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Arbeiten und studieren im Homeoffice

In den letzten Monaten stand das Thema Homeoffice aus vielerlei Perspektiven immer wieder im ­Mittelpunkt. Eine Zielgruppe war hier gleich doppelt belastet und wurde meist wenig beachtet: ­berufsbegleitend Studierende.

Im Rahmen einer Studie an der FH Technikum Wien am Bachelorstudiengang „Internationales Wirtschaftsingenieurwesen“ wurde von Mst. Ing. Dominic Marsam, BSc, unter der Leitung von FH-Prof. Mag. (FH) Dr. Judith ­Klamert-Schmid im April und März 2021 die Arbeitsplatzgestaltung von berufsbegleitend Studierenden im Homeoffice beleuchtet. Dabei fokussierte sich die Erhebung auf die Ergonomie von Telearbeitsplätzen während der Corona-Pandemie und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Arbeitnehmer.

Berufsbegleitende Studierende verbringen nicht nur einen ganzen Arbeitstag vor dem Bildschirm, sondern auch noch viel Zeit abends zum lernen. Der Vorteil von wegfallenden Wegzeiten muss daher noch mehr durch Bewegung und ergonomische Arbeitsmittel kompensiert werden. Zudem Lernen sie dann, wenn sich auch viele Familienmitglieder zu Hause aufhalten und sind damit durch Lärm und Störungen weiter belastet.

Arbeiten im Büro oder arbeiten von zu Hause – die Vorschriften für eine ordnungsgemäße Arbeitsplatzgestaltung sind ident. Allerdings ist es schwieriger, den Anforderungen auch in den eigenen vier Wänden gerecht zu werden. Dabei sind in erster Linie die häuslichen Gegebenheiten der Arbeitnehmer ein entscheidender Faktor. „Eine offene und klare Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Abklärung von Möglichkeiten im Hinblick auf die Arbeitsplatzgestaltung ist folglich unumgänglich.“, so PD DI Dr. Maximilian Lackner, Studiengangsleiter Master „Internationales Wirtschaftsingenieurwesen“ an der FH Technikum Wien. Im Zentrum der Gespräche sollten Platzverhältnisse, Beleuchtung und Belichtung, Lufttemperatur und Ergonomie sein. Doch wie sieht es in der Realität aus?

Daten und Fakten

Die Ergebnisse der Vollerhebung (N=230) zeigten, dass für ein ungestörtes Arbeiten im Homeoffice ein separater Arbeitsraum von großer Wichtigkeit ist. Nur 40,5 Prozent gaben an, über diesen zu verfügen. Hierbei zeigte sich aber, dass 31,7 Prozent ein eigenes Arbeitszimmer besitzen. Folglich arbeiten andere häufig im Schlafzimmer oder Wohnzimmer. Dadurch lässt sich auch der mit 41,3 Prozent hohe Anteil der Raumfläche von 11 – 20 m² gut erklären. 81,7 Prozent der Teilnehmer gaben an, ihren Arbeitsraum sehr gut lüften zu können. Bei nur 9,5 Prozent befindet sich das Fenster hinter den Arbeitnehmern, wodurch es eventuell zu Spiegelungen und daraus resultierten Blenden durch den Bildschirm kommen kann. Laut ÖNORM EN 12464-1 soll im Arbeitsbereich bei Büro- oder Bildschirmarbeitsplätzen eine Beleuchtungsstärke von 500 Lux sichergestellt sein. Die Forschungsdaten zeigen allerdings, dass 22,2 Prozent die künstliche Beleuchtung benötigen, um ausreichend Licht zum Arbeiten zur Verfügung zu haben. Von Umgebungsgeräuschen fühlen sich 95,2 Prozent der Teilnehmer nicht gestört und können sich folglich völlig auf die Arbeit konzentrieren.
Bei den technischen Arbeitsmitteln gaben 24,6 Prozent an, mit einem Laptop zu arbeiten und weitere 50,8 Prozent mit einem Laptop inklusive separatem Bildschirm. Um allerdings eine ergonomische und aufrechte Sitzposition beim Arbeiten mit einem Laptop einzunehmen, bräuchte es eine Notebook-Halterung, um einer Überlastung der Nackenmuskulatur entgegen zu wirken. Nur 18,3 Prozent besitzen dieses Hilfsmittel. Ein wesentlicher Aspekt bei der Bildschirmarbeit stellt auch ein ergonomischer Arbeitssessel dar, da dieser für eine gesunde Sitzposition notwendig ist. Hierbei zeigten die Ergebnisse, dass 59,5 Prozent einen beweglichen Arbeitssessel und nur 25,4 Prozent einen starren Arbeitssessel verwenden. Damit lässt sich auch das Ergebnis in Bezug auf die einfache Einstellung der Sitzhöhe erklären. Bei 54,8 Prozent trifft diese Option völlig zu und steht daher im Zusammenhang mit dem Anteil der beweglichen Arbeitssessel. Die Möglichkeit zur Einstellung der Höhe der Rückenlehne trifft allerdings bei 54,8 Prozent gar nicht zu. Dies wäre aber notwendig, um eine richtige Anpassung und Abstützung der Wirbelsäule erreichen zu können. Betrachtet man die Arbeitstische der Teilnehmer, dann gaben 52,4 Prozent an, keine Höheneinstellung vornehmen zu können. Allerdings wäre dies notwendig, um einer zusätzlichen Belastung der Schultern und des Rückens entgegenzuwirken. Ein eindeutiges Signal zeigte die Studie im Hinblick auf die gewünschte Unterstützung durch die Arbeitgeber bei den technischen Arbeitsmitteln:
59,9 Prozent wünschten sich vermehrte Unterstützung durch die Arbeitnehmern, auch wenn Arbeitnehmer bewusst ist, dass diese zur Bereitstellung von technischen Arbeitsmitteln nicht gesetzlich verpflichtet sind.

Sozialer Kontakt fehlt

Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen treten beim Arbeiten zu Hause am häufigsten auf. Aufgrund der Vermutung, dass im Homeoffice mehr Zeit bei der Bildschirmarbeit verbracht wird, bestand der Verdacht, dass dies im Zusammenhang mit den auftretenden Schmerzen stehen könnte. Die Ergebnisse zeigten allerdings keinen signifikanten Zusammenhang. Vielmehr wurde gezeigt, dass die Zufriedenheit mit der eigenen Ausstattung den ausschlaggebenden Zuspruch für Homeoffice bedeutet. Fehlende Arbeitsmittel führen eher zu körperlichen Beschwerden.

Ein wesentliches Ergebnis der Erhebung war, dass studierende Arbeitnehmer häufiger den Wunsch haben in die Büroräumlichkeiten zurück­zukehren, wenn kein separater Arbeitsraum im Homeoffice zur Verfügung steht. Dies lässt sich nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass die Doppelbelastung von Studium und Beruf bereits sehr herausfordernd ist. Ruhe und Konzentration benötigt, um erfolgreich lernen und arbeiten zu können, wird als besonders wichtig erachtet.

Arbeitsplatz zu Hause

40,5 % haben einen Arbeitsraum
81,7 % achten auf gute Lüftung
22,2 % benötigen künstliches Licht
18,3 %  haben eine Notebook-Halterung

Berufsbegleitend studieren

Etwa 40 % der österreichischen Fachhochschulstudien sind berufsbegleitend (29 % im Bachelor und 67 % im Master). Dabei handelt es sich um Angebote mit Unterricht am Abend und am Wochenende.
Laut der „Studierenden-Sozialerhebung 2019“ (IHS, Juni 2020) gab es im Sommersemester 2019 etwa 19.600 berufsbegleitende Studierende, besonders viele davon in Wien und im Burgenland.
Mit 29,4 Jahren ist der Altersdurchschnitt der berufsbegleitenden Studierenden vergleichsweise hoch.
Der Frauenanteil ist mit 46 % in berufsbegleitenden Studien unterdurchschnittlich.
Beliebte Studiengänge, die berufsbegleitend belegt werden, sind wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Studien sowie Informatik, im Master auch Gesundheits- und Sozialwesen.

Info & Kontakt

Mst. Ing. Dominic Marsam, BSc, Absolvent Bachelor „Internationales Wirtschaftsingenieur­wesen“; iw21m037technikum-wienat;
FH-Prof. Mag. (FH) Dr. Judith Klamert-Schmid, Studiengangsleitung Bachelor
„Internationales Wirtschaftsingenieurwesen“, FHTechnikum Wien, judith.schmidtechnikum-wienat;
PD DI Dr. Maximilian Lackner, Studiengangsleitung Master „Internationales Wirtschaftsingenieurwesen“, FHTechnikum Wien, maximilian.lacknertechnikum-wienat

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© BartekSzewczyk/iStock