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03.07.2017 20:06 Alter: 82 Tage
Kategorie: Juli/August 2017

Gesundheit und Wandel in unserer Gesellschaft

Die diesjährige Jahrestagung der Österreichischen Public Health Gesellschaft (ÖGPH) stand unter dem Motto „Gesellschaft und Gesundheit – aktuelle und zukünftige Herausforderungen“.


© timsa/iStock

Die Jahrestagung der ÖGPH hat sich als die österreichische Konferenz in Sachen Public Health entwickelt. Jahr für Jahr trifft sich die heimische Public Health Community, die in den Bereichen Forschung, Lehre, Praxis und Policy tätig ist. Ziel ist es, sich untereinander auszutauschen, voneinander zu lernen, Forschungsergebnisse zu präsentieren und gemeinsam über die Zukunft nachzudenken.

„Die Gesellschaft ist starken Veränderungsprozessen unterworfen und das hat massive Auswirkungen auf die Gesundheit. Ein Beispiel ist der schwindende Stellenwert von Fakten und Evidenz bei Entscheidungsprozessen“, sagt Dr. Thomas Dorner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Public Health. Dr. Thomas Neumann, Generaldirektor-Stellvertreter der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA), ergänzt in diesem Zusammenhang: „Jeder Einzelne sollte sich seiner Gesundheitsverantwortung bewusst bzw. sein eigener Gesundheitsmanager sein, denn jeder trifft täglich seine Entscheidungen dazu.“ Gefordert wird daher eine enge Kooperation von Praxis und Wissenschaft, wie die SVA zum Beispiel im Programm „Selbständig Gesund“ zeigt: „Hier wurde zuerst ein Projekt gestartet und danach wissenschaftlich evaluiert, bevor es dann in den Regelbetrieb überging“, gibt Neumann Einblick.

Die SVA setzt auf Prävention und bietet ihren Versicherten darüber hinaus weitere Vorsorgeprogramme an, deren Durchführung auch finanziell belohnt wird. In der wissenschaftlichen Literatur wird bestätigt, dass „Nudges“, also kleine Anreize, durchaus zur Veränderung von Verhaltensweisen führen können. Daher bietet die SVA beispielsweise mit dem Programm „Selbständig Gesund“ die Reduzierung des Selbstbehaltes von 20 auf 10 Prozent an, wenn bestimmte Gesundheitsziele vereinbart und erreicht werden und ihre Einhaltung regelmäßig kontrolliert wird.

Solidarität und Image gehen verloren

Dorner sieht die größte Herausforderung in der Zukunftsentwicklung der Gesellschaft vor allem im Bereich der Solidarität. „Dieser Wert ist derzeit nicht mehr positiv besetzt. Dazu haben wir auch noch ein Gesundheitssystem, das sehr stark darauf beruht, dass die, die mehr haben, auch mehr dazu beitragen, dass die Gesundheitsversorgung für alle leistbar ist. Geht das Bewusstsein für bestmögliche Gesundheit für alle Menschen verloren, würde das das Ende unseres Gesundheits- und Sozialversicherungssystems, wie wir es jetzt kennen, bedeuten“, ist der Präsident der ÖGPH überzeugt.

Jan Pazourek, Generaldirektor der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK) sieht zwei große Herausforderungen auf das Gesundheitswesen der Zukunft zukommen: „Zum einen ist es die Epidemiologie, wie zum Beispiel die bessere Versorgung bzw. Behandlung chronischer Krankheiten. Während die Erstversorgung in Österreich sehr gut funktioniert, besteht im Umgang mit chronisch Kranken noch großer Aufholbedarf. Zum anderen haben gesellschaftliche Institutionen, die Vertrauen und Sicherheit geben sollten, wie etwa die Krankenversicherungen, derzeit mit einem schlechten Image zu kämpfen.“ Dabei spielt er auf die Debatte über die Zusammenlegung der Kranken- und Sozialversicherungen an.

Info & Kontakt: www.oeph.at