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Gute Haltung, gute Fahrt

Lange Autofahrten ­belasten Nacken, Schultern und Rücken. Vorbeugen kann man mit der richtigen Sitzeinstellung, die beim AUVA-Seminar „Sicher und gesund am Arbeitsplatz Pkw“ geübt wird.

Vielfahrer kennen das Problem: Nach stundenlangem Sitzen im Auto schmerzt der Rücken, Nacken und Schultern sind verspannt. Doch das muss nicht sein. Ein ergonomisch günstiger Sitz, der richtig eingestellt ist, sowie Bewegungs- und Dehnungsübungen helfen. Informationen und Tipps gibt es beim AUVA-Seminar „Sicher und gesund am Arbeitsplatz Pkw – Grundlagen, Technik und Praxis“. Dieses wird im Rahmen des aktuellen AUVA-Präventionsschwerpunkts „Packen wir‘s an!“ (www.auva.at/mse) zur Prävention von arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) um 50 Prozent reduziert angeboten.
„Wir haben das Seminar ausgearbeitet, weil es immer wieder Anfragen von Firmen zu Sicherheit und Gesundheit im Pkw gegeben hat“, erklärt Mag. Julia Lebersorg-Likar, Fachkundiges Organ Ergonomie. Sie leitet die Veranstaltung gemeinsam mit Peter Schwaighofer, BSc, Fachkundiges Organ Verkehr, beide von der Abteilung Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung in der AUVA-Hauptstelle. Das Seminar kann auch als Inhouse-Veranstaltung mit einer Dauer von drei Stunden bis zu einem ganzen Tag gebucht werden. Auf dem Programm stehen neben theoretischen Grundlagen auch praktische Übungen mit den Dienstfahrzeugen der teilnehmenden Mitarbeiter.

Good-Practice-Unternehmen EBP

Zu den Firmen, die dieses Angebot bereits genutzt haben, zählt die im Bau- und Projektmanagement tätige EBP GmbH aus Oberösterreich. Das Unternehmen hatte sich schon davor von der AUVA zum Thema Ergonomie bei Büroarbeitsplätzen beraten lassen und wollte auch zum Pkw als Arbeitsplatz Informationen der AUVA-Experten einholen. Neun der insgesamt 20 Mitarbeiter von EBP sind regelmäßig mit dem Auto unterwegs. „Wir haben Bauleiter, die rund 50 Prozent ihrer Arbeitszeit im Auto verbringen“, so Bmst. Ing. Jürgen Fleischanderl, Geschäftsführender Gesellschafter von EBP.
Die Erfahrung, dass ein ergonomisch nicht optimaler Sitz zu Rückenbeschwerden führen kann, hat Fleischanderl selbst gemacht und daraufhin sein Dienstfahrzeug entsprechend nachrüsten lassen. Der nächste Schritt war, auch bei seinen Mitarbeitern zu erheben, ob diesbezüglich Bedarf besteht – mit dem Ergebnis, dass ein neues Elektroauto mit einem Gesundheitssitz mit Massagefunktion bestellt wurde. Auch bei zukünftigen Neuanschaffungen wird das Unternehmen auf eine ergonomische Ausstattung achten.

Einstellen des Sitzes

Allerdings kann selbst der beste Sitz Probleme mit dem Bewegungs- und Stützapparat nicht verhindern, wenn er nicht richtig eingestellt ist. Beim Seminar „Sicher und gesund am Arbeitsplatz Pkw“ wird geübt, worauf man achten muss. „Der Fahrer sollte sich mit dem Sitz seines Fahrzeugs vertraut machen, darüber Bescheid wissen, ob er z. B. Seitenwangen oder eine Lordosenstütze hat und welche Einstellungen möglich sind“, rät Schwaighofer.
Wie man den Autositz richtig einstellt, ist anhand von Grafiken auf der AUVA-Infokarte „Car Board Card“ anschaulich dargestellt. In der Seitenablage des Autos verstaut, ist die Karte immer rasch zur Hand. „Beim Einstellen des Sitzes geht man Schritt für Schritt vor und beginnt mit dem richtigen Abstand des Sitzes zu den Pedalen“, beschreibt Lebersorg-Likar. Sitzt der Fahrer in der richtigen Position, sind Arme und Beine nicht ganz durchgestreckt.
Eine nach dem Einsteigen passende Einstellung ist nach einer längeren Fahrt meist nicht mehr optimal, weil der Körper langsam nach unten rutscht und sich dadurch z. B. die Lordosenstütze an der falschen Stelle befindet. Dann sollte man den Sitz nachjustieren – oder, besser noch, eine Pause einlegen. Auf der Rückseite der Infokarte finden sich Vorschläge für Bewegungs- und Dehnungsübungen, die man im Fahrzeug sitzend oder im Stehen durchführen kann.

Mehrere Belastungen

Warum stundenlang im Auto zu sitzen noch anstrengender ist als im Büro am Computer, hat mehrere Gründe. Der Fahrer nimmt eine Zwangshaltung ein, die sich während der Fahrt nicht z. B. durch eine andere Beinstellung verändern lässt. Darüber hinaus können die andauernde Fokussierung auf den Straßenverkehr und aggressives Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer Stress verursachen, der sich in Verspannungen äußert.

Schwaighofer weist auf eine weitere Herausforderung hin: „Bei Vielfahrern gibt es oft eine Kombination von langem Sitzen mit schwerem Heben und Tragen. Während der Fahrt wird der Körper lange Zeit hindurch nicht aktiviert und dann plötzlich relativ stark gefordert.“ Betroffen sind z. B. Vertreter, die Anschauungsmaterial mitführen, oder Servicemitarbeiter mit Werkzeugkisten. Beim Herausheben des Materials aus dem Kofferraum nimmt man meist eine vorgeneigte Haltung ein, die die Wirbelsäule belastet. Informationen zu richtigem Heben und Tragen kann man im AUVA-Merkblatt M 025 „Heben und Tragen, Schieben und Ziehen. Lasten sicher handhaben“ nachlesen.

Sicher und gesund

Ist man derartigen Belastungen über einen längeren Zeitraum ausgesetzt, kann es zu Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparats kommen. „Tendenziell sind eher ältere Arbeitnehmer von MSE betroffen. Mit den Beschwerden steigt das Bewusstsein, dass am Arbeitsplatz Pkw etwas verändert werden muss“, stellt Lebersorg-Likar fest. Prävention sollte allerdings ansetzen, bevor es zu Gesundheitsschäden kommt. Ziel sei es, die richtige Einstellung des Sitzes schon für junge Arbeitnehmer zu einer Selbstverständlichkeit zu machen, genauso wie das Anlegen des Sicherheitsgurts.
Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, wie sicher er beruflich unterwegs ist, kann dafür das kosten­lose Online-Tool GUROM (https://www.gurom.at) nutzen. Anhand von Antworten auf Fragen zur Verkehrsteilnahme ermittelt das Tool ein Gefährdungsprofil und schlägt konkrete Maßnahmen vor. „Wenn es Auffälligkeiten bei der Pkw-Nutzung gibt, empfiehlt GUROM unter anderem auch unser Seminar ‚Sicher und gesund am Arbeitsplatz Pkw‘“, so Schwaighofer. (rp)
 

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© shapecharge/iStock