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04.12.2017 11:01 Alter: 141 Tage
Kategorie: Dezember 2017

Blickwinkel

Kaum eine Branche kommt heute ohne den Einsatz eines Computers aus. Die Geräte werden zumeist dort aufgestellt, wo gerade Platz ist. Doch nicht jeder freie Platz ist auch ein optimaler Platz.


© istock

Auch wenn in unserem Informations- und Kommunikationszeitalter ein Leben ohne Bildschirm – vom Computer über das Tablet bis zum Smartphone – kaum wegzudenken ist, wirken sich die vielen Stunden, die wir täglich vor dem Bildschirm verbringen, oft negativ auf die Gesundheit aus: Stütz- und Bewegungsapparat leiden, Augen tränen und werden trocken oder Kopfschmerzen nehmen zu.  Auch die psychischen Belastungen durch steigenden Zeitdruck und die zunehmende Onlineaktivität wachsen.
Bildschirmarbeit ist in Österreich gesetzlich geregelt. Eine Definition dazu findet sich in § 67 Abs. 1 ASchG (ArbeitnehmerInnenschutzgesetz): Bildschirmarbeitsplätze sind Arbeitsplätze, bei denen das Bildschirmgerät und die Dateneingabetastatur oder sonstige Steuerungseinheit sowie gegebenenfalls ein Informationsträger eine funktionale Einheit bilden. Ebenfalls ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, Bildschirmarbeitsplätze ergonomisch zu gestalten und nur Geräte zu verwenden, die dem Stand der Technik entsprechen.

Ins passende Bild gerückt

Moderne Flachbildschirme entsprechen meist den gesetzlichen Anforderungen, da die angezeigten Zeichen scharf, deutlich und bei korrekter Einstellung auch ausreichend groß und mit angemessenem Zeichen- und Zeilenabstand sichtbar sind. Ausreichend groß sind die Zeichen, wenn bei einer Sehdistanz von 50 bis 75 cm die Zeichenhöhe der Großbuchstaben mindestens 3,5 mm beträgt. Weiters sind die Geräte in ihrer Darstellung stabil und flimmerfrei, da sie auf einer anderen Technologie basieren als Röhrenmonitore und somit Flimmern im eigentlichen Sinne gar nicht möglich ist. Helligkeit und Kontrast zwischen Zeichen und Hintergrund müssen leicht vom Benutzer eingestellt und den Umgebungsbedingungen angepasst werden können.
Monitore müssen eine reflexionsarme Oberfläche besitzen. Dieser Forderung kommen immer mehr Hersteller von Monitoren und vor allem Laptops und Tablets nicht nach. Beim Kauf sollte man darauf achten, um so auch privat die Augen schützen.
Der Bildschirm muss gut dreh- und neigbar sein. Ist das nicht gewährleistet, kann ein separater Monitorstandfuß verwendet werden. Die Größe des Bildschirmes muss der Arbeitsaufgabe angepasst sein.

Anforderungen an Tastatur und Maus

Die Tastatur muss eine vom Bildschirm getrennte Einheit sein. Sie muss neigbar sein, sollte jedoch immer so flach wie möglich eingestellt sein und eine deutlich lesbare Tastenbeschriftung besitzen. Die Oberfläche darf nicht glänzen. Zusätzlich wird bei Bedarf eine Handballenauflage empfohlen, die dazu beiträgt, dass die Handgelenke entlastet werden.
Tastaturladen und PC-Tische mit zu geringer Aufstellfläche sind dagegen ungeeignet. Um eine günstige Arbeitshaltung zu ermöglichen, soll die Tastatur leicht erreichbar und frontal vor dem Benutzer angeordnet sein.
Auch an die Maus werden zahlreiche Anforderungen gestellt: So soll die Cursorposition bzw. die Mauszeigerposition eindeutig und leicht erkennbar sein. Für die Maus selbst muss ausreichend Manipulationsfläche vorhanden sein.
Wird häufig mit Arbeitsvorlagen oder Belegen gearbeitet, so sind auf Wunsch Konzepthalter zur Verfügung zu stellen. Sie müssen ausreichend groß, stabil und verstellbar sein. So weit möglich, sind sie im gleichen Sehabstand wie der Bildschirm anzuordnen. Damit beim Blickwechsel zwischen Monitor und Konzepthalter möglichst bequeme Verhältnisse vorliegen, sollte der Konzepthalter unmittelbar neben dem Monitor angebracht werden.
Die Arbeitsfläche für einen Bildschirmarbeitsplatz soll zumindest 160 x 80 cm (Tischflächenmaß) betragen. Die erforderliche Tischtiefe ergibt sich aus der Sehentfernung und der Bildschirmtiefe. Bauteile des Bildschirmes und Kabel sollen nicht über die hintere Kante des Tisches hinausragen.
Mit dem Einzug von Flachbildschirmen in die Büros nimmt zwar grundsätzlich der Platz am Schreibtisch wieder zu, allerdings wird diese Entwicklung leider auch oft genutzt, um die Tischgrößen zu reduzieren. Eine Reduktion der Tischtiefe bei Verwendung eines Flachbildschirms auf ein Maß von 70 cm ist zwar zulässig, aus ergonomischer Sicht allerdings nicht anzustreben. Generell ist dafür zu sorgen, dass die benötigten Arbeitsmittel in Griffweite positioniert werden können.

Tipps zur Arbeitsorganisation

Arbeitnehmer, die einen großen Teil ihrer Arbeitszeit vor dem Bildschirm verbringen, sollen die Tätigkeiten so organisieren, dass regelmäßig eine Pause eingeplant wird. Vorgeschrieben sind laut Gesetzgeber zehn Minuten Pause oder Tätigkeitswechsel nach
50 Minuten Bildschirmarbeit. Zudem wird eine sogenannte „Mischarbeit“ gefordert – eine Kombination von Aufgaben am Bildschirm mit solchen, die kein Bildschirmgerät erfordern. Mischarbeit soll durch die unterschiedlichen Anforderungen gegenüber der körperlich bewegungsarmen, jedoch konzentrationsintensiven Arbeit am Bildschirm ausgleichend wirken.Auch wenn die Arbeitsplätze ergonomisch gestaltet sind, empfiehlt es sich, in den Arbeitspausen Ausgleichsübungen zu machen. Diese wirken entspannend für die Augenmuskulatur und die Skelettmuskulatur. Zudem fördert der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen die Venenpumpe und hemmt somit die Entstehung von Krampfadern.

So steht der Bildschirm richtig:

  • Die Blickrichtung soll parallel zu den Fensterflächen verlaufen.
  • Halbdurchlässige Lichtschutzfolien verringern Blendungen durch die Sonne, lassen aber dennoch die gesetzlich geforderte Sicht ins Freie zu.
  • Es dürfen keine störenden Reflexionen am Bildschirm, etwa durch Fenster, Lichtkuppeln oder Leuchten, entstehen.
  • Helle Fensterflächen dürfen sich nicht in Blickrichtung und in unmittelbarer Nähe des Bildschirmes befinden.
  • Die oberste Informationszeile darf nicht über Augenhöhe liegen. Günstiger ist es, wenn der Bildschirm etwas unterhalb angeordnet ist.
  • Sehabstand: 50 bis 75 cm. Der richtige Sehabstand ist dann gewährleistet, wenn die flache Hand aus einer aufrechten Sitzposition mit ausgestrecktem Arm auf den Bildschirm aufgelegt werden kann.

Regeln zu Bildschirmarbeitsplätzen

Ausgangspunkt aller österreichischen Regelungen ist die Richtlinie 90/270/EWG über die Mindestvorschriften bezüglich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit an Bildschirmgeräten. Von großer Bedeutung ist auch der Anhang der Richtlinie, in dem Mindestanforderungen für die ergonomische Gestaltung angeführt sind. Der Inhalt der Richtlinie ist in den §§ 67 und 68 ASchG und in der Bildschirmarbeitsverordnung (BS-V) BGBl. II
Nr. 124/1998 umgesetzt.

Ergonomie per App

Die kostenlose App „Bildschirmarbeitsplatz“ unterstützt Sie bei der ergonomischen Gestaltung eines Bildschirmarbeitsplatzes im Büro. Sie hilft, positive und negative Einflüsse auf Arbeit und Gesundheit zu erkennen. Nachdem ein paar kurze Fragen mit jeweils zwei bis drei Auswahlmöglichkeiten beantwortet sind, wird via App überprüft, ob der Arbeitsplatz alle ergonomischen Kriterien und gesetzlichen Anforderungen für Österreich erfüllt.
Über die App können auch das AUVA-Merkblatt M 026 „Bildschirmarbeitsplätze“ und die AUVA-Evaluierungsbroschüre E 17 „Büro-Arbeitsplätze“ nach dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz abgerufen werden und eine Bildschirmarbeitsbox bestellt werden.