Direkt zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen Jump to sub navigation

Die Generation Z ist bereit für Generationenvielfalt am Arbeitsplatz

Junge Talente möchten durch den Austausch mit Älteren lernen und wachsen. Baby Boomer und die Generation X öffnen sich mehr und mehr der Digitalisierung.

An vielen Arbeitsplätzen treffen Generationen aufeinander. Jede Altersklasse bringt ihre eigene Einstellung zum Job und zum Leben, unterschiedliche Wertvorstellungen und Erfahrungen oder auch einen anderen Umgang mit digitalen Technologien mit. Das birgt Chancen und Risiken zugleich. Ziel sollte es daher sein, gemeinsam mit den unterschiedlichen Generationen Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein effizientes Miteinander ermöglichen.
Kürzlich berichtete mir ein Freund von seinem neuen Job in einem Großbetrieb der Metallindustrie. Grundsätzlich sei er zufrieden, doch er sei der Jüngste in seinem Team: „Von einigen älteren Kollegen fühle ich mich nicht als vollwertiges Teammitglied ernst genommen. Das ärgert mich.“ So ähnlich ergeht es auch anderen Berufseinsteigern und jungen Mitarbeitenden. Dabei wünschen sich Nachwuchskräfte eine Führung auf Augenhöhe und eine transparente Kommunikation, so der aktuelle Future Talents Report.1 Die Studie der Unternehmensberatung Clevis befragt jedes Jahr mehrere Tausend Praktikanten und Werkstudenten und ist seit Jahren die größte Befragung dieser Art.

Mehr-Generationen-Teams findet man vor allem in Großunternehmen und Branchen, die ein Bedürfnis nach Seniorität und Erfahrung haben. Aber auch in Sparten mit einer niedrigen Fluktuation wie in der öffentlichen Verwaltung, im Sozialwesen, in der Metall- und Elektroindustrie oder auch in Bergbau, Energie- und Wasserversorgung prägen generationsübergreifende Teams die Personalstruktur. In Start-ups hingegen sind Mitarbeitende oft jünger und arbeiten verstärkt in altershomogenen Gruppen.

Was zeichnet die verschiedenen Generationen am Arbeitsplatz aus?

Einige Unternehmen beschäftigen bis zu vier Generationen gleichzeitig. Dabei ist jede Altersgruppe geprägt von den Ereignissen ihrer Zeit. Diese beeinflussen ihre Einstellungen und Werte. Auch wenn sich die verschiedenen Altersklassen nicht strikt nach Geburtenjahrgängen klassifizieren lassen, so gibt es doch bestimmte Hauptmerkmale, durch die sich die Generationen am Arbeitsplatz voneinander unterscheiden. Vor allem was die Internetnutzung und den Umgang mit Technik betrifft, haben Digital Immigrants und Digital Natives sehr unterschiedliche Voraussetzungen. Verallgemeinert und plakativ gesprochen, können die unterschiedlichen Altersgruppierungen folgendermaßen umschrieben werden (siehe unten).

Jede Generation eine Bereicherung

Grundsätzlich profitieren alle Teams von Vielfalt. Das gilt auch für die Generationenvielfalt. Sie ist eine wertvolle Ressource für Unternehmen. Von den Baby Boomern über die Generation X, die Generation Y bis zur jüngsten Generation Z hat jede Altersgruppe ihre speziellen Erfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten. Jede Altersgruppe hat ihre eigene Sicht auf den Markt, auf die technischen Möglichkeiten, auf Innovationen. Wenn es beispielsweise um Strategien zur Lösung eines spezifischen Problems geht, bringen Menschen verschiedenen Alters sehr unterschiedliche Perspektiven ein. Das kann sehr hilfreich sein, um einen bestmöglichen Umgang zu finden.
Erfahrene Führungs- und Fachkräfte sind ein wahrer Schatz für Unternehmen. Sie können durch ihre Berufs- und Lebenserfahrung einem Team Stabilität und Sicherheit geben. Erfahrene wissen viele Dinge gut einzuschätzen, kennen die Entscheidungswege und können daher in unterschiedlichen Situationen den Überblick und Ruhe bewahren. Die Baby Boomer und Generation X sind zudem aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit meistens gut vernetzt und haben viele Kontakte. Dies kann sehr nützlich sein, wenn es darum geht, Türen für neue Projekte zu öffnen. Ältere können aber auch Mentoren sein und jüngere Kollegen ausbilden. Junge Menschen, die von einem erfahreneren Mitarbeitenden betreut werden, sind häufig produktiver und zufriedener und durchlaufen eine schnellere berufliche Entwicklung.  
Ebenso bringen die jüngeren Generationen viele wertvolle Eigenschaften mit, die für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens sehr wichtig sind. Sie sind noch hungrig und enthusiastisch, wenn es darum geht, die anstehenden Aufgaben zu bewältigen. Nachwuchskräfte sind frisch ausgebildet und bringen neustes Fachwissen mit. Ihr Blick auf fachliche Themen ist noch unbefangen. Sie stellen oft andere Fragen und denken unkonventioneller. Ihre Affinität zu digitalen Technologien eröffnet zudem neue Perspektiven für Wertschöpfung, zum Beispiel im Social-Media-Marketing. Kurz: Wenn die verschiedenen Generationen konstruktiv im Team zusammenarbeiten, ergänzen sich ihre Fähigkeiten – vorausgesetzt, alle Mitarbeitenden sind offen und bereit dafür.

Mehr-Generationen-Teams nutzen Chancen

Damit generationsübergreifendes Ar­­beiten gelingen kann, braucht es eine Unternehmenskultur der Wertschätzung und des Respektes. Dies gilt sowohl für die langjährige Erfahrung der älteren Mitarbeitenden als auch das neue Wissen, das junge Kollegen mitbringen. Grundsätzlich scheint diese Kultur in vielen Unternehmen gelebt zu werden. Im Future Talents Report bewerten die jungen Talente den Umgang mit älteren Teammitgliedern überwiegend als sehr gut. Durchschnittlich wird diese Frage auf einer Skala von 1 bis 5 mit einer Zustimmung von 4,6 beantwortet. Allerdings sehen sie auch Verbesserungspotenzial. So haben die befragten Praktikanten eine Reihe an Vorschlägen, was sie anstelle ihres Vorgesetzten anders machen würden. Obwohl die Kommunikation im Unternehmen mit einem Wert von 3,9 als zufriedenstellend bewertet wurde2 und die Unternehmen bei der Kommunikation mit den zukünftigen Talenten bereits einen guten Job machen, wurde der Wunsch nach noch mehr Kommunikation und Feedback geäußert. Die Befragten würden gerne mit ihren Führungskräften in einem regelmäßigen Austausch stehen, um durch ihr Feedback weiter zu lernen und an deren Input und Expertise zu wachsen. Die jungen Talente sind bereit, die Generationsvielfalt im Unternehmen zu leben und die sich daraus ergebenden Chancen durch eine intensive Kommunikation zu nutzen.

Umgang mit der Digitalisierung

Eine der größten Herausforderungen im generationsübergreifenden Miteinander ist vermutlich der technische Wandel und der unterschiedliche Umgang mit der Digitalisierung. Daher ist es für ein gutes Miteinander und eine effektive Zusammenarbeit hilfreich, wenn ältere Generationen dem Bedürfnis der Future Talents entgegenkommen, vieles künftig digital abzubilden. Im Future Talents Report wurde ersichtlich, dass bereits zwei Drittel der jungen Talente bestätigten, dass sie bei ihrer Führungskraft eine Bereitschaft zu mehr Digitalisierung wahrnehmen. Das ist ein wichtiger Hinweis, dass auch die älteren Altersgruppen bereit sind, von den Jüngeren zu lernen, und dass die generationsübergreifende Zusammenarbeit auch hinsichtlich wichtiger Digitalisierungsbereiche erfolgreich sein kann.

Generationen managen

Nicht immer ist die Zusammenarbeit zwischen den Generationen leicht. Altersgemischte Teams brauchen vor allem eine individuelle und situative Führung. Es gilt, die unterschiedlichen Stärken von Jungen und Alten zu fördern und zu nutzen. Dazu gehört es auch, sein Handeln nicht auf altersbezogenen Stereotypen zu bauen. Es gibt beispielsweise viele ältere Menschen, die besser mit digitalen Technologien umgehen können als ihre jüngeren Kollegen. Ebenso sollte man nicht davon ausgehen, dass Berufsanfänger überhaupt nichts wissen. Es ist wichtig, mit den Mitarbeitenden auf Augenhöhe zu bleiben und ihnen Respekt entgegenzubringen. Jedes Teammitglied sollte spüren, dass seine Erfahrung, sein Fachwissen und seine Leistung wichtig für das Team und das Unternehmen sind. Sich ganz offen die Unterstützung der Erfahrenen einzuholen, kann die wahrgenommene generationsbedingte Distanz verkleinern und das Klima im Team verbessern. 

Zur Autorin

Janine Zimmermann ist stellvertretende Studienleiterin des Clevis Future Talents Reports und Expertin in Sachen Nachwuchsbindung und -förderung. Seit mehr als zehn Jahren berät die Clevis GmbH Unternehmen in Fragen der Digitalisierung von HR, HR Strategie und Business Transformation.
www.clevis.de

1    https://www.clevis.de/FutureTalentsReport/­Future_Talents_Report_2021.pdf
2    https://www.clevis.de/FutureTalentsReport/Future_Talents_Report_2021.pdf, S. 14.

„Ich empfinde die Bereitschaft für Digitalisierung bei meiner Führungskraft als sehr hoch.“

68 % ja
32 % nein

Anzahl der Zustimmung: 2180
Anzahl der Ablehnung: 1016

Who is who?

Baby Boomer (geboren ca. 1946 – 1964)

  • arbeiten hart für ihren Erfolg und identifizieren sich stark mit ihrem Job.
  • können auch mit einem autoritären Führungsstil umgehen.
  • sind loyal und sehr zuverlässig.
  • haben den Umgang mit der Digitalisierung und den neuen Technologien erst im Erwachsenenalter kennengelernt und sind darin nicht so sicher wie jüngere Kollegen.

Die Generation X (geboren ca. 1965 – 1979)

  • ist ambitioniert, zielstrebig und ergebnisorientiert.
  • arbeitet, um sich etwas leisten zu können.
  • Der Job ist Mittel zum Zweck.
  • legt Wert darauf, Arbeits- und Privatleben
  • in Einklang zu bringen.
  • ist bereit, Macht und Verantwortung zu teilen.
  • ist technisch versiert.

Die Generation Y (geboren ca. 1980 – 1995)

  • wird auch als alles hinterfragende Generation bezeichnet. Das „Y“ wird im Englischen wie das Fragewort „why“ ausgesprochen und heißt übersetzt im Deutschen „warum“.
  • ist flexibel und anpassungsbereit und schätzt
  • Veränderung und Innovation.
  • arbeitet am liebsten in Teams und flachen Hierarchien.
  • sucht in der Arbeit Sinn und Spaß.
  • legt Wert auf Selbstverwirklichung und Freiraum für Privates und engagiert sich auch in eigenen Projekten.
  • ist mit den neusten Technologien aufgewachsen und hat diese von klein auf erlernt.

Die Generation Z (geboren ca. 1996 – 2010)

  • ist an einen hohen Lebensstandard gewohnt.
  • ist sich ihrer unsicheren Zukunft bewusst.
  • wünscht klare und sichere Strukturen.
  • ist stark auf ihre eigenen persönlichen Ziele fokussiert
  • und dadurch finden sich in ihr viele Individualisten und Einzelkämpfer wieder.
  • verwirklicht sich in der Freizeit und im sozialen Umfeld.
  • hat die Digitalisierung komplett in ihr Leben integriert.

3 Tipps für das Führen von generationsübergreifenden Teams

  • Pflegen Sie die Kommunikation und einen intensiven Austausch mit Ihrem Team
  • Leben Sie eine Kultur der Wertschätzung
  • Erkennen und berücksichtigen
  • Sie die Individualität eines jeden Mitarbeitenden
07-jacoblund_iStock-1030429296.jpg
© jacoblund/iStock