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04.02.2019 16:25 Alter: 11 Tage
Kategorie: Jänner/Februar 2019

Ergonomie aus allen Blickwinkeln betrachtet

Mit seinem Ergonomie-Zentrum Tirol und der Veranstaltungsreihe Ergonomieforum Innsbruck hat Ing. Walter Ambros in den letzten 25 Jahren starke Akzente in Tirol gesetzt. Dies wurde jetzt mit einem Alle!Achtung!-Award gewürdigt.


Ein Alle!Achtung!-Award für besondere Akzente im Bereich Ergonomie im Westen Österreichs: Ing. Walter Ambros (Bildmitte) mit DI Georg Effenberger, Leiter der Präventionsabteilung der AUVA (links) und DI Micheal Wichtl, Geschäfts­führer der ÖAE. © W. Hawlik

IL-ERGO 1 – Der Mann, der mit diesem Wunschkennzeichen unterwegs ist, hat sich seit vielen Jahren dem Thema Ergonomie verschrieben: Ing. Walter Ambros hielt die Fahnen einer menschengerechten Arbeitsgestaltung nicht nur in seinem Heimatbundesland hoch, er ist weit über die Grenzen Tirols hinaus bekannt. Nun zieht sich Ambros in den wohlverdienten Ruhestand zurück. – sein „Lebenswerk“ wurde deshalb kürzlich mit einem Alle!Achtung!-Award ausgezeichnet.

Ergonom als Autodidakt

Ambros ist gelernter Textiltechniker und war beginnend mit 1960 – damals Betriebsassistent in einer großen Spinnerei – auch viele Jahre einschlägig in diesem Bereich tätig. Schon während dieser Tätigkeit wurde ihm bewusst, wie wichtig eine optimal auf den Menschen abgestimmte Arbeitsumgebung ist und so begann er sich schon sehr früh als Autodidakt mit dem Thema Ergonomie auseinander zu setzen. Sein Fokus richtete sich dabei auf Lösungen, die einerseits zu einer Arbeitserleichterung beim Ausführen der jeweiligen Tätigkeit führten, andererseits auch wirtschaftliche Anforderungen gut abdecken konnten.
In den 1990er-Jahren machte Ambros dann seine Passion zum Beruf: am 27. September 1994 gründete er das „Ergonomie-Zentrum Tirol“ nach dem Vorbild des damaligen Ergo-Z in Salzburg und nach positiven Ermunterungen durch Prof. Dr. Peter Köck von der Technischen Universität Wien und Wirtschaftskammer Österreich, Abteilung Sozialpolitik.
Ab diesem Zeitpunkt realisierte Ambros als Berater für ergonomische Arbeitsgestaltung eine Vielzahl von unterschiedlichen Projekten. Der regionale Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag in Tirol, aber auch im gesamten Westen Österreichs und im angrenzenden Südtirol.

„Ergonomieforum Innsbruck“ als Marke etabliert

Schon ein halbes Jahr nach der Gründung des Ergonomie-Zentrums Tirolorganisierte Ambros das 1. „Ergonomieforum Innsbruck“, das sich mit dem damals hochaktuellen Thema der Anforderungen und der Umsetzung des neuen ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes beschäftigte. Im gleichen Jahr organisierte Ambros noch vier weitere Foren, die im Wesentlichen der Büroergonomie und den dazu erforderlichen Schritten zur ergonomischen und vorschriftenkonformen Arbeitsplatzgestaltung bis hin zum Thema Arbeitsplatzanalyse gewidmet waren. Diese Foren – gefolgt von zwei weiteren – wurden in Kooperation mit dem Wiener Unternehmen Human Ware durchgeführt.

In den Jahren 1998 bis 2000 waren konsequenterweise drei weitere Foren zur Vorstellung und Umsetzung der Bildschirmarbeitsverordnung (BS-V) am Programm (Foren 7 bis 9). Ab dem 9. Forum im Jahr 2000 mit dem Titel „BS-Arbeit spezial“ konnte der engagierte Techniker die AUVA mit ihren Ergonomieexperten als Mitveranstalter gewinnen. „Nicht zuletzt dadurch öffnete sich auch der Themenfokus sowie der Teilnehmerkreis. Die Leitthemen des jeweiligen europäischen Jahres für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit wurden jeweils als Themenfokus gewählt“, erinnert sich DI Michael Wichtl, Ergonom in der AUVA-Hauptstelle und Geschäftsführer der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ergonomie.

Start zum Faschingsbeginn

Dass Ambros auch eine humorvolle Ader hat, zeigt sich unter anderem daran, dass ab dem 15. Forum „Ermittlung und Beurteilung von Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz“ die Veranstaltung am 11.11. – also dem Beginn des Faschings – durchgeführt wurde, wenn dieser Termin auf einen geeigneten Wochentag fiel. Die Themen der nun jährlich ausgerichteten Foren zeigen auch deutlich den Zugang, den er auf die Ergonomie hat: Er sieht das Thema aus dem Blickwinkel der ganzheitlichen Ergo-Ökonomischen Arbeitsplatzgestaltung als Querschnittsmaterie unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen. Beispielhaft dafür sind etwa „Ergonomie = Produktivität, Gesundheit und Qualität“ (Leitthema des Forums am 11.11.2011), „Gemeinsam für Sicherheit und Gesundheit“ (22.11.2012) oder „Durch optimale Verhältnisse zum erwünschten Verhalten“. Letzteres Forum, das im November 2016 im Innsbrucker Alpenzoo durchgeführt wurde, hält auch den bisherigen Besucherrekord.
Ähnlich breit wurde das Thema Ergonomie auch im diesjährigen Ergonomieforum beleuchtet, dem letzten, für dessen Organisation Ambros verantwortlich zeichnete: Die Frage „Arbeitswelt 4.0, Digitalisierung und Ergonomie – Wo bleibt der Mensch?“ versuchten nicht nur Ergonomen zu beantworten, sondern auch Vertreter anderer Disziplinen – vom Roboterexperten bis zum Philosophen mit starkem kognitions- und neurowissenschaftlichem Background.

Es geht weiter …

Seit mehr als 30 Jahren ist Ambros – mit kleinen Unterbrechungen – auch in der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ergonomie (ÖAE) tätig: 1987 trat er als Vertreter seines Arbeitgebers mit einer Firmenmitgliedschaft der ÖAE bei, seit 1994 ist er mit dem Ergonomie-Zentrum Tirol Firmenmitglied der ÖAE. Seit 2012 – dem Jahr der Reorganisation dieses Vereins, der nun seinen Sitz in der Hauptstelle der AUVA hat – ist die ÖAE auch Mitveranstalter des Ergonomieforums Innsbruck. In den letzten Jahren ist es ihm auch gelungen, in Tirol Mitstreiter für die Gedanken der Ergonomie zu finden und innerhalb der ÖAE eine kleine ergonomische „Community“ aufzubauen.

Ing. Walter Ambros hat immer angekündigt, dass er – mittlerweile über 70 Jahre alt – nach dem 25. Ergonomieforum Innsbruck aufhören und sich in der Pension anderen Themen widmen will. Dieses 25. Forum, das im November 2018 im Congress Innsbruck über die Bühne ging, nahm DI Georg Effenberger, Ergonom, Leiter der Präventionsabteilung der AUVA-Hauptstelle und Vorstand der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ergonomie, zum Anlass, Ambros mit einem Alle!Achtung!-Award für sein Engagement um die Ergonomie in Österreich auszuzeichnen. Ambros erfülle die Kriterien für eine Zuerkennung dieses Preises in sehr hohem Maße, habe er als Persönlichkeit doch „besondere Akzente um die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz“ gesetzt, betonte Effenberger.

Seitens der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ergonomie erhielt Ambros aus den Händen von Geschäftsführer DI Michael Wichtl, Ergonom in der AUVA-Hauptstelle, die Ehrenmitgliedschaft der ÖAE „in Anerkennung der langjährigen Zusammenarbeit“ verliehen. Die ÖAE wird in Zusammenarbeit mit der AUVA auch das berufliche „Erbe“ von Ing. Walter Ambros hochhalten und das Ergonomieforum Innsbruck weiterführen. Als Termin für das 26. Ergonomieforum Innsbruck ist der 14. November 2019 angekündigt.    (wh)

Alle!Achtung! Mit diesem Award holt die AUVA Persönlichkeiten, Unternehmen oder ­Schulenvor den Vor­­hang, die besondere Akzente auf dem Gebiet der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz setzen. Bewerben auch Sie sich unter alle-achtung(at)auva.at.