Direkt zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen Jump to sub navigation

AUVA „Komm gut an!“: Sicher gesichert

Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall ­verletzt oder getötet zu werden, ist ohne ­Sicherheitsgurt hoch. Angurten ist aber ­leider auch im Lkw nicht selbstverständlich.

Die Ladung zu sichern ist für die meisten Lkw-Fahrer:innen selbstverständlich, den Sicherheitsgurt anzulegen jedoch nur für rund 75 Prozent. Unter dem Motto „Die wertvollste Fracht bist Du“ führte die ASFINAG letzten Sommer eine Kampagne durch, bei der anschaulich gezeigt wurde, wie der Gurt bei Unfällen schützt. Die AUVA spricht das Anlegen des Sicherheitsgurts bei Seminaren über Ladungssicherung an und informiert im Rahmen des aktuellen AUVA-Präventionsschwerpunkts „Komm gut an!“. Im Frühjahr 2024 wird eine ­AUVA-Fachtagung zum Thema Arbeitssicherheit im Schwerverkehr stattfinden (s. Fachtagung: Sichere Wege im Schwerverkehr).

Abstützen reicht nicht aus

„Auch der:die Lenker:in ist ‚Ladung‘“, betont Ing. Dominik Scholz vom Fachbereich Verkehrssicherheit der AUVA-Landesstelle Wien. Bei einem Frontalzusammenstoß, einem Auffahrunfall oder einer Vollbremsung wird die menschliche „Ladung“ nach vorne geschleudert. Was dabei passiert, wenn man nicht angegurtet ist, illustriert Scholz bei den von ihm geleiteten Ladungssicherungsseminaren anhand eines Beispiels: Ein Aufprall mit 50 km/h entspricht einem Sturz aus zehn Metern, ein Aufprall mit 100 km/h einem Sturz aus 40 Metern. „Bei einer Verdoppelung der Geschwindigkeit vervierfacht sich die kinetische Energie“, liefert der Verkehrsexperte die physikalische Begründung dafür. Er widerlegt auch die Ansicht, dass es reicht, sich mit den Händen abzustützen, anstatt den Gurt zu verwenden. Das gelingt nur bei extrem geringen Geschwindigkeiten bis maximal 12 km/h. Wer schneller unterwegs ist, muss mit blauen Flecken oder Knochenbrüchen rechnen und riskiert, durch die Windschutzscheibe geschleudert zu werden.

Warum viele Fahrer:innen im Schwerverkehr trotzdem auf den Gurt verzichten, hat laut DI Bernhard Lautner, Experte für Verkehrsmanagement bei der ASFINAG, vor allem einen Grund: Bequemlichkeit. Speziell auf Kurzstrecken, etwa bei der Paketzustellung, wird das An- und Abschnallen als zusätzlicher Aufwand betrachtet. Bei längeren Fahrten wiederum empfinden manche den anliegenden Gurt als störend. Dazu kommt ein falsches Sicherheitsgefühl durch die Größe und das Gewicht des eigenen Fahrzeugs.

Erhöhtes Risiko

Die Argumente, die Lkw-Fahrer:innen gegen das Angurten anführen, lassen sich leicht widerlegen. Auch im Lkw ist das Risiko, bei einem Verkehrsunfall verletzt oder getötet zu werden, ohne Gurt deutlich erhöht. Das zeigen die Unfallzahlen 2022: Laut ASFINAG wurden mehr als 300 Lkw-Fahrer:innen bei Unfällen auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen verletzt, 41 davon waren nicht angegurtet. Von den neun bei Unfällen Getöteten hatten fünf den Gurt nicht angelegt – das ist mehr als die Hälfte, obwohl sich insgesamt „nur“ eine:r von vier Lkw-Fahrern:-Fahrerinnen nicht angurtet.

Angesichts dieser Zahlen sollte kein:e Lkw-Fahrer:in den minimalen Aufwand scheuen, sich anzugurten. Wenn jemand in der Eile tatsächlich vergisst, den Gurt anzulegen, kann ein im Lkw installierter Gurtwarner daran erinnern – natürlich nur, wenn er nicht deaktiviert ist.

Unbequeme Gurte gehören in den meisten Lkw mittlerweile auch der Vergangenheit an, da Schwingsitze mit integrierten Dreipunktgurten inzwischen Standard sind und sich die Höhe des Gurts in der Regel individuell einstellen lässt. Damit haben auch kleinere Personen nicht mehr das Problem, dass der obere Teil des Gurts am Hals anliegt.

Falsche Information

An fehlender Information liegt es, dass viele Lkw-Fahrer:innen glauben, bei einem Unfall ohnehin durch den Airbag geschützt zu sein. „Airbag und ­Sicherheitsgurt bilden ein aufeinander abgestimmtes Sicherheitssystem. Der Verzicht auf eine der Komponenten schwächt das System und kann eine zusätzliche Gefährdung darstellen“, erklärt Scholz. Wird der:die Fahrer:in bei einem Unfall nach vorn geschleudert, kann ein auslösender Airbag zusätzliche Verletzungen verursachen.

Oft kursieren auch Schauergeschichten, dass Lkw-Fahrer:innen verletzt oder getötet wurden, weil sich bei einem Sturz in ein Gewässer oder bei einem Fahrzeugbrand der Sicherheitsgurt nicht öffnen ließ. Fragt man nach, stellt sich heraus, dass der:die Erzähler:in die Geschichte von irgendjemandem gehört hat, aber das angebliche Unfallopfer nicht kennt. Personen, die Angst vor einem im Ernstfall klemmenden Gurt haben, empfiehlt Scholz, im Lkw ein ­Gur­tenmesser in Reichweite aufzubewahren, mit dem der Gurt im Notfall durchschnitten werden kann. Auch Einsatzkräfte, die zu einem Verkehrsunfall gerufen werden, führen ein Gurtenmesser mit.

Wertvolle Fracht

Die Gründe, warum man den Sicherheitsgurt anlegen sollte, wiederholt Scholz immer wieder in seinen Seminaren, und auch die ASFINAG setzt auf Information. Im Rahmen ihrer Kampagne „Die wertvollste Fracht bist Du“ bot sie Lkw-Fahrern:-fahrerinnen zusätzlich die Möglichkeit, die Kräfte, die bei einem Unfall auf den Körper wirken, selbst zu spüren.
Bei der Kampagne, die die ASFINAG gemeinsam mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit und der Bundessparte für Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer durchführte, sprachen Promotoren:Promotorinnen auf Autobahn-Rastplätzen gezielt Lkw-Fahrer:innen an, zeigten ein kurzes Erklärvideo zur Bedeutung des Gurtanlegens, das in mehreren Sprachen verfügbar war, und verteilten Goodie-Bags.

Das Highlight der Kampagne war jedoch ein Lkw-Überschlagssimulator, den sich die ASFINAG von der deutschen Berufsgenossenschaft Verkehr ausgeborgt hatte. „Die Lkw-Fahrerkabine dreht sich um die eigene Achse, dabei steht man – natürlich angegurtet – kopf“, beschreibt Lautner. Wer das ausprobiert hat, kann sich gut vorstellen, was passieren würde, wäre man nicht mit dem Gurt am Sitz festgeschnallt. (rp)

05-Hufnagl_im_Ueberschlagssimulator-c-ASFINAG.jpg
ASFINAG-Vorstand Mag. Hartwig Hufnagl im Überschlags­simulator
© EAP.AT/G. MAYER-ROHRMOSER
Drei Männer im Anzug halten gemeinsam eine Werbe-Papiertüte im Vordergrund eines schräg stehenden LKW-Fahrzeugsimulators. Auf der Zugangstreppe zum LKW stehen drei junge Damen mit Schirmmütze im Hintergrund und halten ebenfalls jeweils eine Werbe-Papiertüte in der Hand.
v. l. n. r.: Mag. Christian Schimanofsky (Geschäftsführer des KFV), Mag. Hartwig Hufnagl und Mag. Alexander Klacska (Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der WKÖ) vor dem Überschlagssimulator
© EAP.AT/G. MAYER-ROHRMOSER