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Covid-19 als ­Berufskrankheit

Die österreichische Liste der Berufskrankheiten umfasst derzeit 53 Positionen. Unter der Ziffer 38 finden sich Infektionskrankheiten, die bei besonders gefährdeten Berufsgruppen von den Unfallversicherungsträgern als Berufskrankheit (BK) anerkannt werden können.

Die Berufsgruppen sind vom Gesetzgeber definiert, es handelt sich dabei um „Beschäftigte in Krankenhäusern, Heil- und Pflegeanstalten, Entbindungsheimen und sonstigen Anstalten, die Personen zur Kur und Pflege aufnehmen, öffentliche Apotheken, ferner Einrichtungen und Beschäftigungen in der öffentlichen und privaten Fürsorge, in Schulen, Kindergärten und Säuglingskrippen und im Gesundheitsdienst sowie in Laboratorien für wissenschaftliche und medizinische Untersuchungen und Versuche sowie in Justizanstalten und Hafträumen der Verwaltungsbehörden bzw. in Unternehmen, in denen eine vergleichbare Gefährdung besteht.“

Ein eindeutig erhöhtes Infektionsrisiko im Rahmen von Epidemien ist speziell für Personen, die in Gesundheitsberufen arbeiten, bekannt. So ergab eine aktuelle Branchenauswertung in Deutschland die größte Zahl an Erkrankungsfällen an Covid-19 bei Beschäftigten in der Krankenpflege und im Rettungsdienst, in der Altenpflege sowie in der Human- und Zahnmedizin.

Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, sind von der Corona-Pandemie in besonderem Maß betroffen. So waren sie nicht nur über viele Monate physisch und psychisch durch die Behandlung, Betreuung und Pflege von Covid-19-Kranken bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit belastet, sondern auch trotz aller Schutzmaßnahmen deutlich stärker gefährdet, selbst an Covid-19 zu erkranken. Umso mehr sollte die Verpflichtung zur BK-Verdachtsmeldung wahrgenommen werden. Sie ist der erste Schritt dazu, dass durch ihre Tätigkeit erkrankte Ärzte, Pflegekräfte, alle anderen in Gesundheitsberufen Arbeitenden und alle, die darüber hinaus unter der BK 38 erfasst sind, ihnen zustehende Leistungen aus der Unfallversicherung erhalten können.

Wem ist zu melden?

Der begründete Verdacht auf das Vorliegen einer beruflich erworbenen Covid-19-Infektion ist dem zuständigen Unfallversicherungsträger zu melden. In den meisten Fällen ist dies in Österreich die AUVA.

Wer muss oder kann melden?

Die Meldung muss durch behandelnde Ärzte, Arbeitsmediziner und/oder Dienstgeber erfolgen. Die Versicherten können auch selbst melden.

Was ist ein begründeter Verdacht?

Ein begründeter Verdacht liegt jedenfalls dann vor, wenn ein Versicherter in einem der im Gesetz genannten Bereiche tätig und dabei im Zeitraum vor der Erkrankung in unmittelbarem Kontakt mit Infizierten oder Erkrankten war. Auch eine Ansteckung bei erkrankten Mitarbeitern fällt unter den Versicherungsschutz. Weiters muss die Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen sein. Die Meldung als BK-Verdacht soll auch dann erfolgen, wenn die Erkrankung einen milden Verlauf genommen hat, keine ärztliche Behandlungsbedürftigkeit bestand und der Versicherte folgenlos gesundet ist. Diese Anerkennung dem Grunde nach ist für eventuell später auftretende Krankheitsfolgen wichtig, wovon später noch berichtet wird.

Wie erfolgt die Anerkennung?

Voraussetzung dafür, dass die Covid-19-Erkrankung als BK 38 anerkannt werden kann, ist die überwiegende Wahrscheinlichkeit einer beruflichen Ansteckung. Speziell in Zeiten einer Pandemie mit weiter Verbreitung des Erregers ist die Abgrenzung von beruflichen und privaten Risiken oft sehr schwierig.

Wann besteht ein Anspruch auf Leistungen?

Man kann davon ausgehen, dass in bestimmten Bereichen eine besonders hohe Gefährdung besteht. Dazu zählen unter anderem Abteilungen von Krankenhäusern, in denen Patienten mit ­Covid-19-Infektionen behandelt werden, intensivmedizinische Einheiten mit Covid-19-Patienten, Rettungsdienste und Pflege oder vergleichbare Tätigkeit in Altenwohn- und Pflegeheimen mit unmittelbarem Patientenkontakt, wenn in diesem Zeitraum Bewohner an Covid-19 erkrankt waren.
Bei allen übrigen Fällen muss ein Kontakt zu mindestens einer benennbaren Infektionsquelle vorgelegen haben und die Übertragung nach Art des Kontaktes konkret möglich gewesen sein. Gegen das berufliche Infektionsrisiko abgewogen wird dabei auch die Wahrscheinlichkeit einer privaten Ansteckung.
Sobald berufliche Ansteckung und die durchgemachte Erkrankung an Covid-19 gesichert sind, besteht für die Betroffenen Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung.
Ganz im Vordergrund steht dabei die medizinische Rehabilitation. Diese umfasst im stationären Bereich einerseits Anschlussheilverfahren nach schweren Verläufen, insbesondere aber auch individuell zusammengestellte, gezielte Rehabilitationsprogramme bei länger andauernden oder nach einer Phase der Besserung neu auftretenden Beschwerden, die unter dem Begriff Post-Covid-Syndrom zusammengefasst werden.

Herausforderungen an die Rehabilitation

Aus der großen Bandbreite der gesundheitlichen Probleme von Post-Covid-Patienten ergeben sich auch die Herausforderungen an die Rehabilitation. Während die Gruppe der Patienten nach schweren Verläufen mit Pneumonien, insbesondere auch nach Intensivbehandlung von einem körperlichen Aufbautraining mit (Atem-)Physiotherapie/Atemmuskeltraining, Kraft- und Ausdauertraining besonders profitiert, kann forciertes Training bei Betroffenen mit den typischen Erschöpfungssymptomen zu einer Verschlechterung führen. Hier gilt es, seitens der Ergotherapie gemeinsam mit den Patienten auch an Strategien zu arbeiten, Tagesrhythmen besser zu gestalten, gezielte Pausen zu planen und entspannende Freizeitaktivitäten kennenzulernen. Leichtes körperliches Training muss gut dosiert werden, dies ist gerade für Menschen mit starker Leistungsorientierung ein schwieriger Lernprozess. Psychologische Betreuung und Unterstützung sind wichtige Bausteine in der Rehabilitation von Post-Covid-Patienten.

Bei Riechstörungen, die leider oft monatelang anhalten können, gibt es ein eigens konzipiertes Riechtraining, das auch zu Hause weitergeführt werden kann.
Dieses umfassende Angebot bietet innerhalb der AUVA die Rehabilitationsklinik Tobelbad mit der Abteilung für Berufskrankheiten und Arbeitsmedizin. Sobald die Anerkennungsvoraussetzungen für das Vorliegen einer BK38 gegeben sind, können Versicherte mit schwerer anhaltender Symptomatik hier untersucht und zu drei- bis vierwöchigen stationären Rehabilitationsaufenthalten aufgenommen werden.

Neben den schon genannten Möglichkeiten wird eine Sozial- und Reha-Beratung angeboten. Gerade Beschäftigte in Gesundheitsberufen, die in ihrer Tätigkeit besonders gefordert sind, können bei schweren anhaltenden Symptomen ihre Arbeit oft kaum mehr bewältigen, dies führt zu vermehrten Krankenständen und im schlimmsten Fall zur Kündigung. Das wiederum verstärkt häufig den Leidenszustand und die psychische Belastung. Hier wird im Bedarfsfall versucht, gemeinsam mit den Betroffenen unter Einbindung der Dienstgeber Lösungen zu finden, um den Wiedereinstieg zu unterstützen.

Bisher wurden in der AUVA-Rehabilitationsklinik Tobelbad bereits an die hundert Betroffene stationär untersucht oder im Rahmen von Reha-Aufenthalten betreut. Mit Begleitung durch ein multiprofessionelles Team wird so ein wichtiger Beitrag der AUVA zur Unterstützung von Patienten mit der Berufskrankheit Covid-19 geleistet. (bm)

Was ist ein Post-Covid-Syndrom?

Von einem Post-Covid-Syndrom spricht man bei Langzeitfolgen der Erkrankung ab einem Zeitraum von mehr als zwölf Wochen nach der akuten Infektion. Dieses zuvor nicht bekannte Krankheitsbild, auch als Long-Covid bezeichnet, umfasst eine Vielzahl von unterschiedlich ausgeprägten Symptomen. Die Ursache ist bisher nicht eindeutig geklärt.
Sehr häufig sind Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Atemnot (oft ohne messbare Einschränkung der Lungenfunktion), verminderte Belastbarkeit, aber auch Schwindelzustände, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen („Brain Fog“), Schlafstörungen und – besonders beeinträchtigend – das postinfektiöse Fatigue-Syndrom, ein Gefühl anhaltender Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Darüber hinaus können Herzrhythmusstörungen und Kreislaufstörungen bis zu Kollapszuständen auftreten.
Bemerkenswert ist, dass Long-­Covid-Symptome auch nach relativ milden bis fast symptomlosen Verläufen auftreten können, was die Wichtigkeit unterstreicht, jeden begründeten BK-Verdachtsfall zu melden.

Info & Kontakt

Prim. Dr. Barbara Machan
Ärztliche Leitung der Abteilung für Berufskrankheiten und Arbeitsmedizin, Rehabilitationsklinik Tobelbad
www.auva.at

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© Nuthawut Somsuk/iStock