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EU-OSHA-Kampagne: Chancen und Risiken der Digitalisierung

Die Auswirkungen neuer digitaler Technologien auf die ­Arbeit insgesamt und einzelne Arbeitsplätze sind vielfältig. Sie können die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit unterstützen, aber auch vor neue Herausforderungen stellen.

Die EU-OSHA-Kampagne „Sicher und gesund arbeiten in Zeiten der Digitalisierung“, die von 2023 bis 2025 läuft, will das Bewusstsein für Chancen und Risiken in Zusammenhang mit dem Einsatz digitaler Technologien bei der Arbeit schärfen. Neue Gefahren sollen frühzeitig erkannt und geeignete Präventionsmaßnahmen gesetzt werden. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung, die in Kooperation der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA), des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) und der AUVA durchgeführt wurde, haben Experten:Expertinnen die Möglichkeiten der Digitalisierung identifiziert und Verbesserungen von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit diskutiert. Im Mittelpunkt der Kampagne stehen fünf Schwerpunkte: mobiles und hybrides Arbeiten, intelligente digitale Systeme, Arbeit auf digitalen Plattformen, die Automatisierung von Aufgaben sowie das Personalmanagement mithilfe künstlicher Intelligenz.

Wettbewerb für praktische ­Lösungen

„Der digitale Wandel hat Unternehmen und Beschäftigten viele Erleichterungen und Entlastungen gebracht, das reicht von maßgeschneiderter Software über maschinelles Lernen bis zum ortsflexiblen Arbeiten. Datenanalysen ermöglichen es, Risiken und Gefahren bei der Arbeit besser einzuschätzen, andererseits kommen aber auch neue Risiken und Gefahren auf die Unternehmen und die Beschäftigten zu“, sagt Mag. Dr. Martin Kocher, Bundesminister für Arbeit und Wirtschaft. Mangelnde Abgrenzung und Erholung, ständige Erreichbarkeit, Informationsüberlastung, Arbeitsverdichtung und verstärkter Zeitdruck sind nur einige Bespiele, die der Minister dazu nennt. Parallel zur Kampagne startet ein EU-weiter Wettbewerb für gute praktische Lösungen: „Wir haben viele innovative Betriebe im Land, ich fordere sie alle auf, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen und ihren Beitrag für eine Anpassung an die veränderten Arbeitsbedingungen vor den Vorhang zu holen“, sagt Kocher.

Auch Mag. Roland Pichler, Generaldirektor-Stellvertreter der AUVA, betont, dass es der rasante Wandel des Themas dringend erforderlich macht, am Ball zu bleiben: „Wann und wo wir arbeiten, ist die eine Seite, aber es geht auch darum, wie wir arbeiten. Gesundheitliche Risiken in der Belegschaft führen rasch auch dazu, dass die Produktivität der Betriebe sinkt. Daher braucht es laufende Analysen und Bedarfserhebungen. Die Kampagne wird uns in der Kommunikation bestens unterstützen.“ Die AUVA startet im Juni 2024 eine Kampagne zum Thema Digitalisierung, die an die EU-OSHA-Kampagne anknüpft.

Kampagnen­material verfügbar

Dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt für das Engagement der EU-OSHA ist, betont auch Mag.a Martina Häckel-­Bucher von der Abteilung Internationaler technischer Arbeitsschutz im BMAW: „Es gibt viele Ängste und Verunsicherung. Wir können das Thema jetzt zwei Jahre lang gut bearbeiten.“ Ausgangspunkt für die Aktivitäten ist Bilbao, der Sitz von EU-OSHA. Alle EU-Betritts- und Kandidatenländer sowie europäische Sozial- und Medienpartner sind aufgefordert, in ihrem Land für eine Umsetzung der fünf Themenbereiche zu sorgen. „Gemeinsames Ziel ist die Erweiterung von Wissen zur Digitalisierung, der Informationsaustausch über Landesgrenzen hinweg und die Aufklärung über Chancen und Risiken. Kernelement bildet die Kampagnenwebseite mit einer Sammlung umfassender Unterlagen, wie Filme, Fallstudien, Rechtsvorschriften oder Folder und Broschüren.

Gleichstellung und Homeoffice

Soziologin Mag.a Nadja Bergmann von L & R Sozialforschung wirft nach der Evaluierung des Homeoffice-Maßnahmenpaketes einen intensiven Blick auf die Frage der Gleichstellung. Sie hat 1.500 Beschäftigte und mehr als 500 Betriebe befragt und kam zu spannenden Ergebnissen: „Der Bildungshintergrund hat neben der Branche einen maßgeblichen Einfluss auf die Nutzung von Homeoffice-Angeboten.“ Das Gesundheits- und Sozialwesen, traditionell frauendominiert, bietet vergleichsweise wenige Möglichkeiten für Arbeit von zu Hause aus. Klare Regelungen und Betriebsvereinbarungen sollen im Fall von Arbeitsunfällen Rechtssicherheit bieten. „Hier zeigt sich, dass größere Betriebe deutlich umfangreichere Regelungen haben. Je kleiner der Betrieb, und auch hier arbeiten überwiegend mehr Frauen, desto häufiger sind es einzelne Vereinbarungen“, gibt Bergmann Einblick in die Gleichstellungsdimension. Dank der Pandemie ist es zu einer gewissen Demokratisierung von Homeoffice gekommen, es wird längst nicht mehr als „Privileg“ wahrgenommen.

Fragen der Ergonomie und die von Unternehmen zur Verfügung gestellten Arbeitsmittel sind nach wie vor zentrale Diskussionspunkte. Häufig haben Männer im Homeoffice ein Arbeitszimmer, Frauen hingegen bleibt oft der Küchentisch als Arbeitsplatz und schließlich werden Kinderbetreuungspflichten oder Pflegezeiten häufig eher von Frauen mit der Arbeit von zu Hause aus verknüpft. „Ich wünsche mir, dass wir mit der EU-Kampagne auch das Gleichstellungsthema in den Fokus rücken können“, so Bergmann.

Gemeinsam zum Erfolg

Der Appell der Experten:Expertinnen, der Vertreter:innen der Sozialpartner und der zahlreichen Gäste lautet einhellig: Bei aller Digitalisierung darf der Faktor „Mensch“ nicht auf der Strecke bleiben, sei es durch die Förderung von Aus- und Weiterbildung, Mitbestimmung oder attraktive Arbeitsplätze. Offenheit für die Chancen und Risiken ist dabei ebenso erforderlich wie laufender Informationsaustausch und Wissenstransfer. Rechtliche Regulierungen, ein Datenaustausch über Organisationsgrenzen hinweg, die Technologiefolgenabschätzung und ethische Fragen werden künftig im Fokus sein müssen. „Um diese vielen Aspekte aufzunehmen, haben wir einen ,digital Hub‘ in der AUVA gegründet, eine Drehscheibe zum fachlichen Austausch vieler Disziplinen, die sich mit Gesundheit und Sicherheit auseinandersetzen“, sagt Arbeitssoziologin Dr.in Marie Jelenko, Leiterin der AUVA-Präventionskampagnen. Abschließend betonen auch Dr.in Anna Ritzberger-­Moser, Leiterin der Sektion Arbeitsrecht und Zentral-Arbeitsinspektorat, sowie DI Klaus Wittig von der AUVA den Stellenwert der Zusammenarbeit und setzen auf die EU-Kampagne als wichtige Drehscheibe für Information und Kommunikation. Die AUVA startet im Juni 2024 eine Kampagne zum Thema Digitalisierung, die an die EU-OSHA-Kampagne anknüpft. (rh)

Kernelement ist die Webseite der EU-OSHA Kampagne healthy-workplaces.eu/de

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