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04.03.2019 12:43 Alter: 16 Tage
Kategorie: März 2019

Umgang mit Risiko

Das Forum Prävention der AUVA steht heuer unter dem Motto „Umgang mit Risiko“. Vom 20. bis 23. Mai 2019 wird die Wiener Hofburg „der“ Treffpunkt von Präventions­fachkräften und Arbeitsmedizinern.


Das Forum Prävention findet heuer vom 20. bis 23. Mai in der Wiener Hofburg statt. © B. Greslehner

Sämtliche Informationen zum Forum Prävention 2019 der AUVA mit detailliertem Programm und Online-Anmeldemöglichkeit finden Sie unter http://forumpraevention.auva.at

Mit Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit beschäftigen sich in Österreich zahlreiche Fachleute in der Wirtschaft, in verschiedenen Forschungseinrichtungen, bei Behörden und der AUVA. Für sie alle organisiert die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt das traditionelle „Forum Prävention“, das alternierend in Innsbruck und in Wien stattfindet und jährlich weit über 1.000 Experten aus dem gesamten Bundesgebiet ansprechen kann. Heuer ist zwischen dem 20. und dem 23. Mai neuerlich die Wiener Hofburg Austragungsort dieser Veranstaltung mit angeschlossener Fachausstellung. Das Programm listet eine Reihe hochkarätiger Vorträge und Präsentationen auf.

„Der Mensch, ein Sicherheitsrisiko?“

„Der Mensch, ein Sicherheitsrisiko?“ – diese provokante Frage stellt Manfred Müller, der diesjährige Keynote-Speaker auf dem Forum Prävention, an den Beginn seines Vortrags. Müller ist Flugkapitän auf den Airbus-Modellen A330 bis A350, Leiter der Flugsicherheitsforschung der Deutschen Lufthansa AG und Dozent für Risikomanagement an der Hochschule Bremen. Während viele technologiegetriebene Experten oft davon ausgehen, dass der Mensch den Schwachpunkt in einem Gesamtsystem darstellt, beurteilt Müller dies deutlich differenzierter: „Warum sitzen in einem modernen Großraumflugzeug zwei Menschen im Cockpit, die die Technik überwachen?“, überlegt der Flugkapitän und stellt damit natürlich indirekt auch viele Konzepte der Digitalisierung infrage.

Längere Arbeitszeiten, neue Herausforderungen

Zum Umgang mit Risiko zählt es für Österreichs Unternehmer auch, sich intensiv mit den Auswirkungen des neuen Arbeitszeitgesetzes auseinanderzusetzen. Durch dieses wurde das gesetzlich hergestellte Schutzniveau für die Mitarbeiter verschlechtert, als Folge muss eine Evaluierung des Risikos des jeweils geltenden Arbeitszeitregimes durch den Arbeitgeber erfolgen. Um ihn dabei zu unterstützen, hat die AUVA bei der XIMES GmbH in Wien die Entwicklung eines Arbeitszeitrechners in Auftrag gegeben, der auf dem Forum Prävention erstmals präsentiert wird.
Auf der Grundlage von gesicherten wissenschaftlichen Publikationen und Metastudien errechnet das Internet-basierte Tool nach Eingabe von Arbeitszeiten oder Schichtplänen die Auswirkungen auf das Risiko im Vergleich zu einem „normalen“ Acht-Stunden-Arbeitstag. Gleichzeitig wirft das System aber auch Hinweise und Vorschläge aus, wie das erhöhte Risiko vermindert werden könnte. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen etwa die Pausengestaltung oder besser gestaltete Schichtwechsel, die vernünftige Regenerationsphasen für die Beschäftigten ermöglichen.

Die Vision von der Vision Zero

Die Plenarsitzung am Mittwoch, dem 22. Mai, widmet sich aber auch der Vision von einer Arbeitswelt ohne Arbeitsunfälle. Zunächst wird Bernd Treichel als Vertreter der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) zur ersten internationalen Kampagne der IVSS mit dem Titel „Vision Zero“ referieren, im Anschluss zeigt Martin Sonnberger von der Porr AG in Wien auf, warum der Baukonzern als Vorzeigebeispiel bei der Umsetzung einer Vision-Zero-Strategie gilt.

Krebserzeugende Arbeitsstoffe im Visier

Die Plenarsitzung am Donnerstag, dem 23. Mai 2019, beschäftigt sich mit dem Umgang mit Risiko im Zusammenhang mit gefährlichen Arbeitsstoffen, wobei der Fokus – gemäß der derzeit laufenden Präventionskampagne der AUVA – auf den krebserzeugenden Arbeitsstoffen liegt.
Den Anfang macht Eberhard Nies, IFA Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), der im Rahmen seines Vortrags mit dem Titel „Toxikologie der Arbeitsstoffe“ unter anderem über das deutsche Grenzwertemodell berichten wird.
Danach berichtet Andrea Kernmayer, BMASGK, Zentral Arbeitsinspektorat, über die bisherigen Erfahrungen der Arbeitsinspektion bei der Aufklärung zu krebserzeugenden Arbeitsstoffen. Seitens der AUVA werden abschließend Marie Jelenko und Sylvia Springer einen Zwischenbericht zur Präventionskampagne „Gib Acht, Krebsgefahr“ liefern.

Workshops zu unterschiedlichen Themen

Neben den Plenarsitzungen stehen natürlich wiederum die Fachtagungen der einzelnen Arbeitsgruppen im Zentrum des Besucherinteresses. Neu ist in diesem Jahr, dass der Ergonomie breiterer Raum als zuletzt gewidmet wird: Die Fachtagung der Arbeitsgruppe Ergonomie und der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ergonomie (ÖAE) wird am 22. Mai erstmalig ganztägig stattfinden, erweitert durch eine Exkursion am Montag, 20. Mai nachmittags.
Ergänzt wird das Fachprogramm unter anderem durch insgesamt fünf verschiedene Workshops zu unterschiedlichen Themen. Viktoijo Malisa, Mitarbeiter der AUVA-Hauptstelle in Wien, widmet sich in Workshop 1 der „Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK)“ und erlaubt damit einen Blick in die Zukunft der Industrie 4.0. „Evaluierung nach VEMF im Unternehmen“ betitelt sich Workshop 2, das elektromagnetische Felder und die neue OVE Richtlinie R27 zum Inhalt hat. Finden die beiden erstgenannten Workshops am Montag, dem 20. Mai, statt, so runden die drei weiteren Workshops das Forum Prävention am 23. Mai ab. In Kooperation mit dem Österreichischen Verband zur Förderung der Arbeitssicherheit beschäftigt sich dabei Workshop 3 mit dem Thema „Lange Arbeitszeiten – neue Herausforderungen für die Prävention“.
EVALOG, ein System zur Evaluierung von psychischer Belastung in Kleinstbetrieben, ist Inhalt des Workshops Nummer 4. Dieses System feiert am diesjährigen Forum Prävention seine Premiere und wird im Rahmen dieses Workshops detailliert vorgestellt.
Dem Präventionsschwerpunkt „Gib Acht, Krebsgefahr“ widmet sich der Workshop 5. Das Kampagnenteam der AUVA stellt dabei neue Werkzeuge und Info-Materialien für Betriebe vor, die das Erkennen von und den sicheren Umgang mit krebserzeugenden Arbeitsstoffen erleichtern sollen.  

Mit internationaler Beteiligung

Ebenfalls bereits Tradition hat beim Forum Prävention das Seminar der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS), das sich heuer am 21. Mai mit den Themenfeldern Risikobeurteilung, Digitalisierung und Wissensvermittlung auseinandersetzt.
Unter der Federführung der deutschen Gesellschaft für Sicherheitswissenschaften steht das Symposium am 22. Mai von 11: 00 bis 17:45. Unter dem Generalthema „Wirtschaftlichkeit von Sicherheitsmaßnahmen – Ansätze und Grenzen“ gehen die hochkarätigen Vortragenden der Frage nach, ob und wie man Investitionen in Prävention und Sicherheit kaufmännisch kalkulieren kann. (wh)