< vorhergehender Beitrag
28.08.2017 11:53 Alter: 85 Tage
Kategorie: September 2017

„Ich und mein Holz“

Mit dem gleichnamigen Song landeten die „257ers“ auf einem Spitzenplatz in der heimischen Hitparade und bringen auf den Punkt, was Holz alles kann. Das „Liebeslied“ an den Naturwerkstoff thematisiert auch das Risiko: „Aber wenn du es sägst, dann nicht ah ...“


© istock

Damit die Arbeit mit Holz sicher und ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgeübt werden kann, ist das Wissen um die Gefahren und die notwendigen Schutzmaßnahmen von großer Bedeutung. Denn neben Holzbau und Zimmerei zählt vor allem auch die Bau- und Möbeltischlerei zu jenen Branchen, in denen sich – bezogen auf die Anzahl der Beschäftigten – überdurchschnittlich viele Unfälle ereignen.
Jährlich verunfallen etwa 1.600 Möbeltischler und 2.300 Zimmerer und Bautischler, einige davon tödlich. Diese Unfälle verursachen in Summe über 70.000 Krankenstandstage. Besonders gefährdet sind dabei jüngere Arbeitnehmer: 37 % der Unfälle von Möbeltischlern und 34 % der Unfälle von Zimmerern und Bautischlern erleiden Personen, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die Unfallrate bei Jugendlichen ist zudem etwa doppelt so hoch wie bei Erwachsenen. Schulung, Erfahrung und Fachwissen sind nötig, um Risiken bei der Arbeit mit Holz zu vermeiden. Gefährdungen durch Arbeiten an Maschinen und andere gefährliche und belastende Tätigkeiten müssen durch eine fundierte Ausbildung gering gehalten werden. Richtiges und sicheres Verhalten wird durch häufiges Wiederholen einer Situation geübt, wobei eine detaillierte und intensive Unterweisung hilft, in den oft wechselnden Arbeitssituationen des gesamten Berufslebens die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Sicheres Arbeiten an Maschinen

Maschinen dürfen nur dafür verwendet werden, wofür sie vom Hersteller gebaut und in Verkehr gebracht wurden. Angaben dazu findet man in der Bedienungsanleitung des Herstellers. Schutzeinrichtungen dürfen nicht außer Funktion gesetzt werden. Für das richtige und sichere Bedienen ist die Bedienungsanleitung des Herstellers heranzuziehen, die wichtige Informationen enthält, wie Sicherheits- und Gesundheitsgefahren vermieden werden können.

Richtiges Heben und Tragen

Die Arbeit in der Tischlerei erfordert es manchmal, dass schwere Gegenstände gehoben werden müssen. Hier gilt: aus den Knien und mit geradem Rücken heben. Gegenstände sollen immer dicht am Körper getragen und ungünstige Körperhaltungen vermieden werden, damit es nicht zur Fehlbelastung der Wirbelsäule kommt, wenn schwere Gegenstände einseitig getragen werden. Die Bandscheiben drücken auf das Rückenmark, wenn mit rundem Rücken gehoben wird, oder auf eine Nervenwurzel, wenn Gegenstände körperfern getragen werden.

Gefahren durch Holzstaub

Holzstaub ist ein gefährlicher Arbeitsstoff, der entweder als eindeutig krebserregend oder als Arbeitsstoff mit begründetem Verdacht auf krebserregendes Potenzial eingestuft wird. Er kann Krankheiten wie etwa Hauterkrankungen, Atemwegserkrankungen oder allergische Reaktionen verursachen. Zudem ist Holzstaub brennbar und kann mit Luftsauerstoff explosionsfähige Atmosphären bilden. Grundsätzlich müssen alle spanabhebenden Holzbearbeitungsmaschinen über eine Absaugung verfügen. Wenn jedoch die Ermittlung und Beurteilung der Gefahren eine Unterschreitung des Grenzwertes ergeben, kann davon auch abgewichen werden, beispielsweise bei Arbeiten im Freien, in Hallen mit ausreichendem Luftdurchzug, unter Wetterschutzdächern oder auf Montagebaustellen.
Maßnahmen zur Staubreduzierung sind die Erfassung der entstehenden Stäube an allen Holzbearbeitungsmaschinen und Handarbeitsplätzen durch geeignete Absauganlagen, aber auch die Information und Unterweisung der Arbeitnehmer hinsichtlich der richtigen Verwendung von Absauganlagen sowie eine kontinuierliche Wartung und Prüfung der Absauganlage. Das Aufwirbeln abgelagerter Stäube kann durch geeignete regelmäßige Reinigung vermieden werden.

Gut geschützt durch PSA

Eine persönliche Schutzausrüstung (PSA) muss verwendet werden, wenn die Gefährdung bzw. Belastung nicht durch technische Maßnahmen wie die Lärmdämmung oder Absaugung beseitigt oder ausreichend vermindert werden kann. Dazu zählen zum Beispiel der Gehörschutz, Schutzbrille und Atemschutz bei Lackierarbeiten oder eine Feinstaubmaske bei Schleifarbeiten.
Besonders die Augen sind in Tischlereien und Zimmereien verschiedenen Gefahrenquellen ausgesetzt. Staub, Splitter oder Späne vom Schleifen sind für die Augen ebenso gefährlich wie ätzende oder reizende Stoffe oder die UV-Strahlung durch die Sonneneinwirkung oder beim Schweißen.
Zum Schutz der Füße sind in der Tischlerei und Zimmerei jedenfalls feste und geschlossene Schuhe zu tragen. Bei Zimmereiarbeiten müssen alle Beschäftigten Sicherheitsschuhe tragen, auch LKW-Fahrer. Bei Arbeiten auf Steildächern müssen die Sicherheitsschuhe über eine feste und abrutschsichere Sohle verfügen. Wenn die Gefahr von Fußverletzungen besteht, hat der Betrieb festzulegen, welcher Sicherheitsschuh zu verwenden ist. Häufig werden in Tischlereien Sicherheitsschuhe der Schutzstufe S1 verwendet. Auf Baustellen kann zusätzlich zur Schutzkappe eine durchtrittsichere Sohle gefordert werden. Empfohlen werden in jedem Fall knöchelhohe Schuhe, da sie festen Halt und zusätzlichen Schutz bieten.
Sicherheitsschuhe in der Werkstatt und auf Baustellen sind ebenso Teil der PSA wie Hand- und Hautschutz bei Lackierarbeiten. Beim Umgang mit rotierenden Teilen gilt ein Handschuhtrageverbot.

Wichtige Hinweise

  • Welche Materialien dürfen bearbeitet werden (z. B. Maschine darf nur zur Bearbeitung von Holz oder holzähnlichen Werkstoffen verwendet werden);
  • welche Werkzeuge dürfen verwendet werden (max. Drehzahl, Handvorschub etc.);
  • welche Schutzeinrichtungen sind vorhanden (Spaltkeil, Schutzhaube etc.);
  • muss persönliche Schutzausrüstung (Augenschutz, Gehörschutz, Atemschutz etc.) verwendet werden.

Sicherheitshinweise

Weitere Sicherheitshinweise bei Holzarbeiten, zum Beispiel für den Umgang mit Bohrmaschinen, Handkreissägemaschinen, Handbandmaschinen, Ketten- stemmmaschinen, Tischketten- stemmmaschinen, Handhobelmaschinen, Winkelschleifern oder Eintreibgeräten, finden Sie in den AUVA-Broschüren

  • Sicheres Arbeiten in der Tischlerei
  • Sicheres Arbeiten in der Zimmerei
  • Leitfaden Holzstaub
  • Baustellenkreissägen – mit neuer Sicherheitsschutzhaube

Zum Download auf www.auva.at

Die 10 Gebote

... für die Arbeit mit Tischkreissägemaschinen

  1. Arbeiten erst ab dem vollendeten 18. Lebensjahr erlaubt, jedoch gelten Sonderbestimmungen für Lehrlinge
  2. Arbeiten dürfen nur von Fachkräften bzw. unterwiesenen Personen durchgeführt werden
  3. Nur einwandfreie und instandgesetzte Sägeblätter verwenden
  4. Spaltkeileinstellung prüfen
  5. Niemals Handschuhe tragen
  6. Gehörschutz verwenden
  7. Absaugung einschalten, Schutzhaube absenken
  8. Nahe am Sägeblatt Hilfsmittel verwenden (Schiebestock, Schiebeholz etc.)
  9. Beim Verlassen des Arbeitsplatzes Maschine ausschalten
  10. Betriebsanleitung des Herstellers beachten

... für die Arbeit an Tischfräsmaschinen

  1. Arbeiten an Tischfräsmaschinen erst ab dem vollendeten 18. Lebensjahr erlaubt (Sonderbestimmung für Lehrlinge)
  2. Arbeiten dürfen nur von Fachkräften bzw. unterwiesenen Personen durchgeführt werden
  3. Nur für den Handvorschub geeignete und geschärfte Werkzeuge verwenden
  4. Drehzahl laut Tabelle festlegen, Drehrichtung beachten. Bei Handvorschub nur im Gegenlauf fräsen
  5. Aufbau zusätzlicher Vorrichtungen wie Vorschubapparat, Schutzhauben, Abweisbügel, Druckfedern etc.
  6. Gehörschutz verwenden
  7. Maschine nur mit wirksamer Absaugung betreiben
  8. Genaue Einstellung des Werkzeuges mittels Schablone oder ausreichend großem Probestück
  9. Betriebsanleitung des Herstellers beachten
  10. Beim Verlassen des Arbeitsplatzes Maschine ausschalten

... für die Arbeit an Hobelmaschinen

  1. Arbeiten an Abrichthobelmaschinen erst ab dem vollendeten 18. Lebensjahr erlaubt (Sonderbestimmung für Lehrlinge)
  2. Arbeiten dürfen nur von Fachkräften bzw. unterwiesenen Personen durchgeführt werden
  3. Für den jeweiligen Arbeitsgang entsprechende Hilfseinrichtungen verwenden
  4. Einstellen: Spanabnahme einstellen, Tisch und Anschlag gegen Verstellen sichern, Messerwellenverdeckung vor dem Anschlag für den Arbeitsgang einrichten
  5. Gehörschutz verwenden
  6. Maschine nur mit wirksamer Absaugung betreiben. Splitter und Späne nicht mit der Hand entfernen
  7. Bei der Abrichthobelmaschine: Werkstück mit der hohlen Seite auflegen, Hände mit geschlossenen Fingern flach auf das Werkstück legen. Druck auf das Werkstück so bald wie möglich vom Aufgabe- auf den Abnahmetisch überführen
  8. Bei der Dickenhobelmaschine: immer zuerst auf Breite, dann auf Dicke hobeln. Die größere Auflagefläche verhindert das Kippen des Werkstückes
  9. Betriebsanleitung des Herstellers beachten
  10. Beim Verlassen des Arbeitsplatzes Maschine ausschalten

... für die Arbeit an Tischbandsägemaschinen

  1. Arbeiten an Tischbandsägemaschinen erst ab dem vollendeten 18. Lebensjahr erlaubt (Sonderbestimmung für Lehrlinge)
  2. Arbeiten dürfen nur von Fachkräften bzw. unterwiesenen Personen durchgeführt werden
  3. Nur rissfreie, gleichmäßig geschränkte und geschärfte Bandsägeblätter verwenden
  4. Schmale Blätter nur für Schweifungen einsetzen
  5. Obere Sägeblattführung knapp über Werkstückdicke einstellen, verschlissene Tischeinlage erneuern
  6. Niemals Handschuhe tragen
  7. Gehörschutz verwenden
  8. Maschine nur mit wirksamer Absaugung betreiben
  9. Nahe am Sägeblatt Hilfsmittel verwenden (Schiebestock, Schiebelade etc.), Abfälle nicht mit der Hand entfernen
  10. Beim Verlassen des Arbeitsplatzes Maschine ausschalten, Blatt abbremsen bzw. gegen Berührung sichern