die diese Maßnahmen gebracht haben: Die Zahl der Arbeitsunfälle ist von 87 im Jahr 2013 auf unter 40 in den letzten beiden Jahren gefallen, 2017 verzeichnete man 38 Arbeitsunfälle. Ebenfalls deutlich gesunken ist auch die Unfallquote. Lag sie 2013 noch bei 29,69 Arbeitsunfällen pro einer Million Arbeitsstunden, so betrug sie 2017 nur mehr 15,93.
„Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, kommentiert Dr. Erhard Prugger, der Vorsitzende der AUVA-Landesstelle Linz, diese Statistik. „Ich freue mich, dass es in Oberösterreich so viele innovative Unternehmen gibt, die großen Wert auf die Arbeitssicherheit legen.“

Fundierte Lehrlingsausbildung

Bei MAN will man bei der Verhütung von Arbeitsunfällen insbesondere auch bei der Jugend ansetzen und hat deshalb auch in der Lehrlingsausbildung besondere Akzente auf dem Gebiet der Prävention gesetzt. Dies war auch mit ein Grund für die Jury, dem Unternehmen einen Alle!Achtung!-Award zuzuerkennen.

Bei MAN in Steyr werden aktuell insgesamt rund 350 Lehrlinge in rund einem Dutzend Lehrberufen ausgebildet. Das Ausbildungsangebot umfasst die Bereiche Metall-, Kfz- und Lackiertechnik sowie Logistik. Im eigenen Ausbildungszentrum sind 17 hauptberufliche Ausbildungsmeister tätig, die jedoch nicht nur die etwa 150 MAN-Lehrlinge zu betreuen haben: In der größten Lehrwerkstätte der Region werden auch mehr als 200 Lehrlinge anderer Unternehmen ausgebildet. MAN ist Ausbildungspartner unter anderem für das BFI Oberösterreich, BMW Motoren, CNH Österreich, Eisenbeiss, Magna Powertrain/Engineering Center Steyr, SKF Österreich, Steyr Mannlicher, ZF Steyr Präzisionstechnik, Wagner Schmelztechnik, Mondi, RAI Technik oder GFM-Steyr.

„Wir sehen in unseren Lehrlingen unsere strategische Reserve, sie sind unser Facharbeiterkapital für die Zukunft“, erläutert dazu DDr. Rauscher mit Verweis auf die Tatsache, dass durchschnittlich 80 Prozent der Lehrlinge als spätere Facharbeiter im Betrieb verbleiben. „Daher gibt es im Rahmen der Ausbildung besondere Programme und Schwerpunkte für die Themen Gesundheit und Arbeitssicherheit, wie spezielle Gesundenuntersuchungen, Schulungen zu Suchtprävention oder spezielle Sicherheitsschulungen.“

Auch in diesem Bereich arbeitet MAN eng mit der AUVA zusammen. Im ersten Lehrjahr besuchen die Lehrlinge ein Tagesseminar, das neben allgemeinen Kenntnissen zur Arbeitssicherheit auch über persönliche Schutzausrüstung, richtiges Heben und Tragen, Maschinensicherheit, Hautschutz oder das richtige Verhalten im Unfall oder Brandfall informiert. Ab dem zweiten Lehrjahr gibt es Schwerpunktveranstaltungen der AUVA zu chemischen Arbeitsunfällen, Löschübungen, „Denk ans Gelenk“, Mopedtrainings im Trialgarten oder Klettergarten-Training. Die Direktorin der AUVA-Landesstelle Linz, Mag. Marina Pree-Candido, unterstreicht bei der Verleihung des Alle!Achtung!-Awards die Bedeutung einer fundierten Lehrlingsausbildung für die Arbeitssicherheit: „Es muss unser Ziel sein, bei den Lehrlingen vom ersten Tag an ein Bewusstsein für die Arbeitssicherheit und für das Erkennen von Unfallrisiken zu schaffen. Nur dann können sie in Gefahrensituationen richtig reagieren.“    (wh)

Alle!Achtung! Mit diesem Award holt die AUVA Persönlichkeiten, Unternehmen oder ­Schulen vor den Vor­­hang, die besondere Akzente auf dem Gebiet der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz setzen. Bewerben auch Sie sich unter alle-achtung(at)auva.at

Fahrzeugproduktion seit mehr als 100 Jahren

Das Werk Steyr in der Schönauer Straße wurde 1914 noch in den Zeiten der K.-u.-K.- Monarchie fertiggestellt. Kurz nach dem Ende des 1. Weltkrieges verließen die ersten in Steyr entwickelten und gebauten Lastkraftwagen die Fabrikshallen. Die Lkw-Serienproduktion startete dann drei Jahre später (1922). 1920 hatte man bereits mit der Pkw-Fertigung in Steyr begonnen. In den folgenden Jahrzehnten setzt das Werk Maßstäbe in der Fahrzeugproduktion, etwa mit der Herstellung des Kleinwagens Steyr 50, genannt „Steyr Baby“ im Jahr 1936, des ersten allradgetriebenen Lkw im Jahr 1941 oder dem Bau des ersten Diesel-Lkw im Jahr 1948. Dieser Typ 380 und seine Nachfolger wurden zu einem wesentlichen Grundpfeiler des Wiederaufbaus Österreichs nach dem 2. Weltkrieg.

Bis 1999 wurden verschiedene Steyr-Lkw-Baureihen produziert, seit nunmehr fast 20 Jahren verlassen MAN-Lkw die Fertigung. Seit 2016 werden im Truck Modification Center Sonderfahrzeuge aller Baureihen hergestellt, heuer wurden die ersten Lkw mit Elektroantrieb an die Kunden ausgeliefert.
Das Werk Steyr hat im Laufe seiner Geschichte immer wieder kleinere und größere Modernisierungs- und Investitionsphasen erlebt. Diese Tradition setzt MAN ebenfalls fort: Schon in wenigen Wochen soll eine neue hochmoderne Kunststoffteile-Lackiererei in Betrieb gehen, die mit einem Kostenaufwand von rund 50 Millionen Euro in den letzten beiden Jahren errichtet worden ist.

Info & Kontakt: www.man.at