< vorhergehender Beitrag
04.12.2017 10:44 Alter: 230 Tage
Kategorie: Dezember 2017

Gesunde Arbeitsplätze für Jung und Alt

Betriebe zu informieren, wie Arbeitsplätze vom Berufseinstieg bis zur Pension alternsgerecht gestaltet werden können, war das Ziel der zweijährigen EU-Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – für jedes Alter“.


Foto: istock

Bis 2030 werden Arbeitnehmer im Alter von 55 bis 64 Jahren in vielen europäischen Ländern mehr als 30% der Erwerbsbevölkerung ausmachen. In der Strategie „Europa 2020“ wird der demografische Wandel als eine der größten Herausforderungen Europas bezeichnet. Das Altern der Erwerbsbevölkerung stellt alle, die am Sicherheits- und Gesundheitsschutzmanagement beteiligt sind, vor zahlreiche Herausforderungen:

  • Ein längeres Berufsleben kann dazu führen, dass Arbeitnehmer auch länger Gefährdungen ausgesetzt sind.
  • Es wird mehr Arbeitnehmer mit chronischen Gesundheitsproblemen und speziellen Bedürfnissen geben.
  • Ältere Arbeitnehmer sind möglicherweise anfälliger für bestimmte Gefahren. (z.B. Sturz- und Fallunfälle)
  • Die hohe Quote arbeitsbezogener Gesundheitsprobleme in bestimmten Branchen und bei bestimmten Arbeitsplätzen mit einer hohen physischen und/oder mentalen Arbeitsbelastung, manueller Arbeit oder atypischen Arbeitszeiten muss ebenfalls berücksichtigt werden.
  • Die Prävention von Behinderungen, die Rehabilitation und die Rückkehr an den Arbeitsplatz werden daher immer wichtiger.
  • Auf gesellschaftlicher Ebene muss die Diskriminierung aus Gründen des Alters bekämpft werden.

Wenn Menschen bis zum Erreichen des gesetzlichen Pensionsantrittsalters ihren Beruf ausüben können, so ist das auch ein wesentlicher Faktor für soziale Sicherheit, gesellschaftliche Teilhabe und der beste Schutz vor Altersarmut. Um eine langfristige Trendwende hin zum Verbleib Älterer im Beruf zu erreichen, müssen betriebliche Organisation und Arbeitsbedingungen im Hinblick auf körperlich und psychisch belastende Tätigkeiten von Anfang an so gestaltet sein, dass sie langfristig ausgeübt werden können. Eventuell sind je nach Alter und persönlichem Gesundheitszustand zusätzlich Adaptierungen notwendig.  Um mit Inforamtion, Beratung und Best Practice Beispielen zu unterstützen, wurde die EU-Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze – für jedes Alter“ der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) ins Leben gerufen. Auch die AUVA beteiligt sich mit einem vielfältigen Beratungs- und  Schulungsangebot sowie mit kostenlosen Tools und Instrumenten aktiv an diesem Schwerpunkt. Im Rahmen der gemeinsamenAbschlussveranstaltung mit über 200 nationalen und internationalen Teilnehmern, die kürzlich in Wien stattgefunden hat, wurde jetzt Bilanz über die umfangreichen Kampagnenaktivitäten gezogen. Einig waren sich alle Experten: ein langfristiger Verbleib Älterer im Betrieb erfordert auf jeden Fall gesunde Arbeitsbedingungen von Anfang an.

Was die EU-Kampagne bewirkt hat, ist die Bewusstmachung des Themas in den Betrieben. Jetzt geht es darum, dass vom Groß- bis hin zum Kleinbetrieb die Umsetzung in Gang kommt. Die bestehenden Angebote wie die professionelle Beratung des Arbeitsinspektorates, der AUVAsicher oder von fit2work sind erprobte Werkzeuge, um gesunde, arbeitsfähige Beschäftigte sicher zu stellen – und damit auch die Produktivität in den Betrieben zu erhalten oder zu fördern.

Im Mai 2016 startete die Informationskampagne der EU-OSHA in Österreich. An der durch das Sozialministerium koordinierten Kampagne beteiligten sich die Sozialpartner, Sozialversicherungsträger wie die AUVA, sowie zahlreiche bekannte Unternehmen wie die Infineon Technologies Austria AG, die OMV, die SIMACEK Facility Management Group GmbH und die Josef Manner und Comp AG. Im Laufe der Kampagne fanden über 50 Informationsveranstaltungen in nahezu allen Bundesländern statt, darunter Veranstaltungen mit den Arbeiterkammern und Wirtschaftskammern sowie zahlreiche AUVA-Veranstaltungen. „Ein wesentliches Ziel war es, bestehende Programme und Tools bekannter zu machen, die Unternehmen bei der Umsetzung alternsgerechter Arbeitsbedingungen unterstützen. Merkblatt für Alternsgerechte Arbeitsplatzgestaltung und der Altersstrukturcheck der AUVA, die über die Webseite  www.auva.at/alternsgerechtes-arbeiten zur Verfügung stehen, oder das Beratungsprogramm für Betriebe und Personen fit2work und das Gütesiegel NESTOR GOLD,“ gibt Dr. Helmut Köberl, Generaldirektor der AUVA Einblick.

An die EU-OSHA-Kampagne knüpfte die AUVA mit ihrem Präventionsschwerpunkt 2016/17 zu alternsgerechter Arbeitsgestaltung mit Informationsveranstaltungen, Seminaren für Führungskräfte und Betriebsberatungen an. „Im Rahmen der Kleinbetriebsbetreuung wurden durch AUVAsicher rund 35.500 Betriebe zum Thema ‚Alter(n)sgerechtes Arbeiten‘ informiert. In rund 14.200 Betrieben wurden bereits Maßnahmen zur alternsgerechten Arbeitsgestaltung umgesetzt“, so Köberl weiter. Über den Good Practice Award, der im Rahmen der Kampagne von der EU-OSHA vergeben wurde, durfte sich der Vorarlberger Leuchtenhersteller Zumtobel Group AG als einer von neun Preisträgern aus EU-Ländern im April 2017 freuen. Die Zumtobel Group AG hat eine eigene Abteilung Health & Age eingerichtet, um die Herausforderungen einer alternden Belegschaft zu bewältigen. Die getroffenen Maßnahmen reichen von einer ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen und Sportangeboten über Betriebliches Eingliederungs-Management und Generationenmanagement. „Der Preis der EU-OSHA ist eine Bestätigung unserer Arbeit zum Wohl unserer Kollegen“, sagt Mario Wintschnig, Head of Health & Age Zumtobel Group AG und ergänzt:„Seit der festen Einrichtung des Themas haben wir zahlreiche Maßnahmen erfolgreich umgesetzt. Unter anderem sind seit 2015 19 Mitarbeiter nach längerer, krankheitsbedingter Abwesenheit wieder erfolgreich in ihren Job eingegliedert worden.“

„Ältere Mitarbeiter können mit ihren Erfahrungen wesentlich zum Unternehmenserfolg beitragen“, betonte auch Eva Schrott, leitende Angestellte der Bäckerei Josef Schrott in Wien. Um die körperlich anstrengende Arbeit in der Bäckerei für Jung und Alt bestmöglich zu gestalten, setzt man auf Maßnahmen wie etwa Rohrleitungen, durch die das Mehl aus Silos in die Backstube kommt, um so das Tragen schwerer Mehlsäcke zu vermeiden.

Info & Kontakt:

EU-Kampagne: www.healthy-workplaces.eu/de

Europäische Agentur EU-OSHA: https://osha.europa.eu/de/

Arbeitsinspektion: https://www.arbeitsinspektion.gv.at/inspektorat/Gesundheit_im_Betrieb/Alternsgerechte_Arbeitswelt

Website der Sozialpartner und der AUVA: www.arbeitundalter.at

NESTOR GOLD: www.nestorgold.at

fit2work: www.fit2work.at