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Damit Handarbeit nicht zur Last wird

Schwere Lasten zu heben und zu tragen, gehört bei der Arbeit in einer Konditorei zum Alltag. Bei der „Melange Konditorei Neumeister“ hat der Chef persönlich an der Entwicklung und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen Hand angelegt.

Die „Melange Konditorei Neumeister“ besteht seit über 50 Jahren mit Sitz im Zentrum von Tragwein in Oberösterreich. Das mittelständische, familiengeführte Unternehmen ist auf die Herstellung von Kirtagswaren, speziell auf Schaumrollen, Kokoskuppeln, Kokosbusserln und Linzerkipferln, in höchster Qualität spezialisiert. Die Rohstoffe kommen aus der Region, produziert wird für Marktfahrer:innen, Händler:innen und Konditoren:Konditorinnen. Das beliebteste und meistverkaufte Produkt aus dem Hause Neumeister ist die Butterschaumrolle.

Auszeichnung für Präventionsmaßnahmen

Was diesen Betrieb besonders auszeichnet, ist eine laufende Evaluierung der aktuellen Arbeitssituationen und die Umsetzung von Maßnahmen, um die körperliche Arbeit leichter zu gestalten. Aus diesem Grund wurde der Betrieb im vergangenen Jahr mit der Goldenen Securitas, einem Preis, den die AUVA und Wirtschaftskammer Österreich alle zwei Jahre für besondere Präventionsmaßnahmen zum Sicherheits- und Gesundheitsschutz verleihen, in der Kategorie „Sicher und gesund arbeiten“ ausgezeichnet.
Der Geschäftsführer der Konditorei, Ing. Georg Prager, hat den Betrieb als Quereinsteiger vor vier Jahren übernommen und arbeitet mit großem Engagement und Leidenschaft in und vor allem an seinem Betrieb. Ihm ist es ein großes Anliegen, sich und seinen über 15 Mitarbeitern:Mitarbeiterinnen trotz der sehr beengten Arbeitsverhältnisse die körperliche Arbeit leichter zu gestalten und somit mehr Freude bei der täglichen Arbeit zu haben. Die umgesetzten Maßnahmen sollen die täglich zu verrichteten Arbeiten wie Heben oder Tragen erheblich erleichtern. „Die körperliche Arbeit soll nicht unnötig anstrengend gestaltet werden und die vielen Wege in der Backstube sollen kurz gehalten werden“, sagt Prager. Daher entwickelte der Chef persönlich, zusammen mit seinen Mitarbeitenden, eine Reihe von Präventionsmaßnahmen.

Maßnahme 1: Der Kessellift

Die Konditorei Neumeister erzeugt im Jahr circa zwölf Tonnen Kokosbusserln. Diese werden mit einer Dressiermaschine auf Bleche dressiert. Die Befüllung der Maschine erfolgte früher händisch. Dazu war es nötig, die schwere Makronenmasse in einem Edelstahlkessel hochzuheben und händisch in den Trichter der Dressiermaschine zu kippen. Um diese Arbeit zu erleichtern, hat Prager einen Deckenkran mit einer Hebekippvorrichtung entwickelt und in der Backstube installiert. So kann der Kessel nun direkt auf die Höhe des Trichters mittels Hebekrans angehoben werden. Dieser Arbeitsvorgang kann von den Mitarbeitenden nun mühelos und rückenschonend erledigt werden. Der Kessellift steigert nicht nur die Effizienz im Betrieb, sondern ist auch ein hervorragendes Beispiel für eine kostengünstige Präventionsmaßnahme zur Vermeidung von Muskel- und Skeletterkrankungen. Seit Einführung des Kessellifts wurden mehr als 20 Tonnen an Hebetätigkeit für die Mitarbeiter:innen eingespart.

Maßnahme 2: Wagen für Bretter und Bleche

Die Konditorei Neumeister erzeugt im Jahr circa 20 Tonnen Blätterteig. Dieser wird nach traditioneller Rezeptur im Betrieb von Hand hergestellt. Der Teig wird händisch touriert und danach zum Rasten auf Bretter gelegt. Wurden früher Bretter mit zwei Blätterteigportionen von über 18 Kilo in den Kühlraum getragen und in Regale geschlichtet, werden nun die Bretter halbiert und damit das zu hebende Gewicht auf 9 kg reduziert. Außerdem wurde ein Regalwagen für den Transport der Bretter angeschafft. Somit kann nun ein Mitarbeitender den Teig mit Brett im Wagen verstauen und den fertig befüllten Wagen in den Kühlraum fahren.
Die großen Holzbretter mit einem Gewicht von je 2,5 kg wurden auch für die Zwischenlagerung von frisch getunkten Schaumrollen verwendet. Diese wurden nun durch leichtere Alubleche von je 1,5 kg ersetzt. In Summe ist das eine sehr effektive Maßnahme, um die Herstellung und den Transport ergonomisch zu erleichtern und den Rücken zu schonen. Durch die Einführung dieser Präventionsmaßnahme konnten 80 Tonnen Hebetätigkeit eingespart werden.

Maßnahme 3: Spezielle transport­able Laderampe für Lkw

90 Prozent der produzierten Waren werden an Marktfahrer:innen in der Region Salzburg und Oberösterreich mit dem eigenen Lkw ausgeliefert. Durch die beengte Lage im Betrieb war es nicht möglich eine Lkw-Rampe fix zu installieren. Die fertig verpackten Schaumwaren werden in Kisten verpackt und auf Rollwagen gestellt. Diese Wagen wurden früher zum Lkw geschoben und per Hand verladen. Durch den Bau einer mobilen Laderampe kann nun der Wagen mit Kisten – ohne die Ware nochmals zu manipulieren – direkt in den Lkw verladen werden. Mit dieser Maßnahme wurde die Hebetätigkeit um 50 Prozent reduziert, da die Ware nicht mehr doppelt manövriert werden muss. (as)

Abbildung zu Maßnahme 2: Mitarbeiterin schiebt Bleche mit Teig auf einen Wagen.
Maßnahme 2: Wagen für Bretter und Bleche
© Dobrovits/DoPro.at