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COVID-19 aus Sicht der Statistik

Bald könnten es 20.000 Corona-Fälle sein, die den österreichischen Unfallversicherungs­trägern seit Pandemiebeginn als Berufskrankheit gemeldet wurden.

2021 machen die Infektionskrankheiten damit mehr als 90 Prozent aller anerkannten Berufskrankheiten bei der AUVA aus und verändern die Entwicklung ausgesprochen deutlich (vgl. Abb. 1).

Dass COVID-19 als Berufskrankheit anerkannt werden kann, war gar nicht von Anfang an klar, europaweit wird das mittlerweile von 18 Ländern so gehandhabt. Drei Mitgliedsstaaten der EU wiederum sehen zwar auch einen möglichen beruflichen Ursprung, allerdings werden die Fälle dort ausschließlich als Arbeitsunfälle gezählt. Belgien, Dänemark, Deutschland und Finnland wiederum lassen – genau wie Österreich – beides zu. Bei uns hat sich allerdings gezeigt, dass die Zahl der COVID-Erkrankungen, die wir als Arbeitsunfall einstufen, im Vergleich zu den Berufskrankheiten verschwindend gering ist.

Die Zahl der Meldungen hat sich insbesondere im ersten Quartal 2021 sehr gesteigert (vgl. Abb. 2). Im Februar 2021 wurden bei allen Unfallversicherungsträgern in Österreich über
4.600 neue Fälle angelegt. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich gegen Jahresende noch nicht ab – vielleicht weil die erschreckend hohen Novemberzahlen eher nicht mehr auf Mitarbeiter:innen im Gesundheits- oder Bildungswesen zurückzuführen sind.

Infektionskrankheiten werden nämlich nur dann als Berufskrankheit anerkannt, wenn das Risiko der Betroffenen höher als das der Gesamtbevölkerung ist. Schon im Dezember 2020 wurde für viele Berufsgruppen eine Impfpflicht empfohlen und von vielen Spitalserhaltern auch de facto umgesetzt. Eine tatsächliche Impfpflicht für das gesamte Personal im Gesundheitswesen wurde allerdings erst in einzelnen Bundesländern Realität und wird wohl generell durch die allgemeine Impfpflicht ab 14 Jahren obsolet werden.

Bei rund einem Viertel der als Berufskrankheit gemeldeten Fälle traten und treten Long-COVID-Symptome auf, zehn Prozent werden als schwerwiegend eingestuft. Im AUVA-Rehabilitationszentrum Tobelbad wurden bisher 7.000 Fälle vidiert (vgl. Abb. 3) – und auch an diesen Fällen sieht man, dass sich in jeder Altersgruppe Long-COVID-Fälle finden.
Abgesehen von den am häufigsten vorkommenden Geruchs- und Geschmacksstörungen leiden die Patienten:Patientinnen fast genauso häufig an Müdigkeit, Kopfschmerzen und/oder Kurzatmigkeit. Gliederschmerzen, Husten, Depressionen und eine Fülle anderer Symptome erweitern die Palette der Beschwerden.

Bei den gemeldeten Fällen liegt der Frauenanteil bei über 75 Prozent, die vier bisher von der AUVA anerkannten kausal tödlich verlaufenen Fälle waren allerdings Männer. Dass Pflege weiblich ist, sieht man natürlich auch an der Aufteilung nach Berufsgruppen (vgl. Tab 1), rund die Hälfte aller Meldungen kommt von Frauen in Gesundheitsberufen. 

Abb. 1: Entwicklung anerkannte Berufskrankheiten ab 2010, AUVA
Abb. 1: Entwicklung anerkannte Berufskrankheiten ab 2010, AUVA
Abb. 2: Verlauf der COVID-Meldungen in der AUVA, Anteil der Long-COVID-Fälle
Abb. 2: Verlauf der COVID-Meldungen in der AUVA, Anteil der Long-COVID-Fälle
Abb. 3: Vidierte COVID-Fälle nach Alter und Krankheitsstatus
Abb. 3: Vidierte COVID-Fälle nach Alter und Krankheitsstatus
Tab 1: Bei der AUVA gemeldete COVID-19-Fälle (Stand 06.12.2021)
Tab 1: Bei der AUVA gemeldete COVID-19-Fälle (Stand 6. 12. 2021)