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28.08.2017 11:38 Alter: 27 Tage
Kategorie: September 2017

Schnittverletzungen: Nicht immer harmlos

Ob Kochen, Basteln oder Gartenarbeit: Schnittverletzungen sind schnell geschehen. Sie müssen nicht tief sein, um Probleme zu bereiten. Die wichtigsten Schritte zur Ersten Hilfe sind entscheidend.


Stellen Sie sicher, dass Ihre Tetanusschutzimpfung intakt ist. © Istock

Beim Gemüseschneiden kurz nicht aufgepasst, bei der Gartenarbeit abgerutscht, eine Scherbe übersehen – ganz schnell passieren kleinere Schnittverletzungen, die nicht unterschätzt werden sollten. Nur wirklich harmlose, oberflächliche Wunden, deren Blutung rasch gestoppt werden kann, können in Eigenregie versorgt werden.

Rasch zum Arzt

Alle anderen Schnittverletzungen sollen so rasch wie möglich dem Hausarzt gezeigt werden. In die Spitalsambulanz gehören die meisten Schnittverletzungen nicht, außer: „Tiefe, klaffende oder stark blutende Wunden, tiefe Stiche oder Sehnenverletzungen müssen im Krankenhaus behandelt werden“, stellt Dr. Christian Wessely, Allgemeinmediziner in Gmunden, klar. Lieber ist es ihm, er begutachtet „harmlose“ kleine Verletzungen in seiner Ordination einmal zu oft, als es kommt zu Infektionen. „Bei kleineren Schnittverletzungen ist es wichtig, dass sie gereinigt werden. Wenn nichts anderes zur Verfügung steht, funktioniert das auch mit Trinkwasser.“ Anschließend müsse die Wunde abgetrocknet werden. Dazu ein Tipp des Arztes: „Frische Papiertaschentücher sind so gut wie steril. Die Wundränder werden dann am besten mit Steristrips, die in jeder Apotheke erhältlich sind, adaptiert. Dabei ist wichtig, dass die Wunde nicht völlig abgedeckt ist, also atmen kann“, ergänzt Wessely.

Schluss mit Arbeit

Davon, den Schnitt schnell mit Pflaster zu verkleben und dann im Garten weiterzuarbeiten, rät Wessely ab. „Mit einer versorgten Schnittwunde ist mit dem Arbeiten erst einmal Schluss“, so der erfahrene Arzt. Eine Tetanusimpfung sollte selbstverständlich sein, doch „in der Erde sind auch andere Keime nicht ungefährlich, vor allem wenn Stallmist untergearbeitet wurde: etwa die Anaerobier, Bakterien, die ohne Luft am besten wachsen.“ Dann können auch relativ leicht verschmutzte oder nicht sehr tiefe Wunden, wenn sie damit kontaminiert sind, rasch lebensgefährlich werden, warnt Wessely.

Erste-Hilfe-Tipps bei oberflächlichen, kleinen Schnittverletzungen

  • Eventuell verletzten Körperteil hochlagern
  • Blutung durch Druck mit sauberem Verbandstoff stoppen
  • Wunde reinigen, im besten Fall mit steriler Kochsalzlösung, zur Not mit Trinkwasser
  • Wunde abtrocknen, zur Not mit einem frischen Papiertaschentuch
  • Desinfektionsmittel, wenn die Wunde verschmutzt war
  • Mit Steristrips die Wunde schließen oder sterile Pflaster verwenden
  • Luftzufuhr sicherstellen

Schnittwunden, die vom Arzt untersucht und versorgt werden:

  • Verschmutzte Wunden oder mit kleineren Fremdkörpern darin
  • Tiefe und/oder größere Wunden
  • Wunden, die nicht zu bluten aufhören
  • Fehlender Tetanusschutz

Schnittwunden, die im Krankenhaus versorgt werden – Rettung/Notarzt rufen:

  • Tiefe, klaffende oder stark blutende Wunden
  • Tiefe Stiche oder Sehnenverletzungen
  • Starke, pulsierende oder spritzende Blutung
  • Bewegungseinschränkung
  • Gefühlsstörungen
  • Größere Fremdkörper in der Wunde