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04.02.2019 16:59 Alter: 11 Tage
Kategorie: Jänner/Februar 2019

Leistungsfähigkeit im Test

Die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) ist ein standardisiertes Testprogramm, mit dem sich durch arbeits- und alltagsrelevante Testaufgaben die arbeitsbezogene Belastbarkeit jedes Einzelnen ermitteln lässt.


OA Dr. Sylvia Wassipaul, Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation im Rehabilitationszentrum Weißer Hof der AUVA und Obfrau des Österreichischen EFL-Vereins. © Martin Kleedorfer

Isernhagen entwickelte in den USA in den 80er-Jahren das System der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL). 1991 wurde das System in Europa erstmals durch M. Oliveri und M.L.Hallmark-Itty in der Schweiz eingeführt. Bereits nach kurzer Zeit wurde die EFL generell in der Schweiz als arbeitsbezogene Assessmentmethode bei medizinischen Beurteilungen und Gutachten oder für die Planung von Rehabilitationsprogrammen eingesetzt.

In Österreich finden seit 1996 im Rehabilitationszentrum Weißer Hof der AUVA regelmäßig EFL Testungen statt. Seit einigen Jahren wird die EFL auch in den anderen Rehabilitationszentren der AUVA und im Rehabilitationszentrum Gröbming der PVA eingesetzt. 2011 wurde der „Österreichischer Verein zwecks Einführung und Förderung des Systems der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit“, kurz ÖV EFL, gegründet. Er ist in Österreich für die Ausbildung, Qualitätssicherung, Lizenzvergabe und Weiterentwicklung des Systems verantwortlich ist. „Ziel ist es, EFL als Standard-Assessment-Methode in der funktionellen Leistungsdiagnostik des öffentlichen Gesundheitswesens zu etablieren“, gibt Vereinsobfrau Dr. Sylvia Wassipaul, Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation im Rehabilitationszentrum Weißer Hof der AUVA, Einblick.

Ressourcen aufzeigen

EFL setzt sich aus standardisierten Tests zur Ermittlung von Kraft, Fortbewegung, statische Arbeitspositionen, Handkoordination usw. zusammen. Diese Tests umfassen u.a. Heben und Tragen von Lasten, Handkraft, Arbeiten über Schulterhöhe, wiederholte Kniebeugen, längeres Stehen und Gehen, vorgeneigtes Stehen und Sitzen, Stiegen- und Leitersteigen, Gleichgewicht und Handkoordination. „Anhand standardisierter Beobachtungskriterien wird beurteilt ob die Belastung für den Betroffenen als leicht-mittel, schwer oder maximal einzustufen ist. Daraus ergibt sich wie lange einer Testperson eine bestimmte Tätigkeit über den Arbeitstag verteilt zumutbar ist. Die wichtigsten Beobachtungskriterien sind Muskelrekrutierung, Stabilisierung des Bewegungsapparates Herzfrequenz, Haltung und vor allem Sicherheit der Ausführung“, beschreibt Wassipaul.

Wiedereingliederung im Fokus

Getestet werden in den AUVA Rehabilitationseinrichtungen jene Patienten, bei denen nicht sicher ist, ob sie ihre ursprüngliche Tätigkeit wieder ausüben können. Anhand des Testergebnisses kann beurteilt werden, ob beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen (Hilfsmittel, Umschulung, etc.) indiziert sind. „Dahinter steckt immer die Frage, wie realistisch die Ausübung eines bestimmten Berufes für den Patienten nach der Rehabilitation ist oder ob weitere Maßnahmen folgen müssen.“ fasst Wassipaul zusammen. „Auch die Zusammenarbeit mit den Betrieben ist uns sehr wichtig, denn der Dienstgeber hat selbst auch großes Interesse daran, den Mitarbeiter bestmöglich wieder einzugliedern“, sagt die Medizinerin.