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Gesund im Homeoffice

Auch der Arbeitsplatz zu Hause muss ergonomischen Anforderungen entsprechen.

Monatelange Büroarbeit zu Hause, oft am Laptop, gleichzeitig mit dem Partner und mit Kindern, die beim Distance Learning unterstützt werden müssen – diese ­Corona-bedingte Ausnahmesituation hat mit dem „normalen“ Homeoffice wenig zu tun, wie Mag. Brigitte-Cornelia Eder, Ergonomin und Arbeitspsychologin in der AUVA-Hauptstelle, betont. Trotz nicht optimaler Bedingungen haben viele Beschäftigte während der Pandemie aber auch die Vorteile der beruflichen Arbeit in den eigenen vier Wänden entdeckt und können sich gut vorstellen, diese in Zukunft zumindest tageweise fortzusetzen.

Damit man sich dabei keine gesundheitlichen Probleme einhandelt, muss insbesondere auf die Ergonomie geachtet werden. „Derzeit haben viele Arbeitnehmer Beschwerden oder Schmerzen und wissen nicht so genau, worauf sie wirklich zurückzuführen sind“, spricht Eder die Auswirkungen improvisierter Arbeitsplätze zu Hause an. Unterstützung dabei, das Homeoffice ergonomisch günstig zu gestalten, bieten die AUVA und das Arbeitsinspektorat. Mehrere Gesetze, die durch das am 1. April 2021 in Kraft getretene Homeoffice-Paket ergänzt und geändert worden sind, nehmen aber auch den Arbeitgeber in die Pflicht.

Für Arbeitnehmer ist es wichtig zu wissen, welche Leistungen ihnen im Homeoffice rechtlich zustehen und was sie selbst für ihre Gesundheit tun können. Für die Vermittlung der dafür nötigen Informationen ist laut Eder der Arbeitgeber verantwortlich: „Wenn jemand im Homeoffice arbeitet, muss der Arbeitgeber die physischen und psychischen Faktoren evaluieren und eine neue Unterweisung durchführen. Sie sollte im Büro stattfinden.“ Zusätzliche Fragen können von zu Hause aus geklärt werden, etwa per Chat oder Videokonferenz mit Präventivfachkräften.

Richtig sitzen

Wer – wie es während der Lockdowns oft vorgekommen ist – mit dem Laptop am Couchtisch arbeitet, kann keine die Wirbelsäule schonende Sitzhaltung einnehmen. Der empfohlene rechte Winkel zwischen Ober- und Unterarm sowie zwischen Ober- und Unterschenkel und ein Sehabstand zum Bildschirm von einer Armlänge sind dabei unmöglich. „Der Arbeitgeber hat die digitalen Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen oder den digitalen Mehraufwand pauschal abzugelten“, erklärt Mag. Patricia Puhr, Juristin in der AUVA-Hauptstelle. Um eine ergonomisch günstige Arbeitsposition zu gewährleisten, müssen Tastatur und Bildschirm getrennte Einheiten sein. Die Verwendung eines Laptops mit einer externen Tastatur ist somit erlaubt.

Dazu verpflichtet, das Homeoffice der Mitarbeiter mit einem Arbeitstisch samt Sessel auszustatten, ist der Arbeitgeber nur dann, wenn es davor vertraglich vereinbart worden ist. Versorgt er seine Angestellten mit Büromöbeln für zu Hause, müssen diese allerdings den ergonomischen Anforderungen entsprechen. Deckt sich der Arbeitnehmer selbst mit dem erforderlichen Mobiliar ein, kann er diese Ausgaben bis zu einem Betrag von 300 Euro pro Jahr als Werbungskosten geltend machen.

Auch der ergonomisch günstigste Arbeitsplatz kann zu Belastungen des Bewegungsapparats und der Augen führen, wenn man stundenlang vor dem Computer sitzt. Die Bildschirmarbeitsverordnung sieht nach 50 Minuten ununterbrochener Bildschirmarbeit eine zehnminütige Pause oder eine andere Tätigkeit vor, was man auch im Homeoffice einhalten sollte. „Wichtig ist ein Haltungswechsel, man kann zum Beispiel im Stehen oder Gehen telefonieren. Stolperstellen sollte man davor entfernen“, empfiehlt Eder. Zu Hause sei der Arbeitnehmer selbst dafür verantwortlich, Pausen einzulegen und die tägliche Arbeitszeit nicht zu überschreiten. Die Führungskraft müsse Arbeitsaufträge erteilen, die das möglich machen, und auf die Einhaltung der Arbeitszeit achten.

Im Rahmen des AUVA-Präventionschwerpunkts 2021/22 „Packen wir’s an“, der an die Kampagne der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) „Gesunde Arbeitsplätze – Entlasten Dich!“ anknüpft, hat die AUVA leicht am Arbeitsplatz durchführbare Übungen im Merkblatt M 035 Bewegungsübungen für den beruflichen Alltag zusammengefasst. Wer stattdessen lieber eine Runde an der frischen Luft dreht, tut seinem Körper auch etwas

Gutes – unfallversichert ist er dabei aber nicht, warnt Puhr: „Pausen sind arbeitsrechtlich gesehen Freizeit. Unfallversichert ist man beispielsweise, wenn man zum nächsten Supermarkt geht, um sich eine Jause zu kaufen, oder wenn man sein Kind in eine Kinderbetreuungseinrichtung bringt.“

Licht und Luft

An das laut Eder größte ergonomische Problem im Homeoffice denken die meisten Arbeitnehmer gar nicht: an die richtige Beleuchtung. Selbst wenn man den Schreibtisch im rechten Winkel zur Fensterfläche aufstellt, um Blendung oder Reflexionen zu vermeiden, und die Deckenbeleuchtung einschaltet, reicht die Helligkeit für ein ermüdungsfreies, die Augen schonendes Arbeiten in der Regel nicht aus. Auch hier weiß Eder Rat: „Meist hilft das Aufstellen einer zusätzlichen Stehlampe mit direktem und indirektem Lichtanteil, die eine gleichmäßige, blendfreie Ausleuchtung bewirkt. Diese erkennt man daran, dass es keine Mehrfachschatten, sondern einen einzelnen verwaschenen Schatten gibt. Der Gesundheit zuliebe sollten mindestens 500 Lux Beleuchtungsstärke erreicht werden.“

Bei anderen die Ergonomie beeinflussenden Faktoren, die im Büro öfter Probleme bereiten, sieht es zu Hause besser aus – etwa beim Klima. Erfahrungsgemäß lüfte man in der Wohnung häufiger und sorge durch Heizen für eine angenehme Raumtemperatur, so Eder. Auch eine Belästigung durch Lärm sei in den eigenen vier Wänden kaum gegeben. Die Ergonomin empfiehlt, dass in derselben Wohnung lebende Personen abwechselnd im Homeoffice arbeiten, damit sie einander nicht stören.
Arbeitsplatzevaluierung

Mitmenschen werden bei der Arbeit aber nicht nur als Störfaktor, sondern auch als Bereicherung empfunden – und diese fehlt, wenn man allein im Homeoffice sitzt. Die psychischen Faktoren muss der Arbeitgeber ebenso wie die physischen in die Arbeitsplatzevaluierung einbeziehen, was auch für das Arbeiten zu Hause gilt. „Die Arbeitnehmer im Homeoffice sind der Arbeitsstätte zuzurechnen. In dieser müssen die für die Telearbeitsplätze relevanten Unterlagen – wie Arbeitszeitaufzeichnungen, Unterweisungsnachweise, Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumente – vorhanden sein. Das kann durch die Arbeitsinspektorate kontrolliert werden“, erklärt DI Ernst Piller, Leiter der Abteilung Technischer Arbeitnehmerschutz des Zentral-Arbeitsinspektorats.

„Beim Inhalt der Arbeitsplatzevaluierung werden die Arbeitsinspektorate ihr Augenmerk auf Belange der Ergonomie und der Arbeitsumgebung legen, aber auch auf psychische Belastungen, zum Beispiel Isolation durch fehlenden Kontakt zu Kollegen, Verwischung der Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben sowie auf die im Homeoffice oft beobachtete Arbeitsintensivierung“, so Piller. Arbeitsinspektoren haben zwar keinen Zutritt zu Privatwohnungen, allerdings können sich Arbeitnehmer an jedes Arbeitsinspektorat wenden, um sich beraten zu lassen.

Ergonomen dürfen Arbeitnehmer nur dann zu Hause besuchen, wenn diese es wünschen. Puhr betont, wie wichtig es ist, für das Homeoffice klare Regelungen zu schaffen. Das beginnt damit, dass das Homeoffice zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer schriftlich vereinbart werden muss. Schriftlich festhalten sollte man auch, welche Arbeitsmittel dem Arbeitnehmer zur Verfügung gestellt werden und wann er beruflich erreichbar sein muss. Die Bedingungen im Homeoffice müssen zumindest denen im Kollektivvertrag und in der Betriebsvereinbarung entsprechen. Selbst wenn bei der Arbeit zu Hause alles bestens läuft, können – etwa durch Übersiedlung – Veränderungen eintreten, die eine Beendigung des Homeoffice erforderlich machen; diese ist „aus wichtigen Gründen“ von Arbeitgeber- ebenso wie von Arbeitnehmerseite aus möglich. (rp)

Info & Kontakt

AUVA www.auva.at/mse
Arbeitsinspektion  www.arbeitsinspektion.gv.at/Arbeitsstaetten-_Arbeitsplaetze/Arbeitsplaetze/Telearbeitsplaetze-Home_Office.html

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© LuisPortugal/iStock