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Belastungen reduzieren: Lärm muss nicht sein!

Lärm ist gesundheitsschädlich. Um die Lärmbelastung zu reduzieren, sind zielgerichtete Maßnahmen erforderlich.

Sind technische und organisatorische Maßnahmen nicht aus­reichend, muss geeigneter Gehörschutz verwendet werden.

Der beste Schutz vor schädlichem Lärm ist, ihm auszuweichen oder ihn einzudämmen. Ist das nicht möglich, sollten primär technische oder organisatorische Lärmminderungsmaßnahmen umgesetzt werden.

Technische Maßnahmen

Bei raumakustischen Maßnahmen werden Wand- oder Deckenflächen des Raumes mit schallabsorbierenden ­Materialien verkleidet. Alternativ können auch schallabsorbierende Elemente beispielsweise als Würfel oder Platten im Raum platziert werden. Durch raumakustische Maßnahmen sinkt die Halligkeit des Raumes, das heißt, der Schallpegel nimmt mit wachsender Entfernung schneller ab. Raumakustische Maß­nahmen wirken am besten, wenn viele ähnlich laute Schallquellen über ­einen Raum verteilt sind, etwa in Produktionsräumen mit vielen Maschinen oder in einem ­Labor, oder wenn Arbeitsplätze sich in einiger Entfernung zu den ­Schallquellen befinden. In Vortrags­räumen, Besprechungsräumen und Schulklassen sind raumakustische Maßnahmen sehr wichtig. Sie verbessern die Sprachverständlichkeit.

Die Schallausbreitung von lauten Maschinen gegenüber leisen Arbeitsbereichen in einer Produktionshalle kann zum Beispiel durch Schallschutzwände reduziert werden. Wenn möglich, sollten laute Maschinen mit einer Einhausung versehen werden, um die Schallausbreitung in die Umgebung effektiv zu reduzieren. Die Schallabstrahlung von haustechnischen Anlagen kann durch Schalldämpfer gut vermindert werden.

Falls mit technischen und organisatorischen Maßnahmen keine ausreichende Lärmreduktion möglich ist, kann der Lärm mittels Verwendung von geeignetem Gehörschutz wie etwa Ohrstöpseln, angepasstem Gehörschutz oder Kapselgehörschutz erheblich reduziert werden. Einen am Arbeitsplatz geeigneten Gehörschutz erkennt man an der CE-Kennzeichnung und der Angabe der eingehaltenen Norm EN 352. Ohrenstöpsel, die im Handel etwa als Zubehör für Handys gekauft werden können, weisen üblicherweise keine ausreichende Schalldämmung auf. Um gut wirksam zu sein, müssen Gehörschützer während der gesamten Einwirkdauer von gehörgefährdendem Lärm getragen werden.

Auswahl von Gehörschutz

Gehörschutz muss einerseits die erforderliche Schalldämmung und andererseits einen guten Tragekomfort aufweisen. Welche Art von Gehörschutz sinnvollerweise verwendet wird, hängt von Parametern wie Tragedauer, Hitze, Häufigkeit des Auf- und Absetzens ab. Bequeme Gehörschützer der richtigen Größe werden eher akzeptiert und auch wirklich konsequent getragen. Deshalb sollten potenzielle Benutzer:innen die Möglichkeit haben, in der Gewöhnungsphase zwischen verschiedenen Modellen auszuwählen. Um den unterschiedlichen Kopf- und Gehörgangsgrößen Rechnung zu tragen, müssen die Gehörschützer eine ausreichende Anpassung gewährleisten oder in verschiedenen Größen zur Verfügung stehen.

Gehörschutzstöpsel sind gut geeignet, wenn der Gehörschutz ständig getragen werden muss, insbesondere bei hohen Temperaturen oder Feuchtigkeitseinwirkung und bei Staubbelastung. Kapselgehörschützer sind zu empfehlen, wenn vorherzusehen ist, dass die Gehörschützer häufig auf- und abgenommen werden müssen. Hinsichtlich der Schalldämmung sind Kapselgehörschützer und Gehörschutzstöpsel grundsätzlich gleichwertig. Es gibt sowohl Gehörschutzstöpsel als auch Kapselgehörschützer mit vergleichsweise hoher oder niedriger Schalldämmung.

Mit individuell angepassten Gehörschutzstöpseln (Otoplastiken) kann ein hoher Tragekomfort sichergestellt werden. Dabei wird ein Abdruck vom Gehörgang genommen und der Gehörschutz damit an den jeweiligen Ohrenteil angepasst. Eine Prüfung der tatsächlichen Dämmwirkung ist bei Erhalt der Otoplastiken unbedingt erforderlich, um eventuelle Leckagen zu erkennen. Diese Prüfung sollte im Abstand von etwa zwei bis drei Jahren oder bei Bedarf wiederholt werden.

Die Zuordnung eines Gehörschutzes zu einer Maschine, der von mehreren Personen bei der Bedienung dieser Maschine zu benützen ist, ist gemäß den gesetzlichen Vorgaben nicht zulässig. Gehörschutz ist eine persönliche Schutzausrüstung, alle betroffenen Mitarbeiter:innen haben Anspruch auf einen eigenen Gehörschutz.

So wirksam Gehörschutz zur Reduktion des am Ohr ankommenden Lärms ist, so gefährlich kann er allerdings sein, wenn dadurch Gefahren oder Warnsignale überhört werden. Wenn Warnsignale auftreten können, muss geprüft werden, ob diese mit dem eingesetzten Gehörschutz noch eindeutig wahrgenommen werden können. (wp)

Gehörschutz mit elektronischen Zusatzinformationen

In den letzten Jahren sind auch Gehörschützer mit elektronischen Zusatzfunktionen auf den Markt gekommen. Beim sogenannten pegelabhängig dämmenden Gehörschutz ändert sich die praktische Schalldämmung je nach Umgebungsgeräuschpegel.
Bei Gehörschützern mit Unterhaltungsfunktion ist zum Beispiel ein Radio eingebaut oder via Bluetooth-Verbindung oder Klinkenstecker das Abspielen von Musik möglich. Bei Gehör­schützern mit sicherheits­relevanter Kommunikation ist durch die Dämmung des Gehörschutzes und ein Sprechmikrofon eine Kommunikation auch bei sehr lauten Außengeräuschen möglich.

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Fertig geformte ­Gehörschutzstöpsel bieten einen hohen Tragekomfort.
© solidcolours/iStock