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06.11.2016 15:33 Alter: 2 Jahre
Kategorie: November 2016

Schlafapnoe als Risikofaktor im Straßenverkehr

Eine neue gesetzliche Regelung zur Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung schreibt ärztliche Kontrollunter­suchungen für Schlafapnoe-Patienten vor.


Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind für Schlafaponoe-Patien­ten Pflicht – sonst verlieren sie die Lenkerberechtigung. © SIphotography/iStock

Unter dem Motto „Quality of Care“ trafen sich kürzlich Österreichs Lungenfachärzte zum interdisziplinären Austausch in Wien. Im Rahmen der Tagung präsentierte Univ.Prof. Dr. Michael Studnicka, Past President der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und Vorstand der Universitätsklinik für Pneumologie am Landeskrankenhaus Salzburg, einen aktuellen und brisanten Aspekt zum Thema Schlafapnoe: „Schlafapnoe verursacht Tagesmüdigkeit und die ist für rund 10 Prozent der Verkehrsunfälle mit Todesfolgen verantwortlich. Tagesmüdigkeit im Straßenverkehr ist gleichzusetzen mit einer Beeinträchtigung durch Alkohol.“ Eine neue, auf einer EU-Direktive basierende Verordnung des Verkehrsministeriums soll dazu führen, dass Schlafapnoe-Patienten identifiziert und behandelt werden. Dadurch sollen Unfälle vermieden werden. Kurz gefasst: Die Lenkerberechtigung wird bei Vorliegen einer Schlafapnoe nur dann erteilt bzw. verlängert, wenn es regelmäßige ärztliche Kontrollen – bei Berufsfahrern jährlich, bei allen anderen alle drei Jahre – gibt und „eine geeignete regelmäßige Behandlung eingehalten“ wird.

Einfaches Screening-Tool zur Risikoabschätzung

„Mit dem neu etablierten sogenannten NoSAS Score haben wir nun ein einfaches Screening-Tool zur Risikoabschätzung, ob jemand an Schlafapnoe leidet, zur Hand“, erklärt Studnicka.
Treffen zwei bis drei der Risikofaktoren

  • Geschlecht: männlich
  • Alter: über 55 Jahre
  • Gewicht: Übergewicht (ab BMI >25 kg/m2)
  • berichtetes Schnarchen
  • Halsumfang > 40 cm

auf eine Person zu, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit eine Schlafapnoe vor. „Jeder Berufsfahrer sollte mit diesem Screening-Tool untersucht werden, anlog zur Augenuntersuchung. Liegen zwei bis drei Risikofaktoren vor, muss der Betroffene zur weiteren Abklärung an einen Facharzt für Pulmologie, HNO, Neurologie oder einen Internisten überwiesen werden“, gibt der Mediziner Einblick.

Berufsfahrer – eine potenzielle Risikogruppe?

Als besondere Risikogruppe, in zweierlei Hinsicht, werden Berufsfahrer gesehen: Viele von ihnen passen ins Risikoprofil eines Schlafapnoe-Syndroms und gerade Unfälle mit Bus oder Lkw haben meist fatale Folgen. Abgesehen vom Leid der Unfallopfer und ihrer Angehörigen haben auch die verantwortlichen Frächter ein enormes Risiko zu tragen, denn unter Umständen kommen Versicherungen nicht für Schäden auf, die durch einen Unfall infolge von Tagesmüdigkeit durch Schlafapnoe verursacht wurden.
Die gute Nachricht lautet: Ist eine Schlafapnoe diagnostiziert, kann sie auch behandelt werden. „Das Mittel der Wahl stellt die CPAP-Maske dar. Sie muss jede Nacht vor dem Schlafengehen über Mund und Nase gezogen werden und erzeugt einen Überdruck, der dafür sorgt, dass der Patient die ganze Nacht über ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und dann das gleiche Risiko bezüglich Tagesmüdigkeit wie eine Person aufweist, die nicht an Schlafapnoe leidet“, erklärt der Lungenfacharzt.