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04.03.2019 12:46 Alter: 16 Tage
Kategorie: März 2019

Gepflegt und gesund

Gerade wer sich beruflich mit der Pflege und Gesund­erhaltung von Händen oder Füßen oder dem körper­lichen Wohlbefinden seiner Kunden beschäftigt, sollte seine eigenen „Werkzeuge“ nicht vernachlässigen.


© R. Gryc

Die Hand ist ein unverzichtbares Werkzeug des Menschen: egal, ob wir kräftig und zugleich vorsichtig zupacken, Gegenstände kontrolliert durch die Finger gleiten zu lassen oder gefühlvoll über die Haut eines anderen streichen. Allein der Daumen wird bei rund 25 Prozent der täglichen Aktivitäten eingesetzt. Sind die Hände verletzt, so schränkt das unseren Handlungsspielraum daher meist stark ein. Gerade Berufsgruppen, die ganz wesentlich auf die Funktionsfähigkeit des komplexen Tast- und Greiforgans angewiesen sind, sollen der Vorbeugung von Beschwerden oder Verletzungen besondere Aufmerksamkeit schenken. Dazu gehören zum Beispiel Hand- und Fußpfleger, Kosmetiker, Masseure, Piercer oder Tätowierer.

Dynamik statt Statik

Bei diesen Berufsgruppen ist in der Regel die permanente Überbeansprchung, also das „zu viel“, für Beschwerden der oberen Extremitaet verantwortlich, nicht die Lasthandhabung. Permanentes manuelles Arbeiten – oft mit gesenktem Kopf – beansprucht Muskulatur, Gelenke, Bandapparat und Sehnen der Arme und Hände ganz besonders. Die Folgen können von lokalen Muskelverspannungen im Bereich von Schulter und Nacken bis hin zu Entzündungen der Sehnen oder starker Abnutzung von Gelenken führen. Insbesondere Handgelenk und Daumensattelgelenk sind davon betroffen. Warum gerade dieses Körperareal besonders anfällig ist, erklärt Mag. Michaela Strebl aus der Abteilung für Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung: „Die obere Extremität wie Schulter- Schulterguertel, Oberarm, Unterarm oder Hand ist aufgrund der flexiblen Verbindung mit dem Rumpf sehr beweglich. Das bedeutet einerseits eine umfangreiche Funktionsvielfalt, andererseits eine hohe Belastungsrelevanz für alle für das muskuloskelettale System belastungsrelevanten Tätigktein.  Besonders zu vermeiden sind statische, lang andauernde,  gleichartige Tätigkeiten, aber ebenso Arbeiten mit erhoehter Kraftanstrengung. Die Dosis macht bekanntlich das Gift, daher ist das ergonomische Prinzip der Job-Rotation ebenso anzustreben wie die Reduktion von Lasthandhabungen etwa durch den Einsatz von Fusswannen mit Rollen.“ Es gilt der Grundsatz: Rollen statt Tragen. Wannen auf Rollen haben den Vorteil, dass sich die Behandler beim Befüllen nicht weit nach unten bücken oder schwere Wannen heben und tragen müssen. Die Verwendung einer beweglichen Handbrause mit Brauseschlauch ermöglicht eine flexible Handhabung und fördert ergonomisches Arbeiten.

Bleiben Sie flexibel

Beim Kontakt mit Kunden wird viel Mühe investiert, ein Wohlfühlambiente herzustellen. Angenehme Temperatur, Licht sowie die angenehme Position der Sitzgelegenheit oder der Behandlungsliege tragen dazu bei. Dieser Wohlfühlort ist immer gleichzeitig auch der Arbeitsplatz des Mitarbeiters und muss auch seinen Ansprüchen Rechnung tragen. Flexibel einstellbare ergonomische Arbeitsmittel erlauben die Einhaltung ergonomischer Gestaltungsgrundsätze am Arbeitsplatz. Sie können an die jeweilige Bedienperson individuell angepasst werden und unterstützen körpergerechtes, gesundes Arbeiten. „Die Höhe der Behandlungsliege und des Arbeitsstuhls sind auf die Körpergröße der Behandler abzustimmen. Die Sitzposition sollte eine aufrechte Oberkoerperhaltung ermöglichen, um die natuerliche Krümmung der Wirbelsäue zu unterstützen. Achten Sie daher bei der Grundeinstellung des Stuhles auf einen nahezu rechten Winkel zw.ischen Oberschenkel und Oberkörper “, rät Strebl.

Gute Sicht

Auf ausreichende Beleuchtungsstärke soll bei jedem Arbeitsplatz geachtet werden, ein Umstand, der im nahen Sichtfeld noch wichtiger wird. So gilt als Empfehlung für die Allgemeinbeleuchtung im Raum für Berufsgruppen wie Masseure oder Fusspfleger eine Richtwert von 300-500 lx, im unmittelbaren Arbeitsbereich von Hand oder Fuss sind jedoch 750–1000 lx empfehlenswert. „Für das Arbeiten mit hohem visuellen Genauigkeitsgrad empfiehlt sich die Verwendung einer verzerrungsfreien Lupe. „Insbesondere bei älteren Personen gilt es, den altersbedingten Rückgang der Sehschärfe durch höhere Beleuchtungsstärken auszugleichen. Nähere Informationen gibt die ÖNORM EN 12464-1 Licht und Beleuchtung – Beleuchtung von Arbeitsstätten“, sagt die AUVA-Expertin.

  • Sorgen Sie für ausreichend Abwechslung der Tätigkeiten nach dem ergonomischen Prinzip der Job-Rotation.
  • Wenden Sie unterschiedliche Behandlungstechniken, zum Beispiel bei ­Masseuren Streichungen statt Friktionen. Ideal sind Wechselintervalle von ein bis zwei Stunden.
  • Erstellen Sie ein ergonomisches Belastungsprofil, um herauszufinden, welcher Risikofaktor am größten ist (Kraft, Zeit, Körperhaltung, …) um gezielt präventiv einzuwirken.
  • Setzen sie ergonomische Arbeitsmittel ein, die zum Beispiel höhenverstellbar sind, ein geringes Gewicht haben oder gut handhabbar sind, das gilt insbesondere für Handwerkzeuge.
  • Achten Sie auf die Einhaltung von Pausen. Mehrere kurze Pausen sind einer langen vorzuziehen. Ideal sind nach
  • 50 Minuten 10 Minuten Pause.
  • Achten Sie auf eine physiologisch opti­male Körperhaltung. Arbeiten Sie körpernahe und frontal zum Kunden und ver­meiden Sie Verdrehungen der Wirbelsäule.
  • Wechseln Sie, wenn möglich, zwischen Tätigkeiten im Sitzen und Stehen.
  • Machen Sie Ausgleichsübungen, ideal sind Mobilisierungsübungen für Nacken, Schulter- und Handgelenke.

Verwöhnprogramm

Im Mittelpunkt der Arbeit von Masseuren stehen oft Kunden, die mit Verspannungen im Hals- und Nackenbereich oder Schmerzen im Rücken kommen. Und gerade Masseure sind es, die von diesen gesundheitlichen Problemen häufig selbst betroffen sind, da ihr „Arbeitsplatz Mensch“ nicht immer den erforderlichen ergonomischen Grundsätzen entspricht. „Wichtig ist es, eine zu starke Oberkörpervorneigung zu vermeiden. Das geht am einfachsten, wenn die Behandlungsliege entsprechend höhenverstellbar ist. Achten Sie während der Massage auf eine Druckausübung aus dem gesamten Körper und nicht nur lokal aus den Armen. Am einfachsten geht das mit einer Schrittstellung der Beine, die eine stabile Standfläche ermöglicht. Dass Ausgleichs- und Lockerungsübungen zwischen den Patientenbehandlungen an der Tagesordnung stehen sollten, versteht sich von selbst.

Besonders empfohlen werden Mobilisierungsübungen für die Hals-, Lenden- und Brustwirbel­säule:

  •   Kopf drehen & Kopf nicken zur Mobilisierung der Halswirbelsäule. Die Übung kann im Stehen oder Sitzen durchgeführt werden. Nehmen Sie eine aufrechte Körperhaltung ein und drehen Sie den Kopf langsam möglichst weit nach rechts, dann nach links. Folgen Sie der Bewegung mit den Augen und blicken Sie nicht nach unten. Drehen Sie den Kopf fünf- bis siebenmal auf jede Seite. Diese Serie wird nach kurzer Pause bis zu dreimal wiederholt.
  •   Mobilisierung der Brustwirbelsäule. Die Übung kann im Stehen oder Sitzen durchgeführt werden. Nehmen Sie eine aufrechte Körperhaltung ein und strecken Sie den linken Arm über Schulterhöhe schräg nach vorne; der rechte Arm zeigt nach hinten unten. Nun mit den gestreckten Armen gegengleich so kreisen, dass die Arme immer eine Linie bilden. Der Oberkörper bleibt dabei ruhig und während der gesamten Bewegung nach vorne gerichtet. Machen Sie die Übung sieben- bis zehnmal auf jede Seite. Diese Serie wird nach kurzer Pause bis zu dreimal wiederholt.
  •   Mobilisierung der Lendenwirbelsäule. Stehen Sie aufrecht, hüftbreit und knieweich; die Finger umfassen den Beckenkamm. Kippen Sie das Becken nach vorne, indem Sie eine leichte Hohlkreuzstellung einnehmen. Anschließend kippen Sie das Becken nach hinten, indem Sie das Schambein nach vorne ziehen. Die Bewegung wird langsam und fließend ausgeführt. Machen Sie die Übung sieben- bis zehnmal. Diese Serie wird nach kurzer Pause bis zu dreimal wiederholt.

Info & Kontakt:
Merkblatt M029: Alternsgerecht und ergonomisch Arbeiten im Bereich Kosmetik, Massage, Hand- und Fuß­pflege
Merkblatt M035: Bewegungsübungen für den beruflichen Alltag
Alle Merkblätter zum Download auf www.auva.at