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Auf Abstand gehen

Mit der Coronapandemie hat nicht nur die tatsächliche, sondern auch die virtuelle Distanz zwischen den Menschen zugenommen.

Mit der Coronapandemie hat nicht nur die tatsächliche, sondern auch die virtuelle Distanz zwischen den Menschen zugenommen.

Auf der einen Seite wirkt digitale Kommunikation verbindend, indem sie es Menschen ermöglicht, sich zeit- und ortsunabhängig miteinander auszutauschen. Auf der anderen Seite jedoch wirkt sie trennend, da sie Menschen emotional voneinander entfernt. Während also räumliche und zeitliche Distanz an Bedeutung verlieren, wird psychologische Distanz zum Problem. Dieses Phänomen wird als „virtuelle Distanz“ beschrieben. Sie ist eine messbare soziale und emotionale Trennung, die entsteht, wenn wir uns zunehmend auf digital übermittelte Kommunikationstechnologien verlassen.

Einsam im Großraumbüro

Elektronische Kommunikationsmittel sind so verbreitet, dass sich kaum noch jemand darüber Gedanken macht, welche Folgen sie für unsere körperliche und seelische Gesundheit, aber auch für Arbeitsergebnisse in Unternehmen haben. Studien belegen bereits, dass der Einsatz von immer mehr Technologie die Produktivität und Zufriedenheit nicht notwendigerweise erhöht. Doch räumliche Nähe allein – wie in Coworking-Spaces oder Open-Space-Büros – ist kein Mittel gegen virtuelle Distanz. Denn auch in einem Raum mit vielen Mitarbeitern, etwa in einem Großraumbüro, in dem jeder nur auf den Bildschirm blickt, herrscht virtuelle Distanz. Der persönliche Austausch kann hier auf null reduziert sein, obwohl menschliche Nähe vorhanden ist.

Weniger Missverständnisse

Unternehmen sind gefordert, Maßnahmen zu treffen, um die virtuelle Distanz zwischen ihren Mitarbeitern zu reduzieren. Persönliche Gespräche bieten die höchste Kommunikationsqualität, denn sie bieten soziale Präsenz und Medienreichhaltigkeit. Soziale Präsenz bedeutet, dass Kommunikationsteilnehmer anwesend sind und damit den Eindruck zwangloser Interaktivität haben. Medienreichhaltigkeit liegt vor, wenn Kommunikation zusätzlich zu Informationen in natürlicher Sprache viele nichtsprachliche Informationen wie Mimik, Ton oder Gestik transportiert. So können Botschaften persönlich auf den Empfänger zugeschnitten werden und prompte Rückmeldung wird möglich.

Hohe soziale Präsenz und Medienreichhaltigkeit verringern die Gefahr von Missverständnissen, Konflikten und Unzufriedenheit. Auch Videokonferenzen haben deutliche Nachteile gegenüber dem Präsenzgespräch. Zwar lässt sich so ein gewisses Maß an nonverbalen Signalen transportieren, doch zeigt das Kamerabild immer nur einen Ausschnitt und die Gefahr von Fehlinterpretationen ist hoch. Wo Teammitglieder keine echten Beziehungen zueinander aufbauen können, leiden Vertrauen, Hilfsbereitschaft, Zufriedenheit und Lernbereitschaft.

Virtuelle Distanz unter Mitarbeitern ist messbar und systematisch darstellbar, etwa über eine Landkarte der Beziehungen der Mitarbeiter untereinander. Einfache Maßnahmen zur Verringerung der virtuellen Distanz sind regelmäßige Face-to-Face-Meetings, Aufgaben zu teilen und jene Mitarbeiter in Teams zusammenzubringen, die bereits erfolgreich zusammengearbeitet haben. Tipp: Schalten Sie die Videofunktion bei Konferenzen auch einmal aus und hören bewusst auf die Stimmen der anderen.

BUCHTIPP

Sobel Lojeski, Karen; Reilly, Richard R.; Die Macht der virtuellen Distanz. Lösungen, mit denen Sie im digitalen Zeit­­­alter und Home­­­­­­office unausgeschöpfte Wettbewerbsvorteile erzielen können;
Verlag Wiley-VCH, Weinheim, ISBN: 978-3-527-51073-3

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