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04.12.2017 09:10 Alter: 141 Tage
Kategorie: Dezember 2017

Mehr Sicherheit am Bau

Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen sind Beschäftigte im Baubereich einem besonders hohen Unfall- und Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Die häufigste Unfallursache europaweit sind Stürze von erhöhten Standorten.


Das mitwachsende Fassadengerüst soll unterschiedliche Gewerke am Bau schützen. Foto © R. Gryc

Auch auf Baustellen in Österreich ist die Unfallhäufigkeit mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige. Mehr als ein Fünftel aller Arbeitsunfälle und mehr als ein Drittel aller tödlichen Arbeitsunfälle betreffen in Österreich das Bauwesen.
Besondere Gefahrensituationen ergeben sich auf Baustellen insbesondere daraus, dass die Arbeiten von Beschäftigten verschiedener Arbeitgeber gleichzeitig oder nacheinander ausgeführt werden. Europaweite Untersuchungen haben ergeben, dass ein wesentlicher Teil der Unfälle am Bau auf Planungsfehler, mangelnde Organisation und auf fehlerhafte Koordination der Arbeiten und der zu treffenden Schutzmaßnahmen zurückzuführen ist.

Mitwachsendes Fassadengerüst

Typische Absturzsicherungen auf Baustellen für Rohbauarbeiten eröffnen erhebliche Risiken für die Baumeister und die darauffolgenden Gewerke. So stellen die in den Decken eingehängten Ausschussbühnen für die Errichtung des Rohbaus bei Montage und Demontage nicht nur für die Monteure ein verhältnismäßig großes Risiko dar, sondern sind überdies für die Folgegewerke häufig unbrauchbar, wenn überhaupt noch vorhanden. Selbst bei Einhaltung der gesetzlichen Vorschrift mit einer Absturzhöhe in ein Fang- bzw. Ausschussgerüst von bis zu vier Metern stellen diese Bedingungen ein Sicherheitsrisiko dar. Schwarzdecker, Dachdecker und Spengler arbeiten häufig mit Seilsicherungen und oft noch immer gänzlich ohne Sicherung.
Ebster Bau wollte diesen inakzeptablen Umstand ändern und hat die Methode des „mitwachsenden Fassadengerüstes“ (MFG) in der Praxis erprobt. Ein erster Schritt war nach der Kostenabschätzung, die Abstimmung mit dem Schwarzdecker, der die Hochzüge im Arbeitsablauf entsprechend früher herzustellen hatte. Zudem war es notwendig, die Hochzüge vor Beschädigungen durch die Gerüststeher zu schützen. Weitere Abstimmungen mit dem Gerüstbauer waren erforderlich, da das Gerüst zwar vorauseilend, aber nicht in einem Zug, konkret in zwei bis drei Etappen, errichtet werden musste. Die Lage der Infrastrukturleitungen war dabei für die Gerüstmontage nicht relevant, da das Gerüst so errichtet wurde, dass ungünstige Zuleitungen für die Dauer der Grabungsarbeiten ausgespart wurden. In diesen kurzen Phasen wurden die betroffenen Gerüstabschnitte gesperrt. Die Erfahrungen im Umgang mit dem MFG waren über alle Gewerke sehr positiv und die Sicherheit der betroffenen Arbeiter wurde deutlich erhöht.

Sicherheitsstandard verbessern

Ziele waren, die von der AUVA und der Arbeitsinspektion geforderte Methode in der Praxis zu erproben und aus den Erfahrungen den Sicherheitsstandard zu verbessern, den gesetzlichen Anforderungen aus ASchG und BauKG gewerkeübergreifend zu entsprechen, Aufwände projektbezogen bestimmen zu können und so praxistauglich in die Realität umzusetzen. In finanzieller Hinsicht haben sich weder Vor- noch Nachteile ergeben, da anfallende Mehrkosten durch den Wegfall von Anmietungen für Arbeitsbühnen eingespart wurden, der Kran nicht durch das Einhängen der Bühnen aufgehalten werden muss, die Treppentürme bzw. das Gerüst eine spürbare Verkürzung der Arbeitswege ergeben und zudem Leiteraufstiege fast zur Gänze entfallen. Ein weiterer Vorteil liegt in der Entlastung des Poliers, weil für den Aufgabenbereich „Absturzsicherungen herstellen und instandhalten“ deutlich weniger Aufmerksamkeit für das eigene Gewerk, aber auch für die Folgegewerke erforderlich ist. Dieses Projekt wurde vergangenes Jahr bei der Goldenen Securitas, einem Sicherheitspreis, den die AUVA und WKO alle zwei Jahre vergeben, um Klein- und Mittelbetriebe auszuzeichnen, die herausragende Leistungen im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz erbringen, in der Kategorie „Innovation für mehr Sicherheit“ prämiert.

Über Ebster Bau

Ebster Bau entstand in den späten 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ein Jungbaumeister, Walter Ebster, ein Zimmermeister, Hans, der 1956 die Chance bekam, sich in Australien eine Existenz zu schaffen, und ein paar Jahre später Helmut, der Ingenieur, bekannt als die Gebrüder Ebster, starteten mit dem ersten Lieferwagen, Schaufeln und ein paar Scheibtruhen mit der historischen Erstbaustelle, dem Bahnhof Altenmarkt. Im Jahr 1968 wurde die Gebrüder Ebster OHG durch Helmut und Walter Ebster gegründet. Hans fungierte als Geldgeber, war aber fern von Österreich und mit der Produktion von Eisenbahnschwellen in Australien beschäftigt.
Nach über 40 Jahren in der Baubranche kann Ebster Bau auf eine kontinuierliche Entwicklung zurückblicken und hat sich als einer der führenden Baumeister, Generalunternehmer, Bauträger und Projektentwickler im Land Salzburg, an zwei Standorten in Henndorf und Bischofshofen, etabliert.