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06.06.2017 12:33 Alter: 191 Tage
Kategorie: Juni 2017

Sicher auf den Beinen

Im Schnitt tragen uns unsere Füße im Laufe des Lebens mehr als viermal um die gesamte Erde. Grund genug, im Alltag und im Berufsleben auf gesunde Füße zu achten. Das richtige Schuhwerk – vor allem bei der Arbeit – ist ein wichtiger Baustein dafür.


Wer bei der Auswahl der Arbeitsschuhe mitreden darf, zeigt deutlich mehr Motivation, sie auch zu tragen. © twohumans/iStock

Bereits beim Schuhkauf sol­­lte – abgesehen von modischen Trends – darauf ge­­­­­­­­achtet werden, dass die Füße genügend Platz haben. Zu große Schuhe geben dem Fuß keinen Halt beim Abrollen, zu kleine Schuhe schränken die Beweglichkeit der Zehen ein und können zu Durchblutungsstörungen in den Beinen führen. Atmungsaktive Materialien und eine regelmäßige Fuß- und Nagelpflege beugen Erkrankungen vor. Wer nicht selbst Hand anlegen will, dem ist anzuraten, sich in die Hände eines professionellen Fußpflegers zu begeben. Bei Senk-, Platt- oder Spreizfüßen ist der regelmäßige Besuch eines Orthopäden wichtig, der durch passende Schuheinlagen Fehlstellungen korrigieren kann.
Am einfachsten wird die Fußgesundheit unterstützt, indem möglichst oft barfuß gegangen wird. Nur wenige Minuten am Tag in eine Fußgymnastik zu investieren, hält die Füße zudem gesund und mobil und schützt vor Verletzungen: Kräftigendes Fußkreisen, Zehen bewegen und richtiges Abrollen unterstützen die Beweglichkeit.

Sicher auf Schritt und Tritt

Nachdem unsere Füße nicht nur in der Freizeit gute Dienste leisten, sondern auch den Arbeitsalltag mit uns durchlaufen, ist gerade in jenen Berufen, in denen sie besonders belastet werden, hohes Augenmerk auf das Schuhwerk zu richten. Wer bei der Arbeit viel stehen oder gehen muss, soll Komfort und Passform auf jeden Fall vor Optik und Modetrends stellen. Zudem erfüllen die „richtigen“ Schuhe in manchen Berufen auch einen wichtigen Sicherheitsaspekt: Überall dort, wo Gefahren durch Rutschen, Stolpern oder Stürze sowie durch das Herabfallen von Gegenständen möglich sind, zählen Sicherheitsschuhe zur persönlichen Schutzausrüstung. Sie schützen vor mechanischen, elektrischen, chemischen oder thermischen Gefahren wie zum Beispiel dem Überrollen des Fußes, dem Eintreten von Flüssigkeiten sowie Kälte oder Hitze. Während Berufsschuhe zumindest einen schützenden Bestandteil haben, verfügen Sicherheitsschuhe über umfangreiche Schutzmechanismen wie Zehenschutzkappen und müssen bestimmten Zusatzanforderungen wie zum Beispiel elektrische Eigenschaften, Wasserdampfdurchlässigkeit oder profilierte Laufsohle entsprechen. Alle Sicherheitsschuhe müssen die CE-Kennzeichnung tragen und von einer notifizierten Prüfstelle geprüft sein.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

An der Auswahl des richtigen Schuhwerks sind neben dem betroffenen Mitarbeiter auch die Sicherheitsfachkraft, der Arbeitsmediziner, der Betriebsrat oder die Sicherheitsvertrauensperson zu beteiligen. Das sorgt auch für die höhere Akzeptanz beim Mitarbeiter, wenn es um das Tragen der Sicherheitsschuhe geht. Neben den Sicherheitsaspekten ist in den letzten Jahren eine Reihe weiterer Herausforderungen auf die Hersteller von Arbeits- und Sicherheitsschuhen dazugekommen. So gilt es etwa, immer mehr Randgrößen, orthopädische Veränderungen oder kundenspezifische Sonderanfertigungen zur erfüllen. Ob in der Praxis diese Entwicklungen mit den Wünschen der Schuhträger tatsächlich deckungsgleich sind, hat die AUVA in einer „Berufsschuh-Studie“ untersucht.
Mittels Fragebogen wurden Daten zu Geschlecht, Alter, Gewicht, gesundheitlichen Be­­schwerden an den Füßen, Tragedauer, Bodenbeschaffenheit und Wünschen an das „optimale Schuhwerk“ erhoben. Befragt wurden Mitarbeiter an Steharbeitsplätzen im Handel. „Sturz und Fall sind hier die am meisten genannten Risiken“, erläutert Ing. Thomas Manek, MBA, Abteilungsleiterstellvertreter der Abteilung für Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung in der AUVA Hauptstelle. „Anders als Sicherheitsschuhe benötigen die Mitarbeiter hier Berufsschuhe mit einer rutschhemmenden Sohle.“ Im Rahmen der Studie wurden die Merkmale von Testschuhen jenen von potenziellen „Wunschschuhen“ gegenübergestellt. Ge­­tragen wurden die Schuhe unter anderem auf rutschigem Boden, im Freien, in geschlossenen Räumen oder bei ständig wechselnder Umgebung. Bewertet wurde zum Beispiel das Abrollen beim Gehen, das Wohlfühlen insgesamt, die Optik der Schuhe, der Komfort des Fußbettes oder die Temperatur in den Schuhen. Darüber hinaus wurden Faktoren zur Bauform wie Weite, Breite oder Halt sowie Strapazierfähigkeit abgefragt. Schließich wurde erhoben, ob die Schuhe die Schritte dämpfen, ein Sicherheitsgefühl vermitteln, Halt beim Gehen liefern, gepolstert sind oder beim Gehen unangenehme Geräusche machen.

Ästhetik und Komfort gehen Hand in Hand

Ein statistisch signifikantes Ergebnis war, dass der Schuh umso länger und lieber getragen wird, je besser er dem Träger auch optisch gefällt. Personen, die in der Erhebung über Fußschmerzen klagten, die auch beim Tragen auftraten, mussten sich erst an den Schuh gewöhnen: Wurde er weniger als fünf Tage getragen, traten nach wie vor Schmerzen auf. Wird der Schuh länger getragen, treten keine Schmerzen mehr auf, höchstens leichte Druckstellen und Hautrötungen. „Statistisch signifikant war auch, dass der Testschuh für zartere Personen unter 65 kg Körpergewicht optisch weniger ansprechend wirkte als für Personen mit einem höheren Körpergewicht“, so Manek.
Klar zeigte sich auch, dass der „Tragekomfort“ wichtiger als die „Bauform“ eingeschätzt wird, wenn es ein grundsätzliches Commitment zu dem Schuh gibt. Und letztlich ist wohl die Einstellung zu Gesundheit und bequemem Schuhwerk eine Frage des Alters, aber nicht des Geschlechts, denn: Je älter die befragten Personen waren, desto eher waren sie bereit, den Schuh zu tragen, auch wenn er vielleicht als nicht so bequem oder hübsch empfunden wird. Der „Tragekomfort“ wurde hingegen von Männern und Frauen bei dem untersuchten Schuhmodell als gleich empfunden.

Mehr Bewusstsein schaffen

„Diese Untersuchung zeigte einmal mehr, dass Information zu Berufsschuhen sowie Unterweisung dringend nötig sind, da es zu Irrtümern bei der Zuschreibung von Ursachen und Wirkungen kommt. Oft werden private Schuhe getragen und nur selten auf Berufsschuhe zurückgegriffen. Wir wollen mit den Ergebnissen den Betrieben die Wichtigkeit einer persönlichen Schutzausrüstung vermitteln“, resümiert Manek. Am Anfang, so der Sicherheitsexperte, steht immer die Frage nach der Risikoevaluierung. „Rutschen ist ein Thema bei den Arbeitsplätzen im Handel, daher muss der Arbeitgeber auf die Ergebnisse der Risikoermittlung reagieren. Er kann entweder die Rutschhemmung des Bodens optimieren oder Berufsschuhe anschaffen.“

Während Berufsschuhe zumindest einen schützenden Bestandteil haben, verfügen Sicherheitsschuhe über umfangreiche Schutzmechanismen wie Zehenschutzkappen und müssen bestimmten Zusatzanforderungen wie zum Beispiel elektrische Eigenschaften, Wasserdampfdurchlässigkeit oder profilierte Laufsohle entsprechen.

Info & Kontakt:
Berufsschuh-Studie. Ing. Thomas Manek, MBA, Abteilungsleiterstellverteter der Abteilung für Unfallverhütung und Berufskrank­heitenbekämpfung, thomas.manek(at)auva.at, Tel. +43 5 93 93-20708