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AUVA „Komm gut an!“: Kluge Köpfe nutzen Helme

Der Frühling und das Fahrradfahren gehören untrennbar zusammen. Aber auch wer in den letzten Jahren­

Öffis meiden wollte, griff ganz selbstverständlich zum Fahrrad und hat den Trend – unabhängig von der ­Jahreszeit – weiter verstärkt.

Radfahren ist gesund, trägt es doch zu mehr Bewegung an der frischen Luft bei, die auch noch Spaß macht. Der unbestritten wichtigste Vorteil aber ist, dass diesen Sport nahezu jede:r ausüben kann. Der Großteil des Körpergewichts, gut 50 bis 70 Prozent, wird durch das Rad getragen. Im Vergleich zu einigen anderen Sportarten ist Radfahren daher überaus gelenkschonend. Radfahren ist eine Aktivität, die das Herz-Kreislaufsystem stärkt. Es verbessert die Durchblutung, senkt den Blutdruck und fördert die allgemeine Herzgesundheit. Beim Radfahren werden verschiedene Muskelgruppen, einschließlich der Beinmuskulatur, des Gesäßes und des Rumpfes, aktiviert und gestärkt. Dies trägt zur Entwicklung von Muskelkraft bei. Durch regelmäßiges Radfahren wird die Ausdauer gesteigert, sodass mit längerem Training auch längere Strecken zurückgelegt werden können. Radfahren im Freien bietet nicht nur körperliche, sondern auch mentale Vorteile. Es kann helfen Stress abzubauen, die Stimmung verbessern und dazu beitragen, mentale Ermüdung zu reduzieren.

Üben vermeidet Unfälle

Die Verletzungsgefahr ist im Regelfall beim Radfahren eher gering und beschränkt sich zumeist auf Abschürfungen bei Stürzen. Überlastungen im Bereich des Bewegungsapparates sind selten. Doch mit dem zunehmenden Trend zum Fahrradfahren nimmt auch die Unfallhäufigkeit zu. Die Ursache ist einfach erklärt: Mehr ungeübte und untrainierte Menschen steigen auf das Fahrrad um und greifen oft gleich zu E-Bikes, die nicht nur höhere Geschwindigkeiten zulassen, sondern den Fahrern:Fahrerinnen auch mehr Übung und Geschicklichkeit abverlangen. Ihr Schwerpunkt liegt anders, das Bremsverhalten ist aufgrund des Gewichts nicht mit dem eines herkömmlichen Fahrrades zu vergleichen. Zudem sind einfach mehr Menschen im Straßenverkehr unterwegs und tummeln sich auf den zumeist schmalen Radwegen. So schnell sich der Trend entwickelt, so wenig sind das Risikobewusstsein und das Wissen um Sicherheit und Schutzausrüstung in ähnlichem Ausmaß gestiegen. Unfälle mit zu hoher Geschwindigkeit haben vor allem dann fatale Folgen in Form schwerer Kopfverletzungen, wenn kein Helm getragen wird.

Radfahrkompetenz fördern

Die AUVA setzt sich daher besonders für mehr Sicherheit rund um das Fahrradfahren ein und die AUVA-Radworkshops sind dabei die größte und populärste Initiative zum Thema Radfahren. Ein gut gewartetes und ausgerüstetes Rad, ein Helm zum Schutz des Kopfes und das praktische Radfahrkönnen stellen die Grundvoraussetzungen für eine sichere Radverkehrsteilnahme dar.
Mittlerweile ist das Angebot aber längst nicht mehr nur auf Kinder beschränkt. Ziel der Präventionsmaßnahme ist es, Radfahrern:Radfahrerinnen das nötige Rüstzeug für eine sichere Radverkehrsteilnahme mitzugeben. Sie müssen lernen, das Fahrzeug zu beherrschen, die wichtigsten Sicherheitsaspekte kennen und wissen, welche persönliche Schutzausrüstung beim Radfahren erforderlich ist. „Der Unterschied zwischen jungen und erwachsenen Radfahrern:Radfahrerinnen ist dabei gar nicht so groß, wie man vielleicht annehmen möchte“, sagt Peter Schwaighofer, BSc, Experte für Verkehrssicherheit in der AUVA-Prävention. Aus den Unfallzahlen geht hervor, dass Ablenkungen zu einer der Hauptunfallursachen zählen – und das nicht nur bei Kindern! „Beim Radfahren Textnachrichten zu lesen, zu tippen oder zu telefonieren ist bei jungen und älteren Verkehrsteilnehmern:-teilnehmerinnen gleichermaßen zu beobachten“, beschreibt Schwaighofer. „Unsere Empfehlung lautet, sich ausschließlich auf die Verkehrsteilnahme zu konzentrieren und Ablenkungen zu vermeiden. Die Freisprecheinrichtung ist zwar zulässig, die gedankliche Ablenkung sollte dennoch nicht unterschätzt werden.“

Kopfschutz nur mit Helm

Auf dem Rad sind Kinder und Erwachsene gleichermaßen verletzlich, ungeschützt und haben keine Stoßdämpfer. Für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr gilt Helmtragepflicht – nicht nur beim Radfahren, auch beim E-Scooter-Fahren. Für Tretroller gibt es keine Verpflichtung, jedoch macht es auch hier Sinn, den Kopf zu schützen und das Helmtragen zur Routine werden zu lassen. Erwachsene sind Vorbilder und wer mit dem Rad beruflich unterwegs ist oder häufiger fährt, wird vernünftigerweise auch zu einem passenden Helm greifen. Der Kopf ist fast immer der am weitesten vom Boden entfernte Körperteil und kommt daher mit entsprechender Geschwindigkeit bei einem Sturz auf.

Einen erfreulichen Trend gibt es bei der Weiterentwicklung von Radhelmen: Die Formen und Farben sind moderner geworden und animieren daher auch zum Tragen. Radhelme sind speziell für das Radfahren konstruiert und erfüllen ­spezifische Normen, daher sollten nur Helme verwendet werden, die vom Herstellenden zum Radfahren freigegeben sind. Wichtig ist die richtige Passform, damit der Kopf gut bedeckt und sicher geschützt ist. Etwa alle sechs Jahre ab Produktion sollte der Helm getauscht werden, denn die Materialien verschleißen mit der Zeit und werden spröde, wodurch die Stoßdämpfung langsam schlechter wird. Bei Kindern kann es sein, dass der Helm schon früher getauscht werden muss, weil sie bekanntlich rasch wachsen. Der Radhelm muss sofort ersetzt werden, wenn er beschädigt oder gebrochen ist oder die Gurtbänder zum Verschließen nicht mehr intakt sind. (rh)

Sportarten, bei denen ein Helm getragen werden muss bzw. soll:

  • Fahrradfahren
  • Scooterfahren
  • Motorradfahren
  • Skifahren und Snowboarden
  • Inlineskaten und Skateboarden
  • Mountainbiken
  • Klettern
  • Eishockey
  • Reiten

Helmtragequote noch nicht ­zufriedenstellend

Im Gegensatz zu Kindern müssen Erwachsene in Österreich keinen Radhelm tragen. Eine aktuelle Erhebung des ÖAMTC zeigt an dieser Stelle tatsächlich Nachholbedarf: Nur rund 35 Prozent der 14.600 in allen Landeshauptstädten beobachteten Radfahrenden trugen einen Helm. Wie problematisch das ist, zeigen Zahlen aus der ÖAMTC-Unfallforschung: Der Anteil an verunglückten Radfahrenden ohne Helm, die schwere bis tödliche Kopfverletzungen erleiden, liegt bei 57 Prozent. Bei Radfahrenden, die mit Helm unterwegs waren, ist dieser Prozentsatz mit 26 Prozent deutlich geringer.

Die Merkmale eines sicheren Fahrradhelms

  • Ein Helm muss der Norm EN 1078 entsprechen und die CE-Kennzeichnung in der Helmschale tragen.
  • Auch das Prüfzeichen GS – geprüfte Sicherheit – ist ein ­Qualitätsmerkmal.
  • Der Helm und die Kopfform müssen zusammenpassen. Ohren und Gesichtsfeld sind frei, der Helm mit einer harten Außen­schale deckt den Kopf von der Stirn bis zum Hinterkopf ab.
  • Ein verstellbares Gurtsystem sorgt für die optimale Pass­genauigkeit. Es soll fix mit dem Helm verbunden und einfach
  • zu öffnen und zu schließen sein.
  • LED-Beleuchtung am Helm und auffällige, reflektierende
  • Farben erhöhen die Sichtbarkeit.
  • Der Helm verfügt über Luftschlitze, die breit und durch ­Luftkanäle verbunden sind.
  • Gitter vor den Luftschlitzen schützen vor Insekten.
  • Helm vor Fahrtantritt immer auf Schäden überprüfen.
  • Nach einem Sturz muss der Helm getauscht werden, ­spätestens jedoch nach fünf bis sechs Jahren.

Helm auf – so geht’s richtig (s. Abb. 2)

  1. Die Vorderkante liegt einen Fingerbreit über den Augenbrauen.
  2. Der seitliche Helmrand endet knapp über den Ohren.
  3. Die Gurtbänder liegen straff an und bilden ein Dreieck über den Ohren.
  4. Unter dem Kiefer schließt der Helm mit einem Gurtschloss, wobei zwischen Kinn und Kinnriemen maximal zwei Fingerbreit Platz sein sollen.
  5. Am Hinterkopf kann mit dem Kopfring die Passgenauigkeit justiert werden.
  6. Der optimale Sitz ist erreicht, wenn der Helm nur minimal bewegt werden kann und die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt ist.

Für die Helmschalenposition und Helmgurteinstellung gibt es auch ein passendes Video unter radworkshop.info/das-helmvideo

nachgefragt bei … Hält der Helm, was er verspricht?

Ing. Stefan Janotka, Prüfer der Sicherheitstechnischen Prüfstelle der AUVA
Antwort auf diese Frage gibt Ing. Stefan Janotka, Prüfer der Sicherheitstechnischen Prüfstelle der AUVA. Er findet heraus, ob die spezifischen Anforderungen an Fahrradhelme, die in der europäischen Norm EN 1078 „Helme für Radfahrer und für Benutzer von Skateboards und Rollschuhen“ sowie in der DIN EN 1080 „Stoßschutzhelme für Kleinkinder“ festgelegt sind, erfüllt werden.

Wann muss ein Helm zur Prüfstelle?
eder:jede Hersteller:in, der:die persönliche Schutzausrüstung auf den europäischen Markt bringen will, benötigt ein Zertifikat, die sogenannte EU-Baumusterprüfbescheinigung, für seine:ihre Produkte. Um diese zu bekommen, muss das Produkt dem Stand der Technik entsprechen. Das überprüfen wir mithilfe von Normen.

Wie gehen Sie dabei vor?
In der Norm sind mehrere Prüfungen vorgeschrieben. Einige gehen sehr schnell, andere dauern länger, zum Beispiel bei den sogenannten Vorkonditionierungen, bei denen ungünstige Bedingungen hergestellt werden. So muss ein Helm zum Beispiel auch nach mehrjähriger UV-Einstrahlung noch sicher schützen. Dazu können wir den Helm künstlich altern lassen, indem er 48 Stunden hoher UV-Einstrahlung ausgesetzt wird. Erst danach wird der Aufprall simuliert.

Welche Entwicklung hat die Sicherheitstechnik bei Fahrradhelmen in den letzten Jahren durchgemacht?
Gerade bei Fahrradhelmen hat sich mit dem MIPS-System viel verändert. MIPS steht für Multi-Directional Impact Protection System und geht auf den schwedischen Neurochirurgen Univ.-Prof. Dr. Hans von Holst zurück, der sich der Erforschung von Hirnverletzungen verschrieben hat. 1996 begann er damit, die Konstruktion von Helmen zu untersuchen, weil er herausfinden wollte, warum ständig Patienten:Patientinnen mit Hirnverletzungen ins Krankenhaus kamen, die sie sich bei einem Sturz zugezogen hatten, obwohl sie einen Helm getragen hatten. Im Zuge seiner Forschungen erkannte er, dass die meisten ­erhältlichen Helme keinen ausreichenden Schutz boten, und entwickelte mit MIPS ein Kopfschutzsystem, das die Sicherheit massiv ­verbesserte. Das Gehirn ist auf Rotationen besonders empfindlich, die häufig bei einem schrägen Aufprall entstehen. Daher wurde eine ­bewegliche Innenschale konstruiert, die diese Auswirkungen der ­Rotationsenergie minimiert, indem sie ein zum Kopf versetztes Gleiten des Helms zulässt.

nachgefragt bei … Worauf ist beim Helmkauf zu achten?

ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl
Gibt es für Fahrradfahrer:innen und Scooterfahrer:innen unterschiedliche Helme?
Es gibt den Begriff des „Fahrradhelms“, der deckt alle Fahrzeuge ab, die wie ein Fahrrad oder fahrradähnlich sind. Nachdem es für Erwachsene keine Helmtragepflicht beim Fahrrad gibt, findet sich in einschlägigen Vorschriften wenig Ausformuliertes dazu. Auch für E-Bikes, die schneller als 45 km / h fahren, gibt es Vorschriften: In Österreich gelten diese als Moped. Ein Motorradhelm nach UN R 22 ist zu tragen. In anderen EU-Ländern benötigen E-Bikes ein Kennzeichen und es gibt auch dafür passende Helme, die nach der holländischen Norm NTA 8776 geprüft werden. Es liegt auf der Hand: Wer schneller fahren kann, muss besser geschützt sein.

Worauf soll man dann beim Kauf auf jeden Fall achten?
In der Norm EN 1078 ist beschrieben, was ein qualitativ hochwertiger Helm erfüllen muss, und daraus leiten sich dann die Empfehlungen ab. Grundsätzlich soll der Helm immer auf den Verwendungszweck abgestimmt sein – ein Fahrradhelm demnach für Fahrräder – und eine gute Passform aufweisen. Daher muss der Helm beim Kauf unbedingt probiert werden.

Gibt es Empfehlungen zur Qualität von Helmen?
Wir haben 14 aktuelle Modelle unter die Lupe genommen. Eines der wichtigsten Kriterien ist die Stoßdämpfung, die dafür sorgt, dass ein Aufprall so gut wie möglich absorbiert wird. Weil ein Helm aber nur schützen kann, wenn er getragen wird, spielen auch Tragekomfort und Handhabung eine wichtige Rolle. Abgerundet wird unser Test durch einen Check der Hitzebeständigkeit und eine Schadstoffprüfung. Acht der 14 Helme erreichten die Note „gut“, der Rest ist mit „befriedigend“ nicht wesentlich schwächer. Erfreulich ist außerdem, dass selbst die Modelle auf den letzten Plätzen zufriedenstellende Werte im Unfallschutz erzielen. Der Test zeigt außerdem, dass Sicherheit nicht unbedingt eine Preisfrage ist.

Wo gibt es noch Optimierungsbedarf?
Mehrere Modelle lassen sich viel zu leicht nach hinten abziehen und können damit bei einem Sturz leicht verloren werden. Die Erkennbarkeit im Dunkeln ist bei diversen Helmen ebenfalls noch ausbaufähig.

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