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04.03.2019 16:28 Alter: 16 Tage
Kategorie: März 2019

Sicher mit Implantaten am Arbeitsplatz

In einem aktuellen AUVA-Projekt wurde untersucht, wie sich elektromagnetische Felder am Arbeitsplatz auf Personen mit metallischen Implantaten auswirken können.


© Stanislav Loginov/AdobeStock

Informationen zu elektromagnetischen Feldern am Arbeitsplatz finden Sie im Merkblatt M470 sowie alles über magnetische Felder beim Schweißen im Merkblatt M.plus 666! www.auva.at/emf

Elektromagnetische Felder (EMF) treten bei vielen Anwendungen in Industrie und Medizin auf. Die Intensität dieser Felder kann sehr unterschiedlich sein und eine Gesundheitsgefährdung kann nicht generell ausgeschlossen werden. Ein Schutz der Arbeitnehmer wird durch die Verordnung über elektromagnetische Felder (VEMF) gewährleistet, die eine EU-Richtlinie in nationales Recht umsetzt und seit 2016 in Kraft ist. Hier wurden spezifische Expositionsgrenzwerte, die innerhalb des menschlichen Gewebes nicht überschritten werden dürfen, festgelegt. Eine Evaluierung der Arbeitsplätze hinsichtlich elektromagnetischer Felder ist gefordert. Ebenso ist eine Kennzeichnung und Unterweisung festgeschrieben. Dr. Klaus Schiessl von der Abteilung für Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung in der AUVA gibt Einblick in die praktischen Anwendungen der VEMF.

Was ist ein metallisches Implantat? Am einfachsten lässt es sich anhand von Beispielen erklären: Ein metallisches Implantat ist zum Beispiel ein künstliches Kniegelenk oder eine Hüfte, aber auch Schrauben, Platten und Stifte, die in der Unfallchirurgie oft eingesetzt werden, um Knochen zu fixieren. Auch Stents, die zum Offenhalten von „verstopften“ Gefäßen in den Körper eingebracht werden, zählen dazu.

Warum sind metallische Implantate überhaupt ein so wichtiges Thema in der Arbeitswelt geworden? Mit dem Lebensalter der Beschäftigten steigt auch die Wahrscheinlichkeit, ein metallisches Implantat zu erhalten. So werden im Österreich pro Jahr etwa 10.000 Hüftimplantate eingesetzt. Etwa 30 Prozent der Betroffenen sind unter 64 Jahre alt, also noch im erwerbsfähigen Alter. Parallel zur Zahl der Betroffenen wächst die Zahl der Technologien im Arbeitsumfeld, die magnetische Wechselfelder einsetzen. Elektroschweißen, drahtlose Sensorik wie bei der elektronischen Warensicherung in Kaufhäusern und induktive Erwärmung führen zu Situationen, in denen Menschen verschiedenen elektromagnetischen Feldern ausgesetzt sind.

Was können elektromagnetische Felder im Ge­­webe bewirken? Überschreitet die Intensität von elektromagnetischen Feldern gewisse Schwellenwerte, können zum Beispiel starke Kräfte auftreten und zu Verletzungsgefahr führen. Durch das sogenannte Induktionsprinzip können auch Ladungsverschiebungen in Zellen bewirkt werden, die Nerven stimulieren. Bei höheren Frequenzen kann es auch zu einer Erwärmung des Gewebes kommen. Beispielsweise kann mit einem Induktionsherd der Topf und mit einem Mikrowellenherd das Essen im Topf erwärmt werden. Im Körper soll das natürlich nicht passieren!
Welche Gefahr entsteht besonders für Implantatträger? Hier kann es zu einer verstärkten Einwirkung von Magnetfeldern durch die erhöhte Induktionswirkung kommen, sodass Expositionsgrenzwerte für Magnetfelder sehr viel früher überschritten werden. Bei Induktionserwärmungsanlagen besteht die Gefahr, dass sich das Implantat erwärmt. Daher gilt: Exponierte sollten dem Arbeitgeber über ihre besondere Gefährdung durch das Implantat informieren, damit dieser nötigenfalls das Risiko durch Maßnahmen senken kann.

Gilt das auch für Personen, die einen Herzschrittmacher tragen? Herzschrittmacher sind sogenannte aktive medizinische Implantate – im Gegensatz zu Hüftprothesen oder Gelenksschrauben, den sogenannten passiven Implantaten. Bei Herzschrittmachern sind Betroffene durch eine mögliche Störung des Geräts bei EMF-Exposition besonders gefährdet.

An welchen Arbeitsplätzen muss mit Gefährdun­­­gen durch metallische Implantate gerechnet wer­den? Vor allem an Arbeitsplätzen mit ohnehin hoher Belastung durch Magnetfelder, wie zum Beispiel dem Arbeiten mit Punktschweißzangen und Punktschweißmaschinen sowie bei manueller Tätigkeit an Induktionserwärmungsanlagen.

Sind Zahnfüllungen auch problematisch?
Kleine metallische Implantate wie etwa eine Zahnfüllung sind generell wenig problematisch. Auch ist in der Praxis der Kopfbereich oft deutlich weniger stark exponiert als die Hände, da das Magnetfeld mit dem Abstand von der Quelle sehr schnell abnimmt. Besonders problematisch sind allerdings jene Arbeitsplätze zu beurteilen, bei denen die Arbeitnehmer sehr nahe an der Quelle tätig und daher bereits hoch exponiert sind. Dabei sind auch am Körper getragene metallische Gegenstände wie Schmuck oder Ringe unbedingt zu beachten!

Welchen Schutz bewirken die aktuell in der VEMF festgelegten Grenzwerte? Die Auslösewerte der VEMF sind lediglich für Personen ohne besondere Gefährdung durch solche Implantate ohne Einschränkung anwendbar. Die VEMF legt dabei keine expliziten Höchstwerte für EMF-Exposition bei metallischen Implantaten fest, sodass man allgemein auf Sekundärliteratur angewiesen ist. Der Schutz, der durch die aktuellen Grenzwerte gewährleistet wird, muss für Personen mit metallischen Implantaten hinterfragt und gegebenenfalls verstärkt werden. Der AUVA-Forschungsbericht R78 nennt dazu entsprechende Richtwerte.

Welche konkreten Maßnahmen sorgen für Ab­­hilfe? Generell sollte die Exposition so gering wie möglich gehalten werden. Können die für die betroffene Person höchstzulässige Wert nicht unterschritten werden, werden meist Sicherheitsabstände sowie nötigenfalls Nutzungsverbote festgelegt. Dazu muss auch gekennzeichnet und unterwiesen werden. Bei manchen Induktionserwärmungsanlagen kann die Bedienung mittels Fernauslösung für ausreichend Abstand sorgen. Im Zweifelsfall sollte man sich beim Thema Implantate jedenfalls mit der Arbeitsmedizin absprechen.