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Homefitness und Gesundheitsrisiken

Das Angebot und die Nachfrage an Fitnessgeräten für Privatnutzer sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Besonders die Corona-Pandemie sorgte für einen wachsenden Umsatz bei den Fitnessgeräteherstellern und zunehmend mehr Verletzungen.

Neben dem stationären Fahrrad, dem klassischen „Hometrainer“, haben mittlerweile auch Vibrationsplatten, Bauchroller, Freestyle-Gewichte und multifunktionale Crosstrainingsgeräte in den Wohnungen Einzug gehalten. Der Sport zu Hause kann, wenn er nicht von einem ausgebildeten Trainer begleitet wird, jedoch auch zur Gefahr werden. Alexander Srokovskyi ist Physiotherapeut, Experte für Schmerzbehandlung und Inhaber mehrerer Praxen. Er nimmt die Möglichkeiten des Hometrainings unter die Lupe, deckt Gefahren auf und gibt Empfehlungen zur selbstständigen Risikovermeidung.

Laufbänder

Ein Laufband ist eine gute Alternative für Sportler, denen das Joggen in der freien Natur keine Freude bereitet oder die sich wetterunabhängig auspowern möchten. Das Lauftraining zu Hause ist dann eine besonders bequeme Variante. Nach Angaben eines bekannten Fitnessgeräteherstellers machte der Verkauf von Laufbändern in der Pandemie fast ein Drittel des Gesamtumsatzes aus. Doch vor allem günstige Laufbänder für den Heimgebrauch verfügen selten über eine ausreichend gute Dämpfung. Der harte Aufprall schädigt nicht nur Knie und Hüfte des Läufers. Normalerweise dämpfen im Körper unsere Gelenkknorpel, Menisken und Bandscheiben jeden Schritt ab. Je härter die Oberfläche ist, auf der sich ein Läufer bewegt, desto mehr Arbeit muss sein Körper jedoch leisten. Menisken, Bandscheiben und Gelenke werden dadurch stark beansprucht. Das Joggen selbst ist ein wohltuender, aber für den Körper auch herausfordernder und mit Risiken behafteter Sport. Mit der Entscheidung für ein qualitativ hochwertiges Gerät können Nutzer Schmerzen und Verletzungen jedoch minimieren.

Crosstrainer

Im Gegensatz zum stationären Fahrrad, mit dem vor allem die Muskulatur in den Beinen trainiert wird, handelt es sich bei einem Crosstrainer um ein Gerät, das viele Hauptmuskelgruppen ­anspricht. Arme und Beine werden dabei gleichzeitig – wie es der Name vermuten lässt – über Kreuz bewegt. Eine Vielzahl der Crosstrainer, die von Privatpersonen gekauft werden, gibt einen festgelegten Bewegungsablauf vor. Das Gerät kann sich daher nicht an den physiologischen Bewegungsablauf der Einzelperson anpassen. Wenn diese Bewegungen abweichen, wie es die Physiologie der trainierenden Person vorsieht, können Strukturen gereizt und überlastet werden. Beim Kauf eines Crosstrainers soll daher darauf geachtet werden, dass das Modell die Bewegungen des Nutzers möglichst wenig führt. Diese Geräte sind jedoch sehr kostspielig — und übrigens auch nicht einmal in allen Fitnessstudios zu finden. Wer nur ein geringes Budget für ein Trainingsgerät zur Verfügung hat, sollte daher der eigenen Gesundheit zuliebe auf alternative Sportgeräte zurückgreifen.

Stationäre Fahrräder

Der klassische Hometrainer zählt zu den ältesten Fitnessgeräten überhaupt. Bereits im Jahr 1900 wurde das Fahrrad-Ergometer zu medizinischen Zwecken entwickelt. Viele dieser Modelle haben zu wenige Verstellmöglichkeiten des Lenkrades sowie der Sitzhöhe. Die perfekte Einstellung für den Sportler ist jedoch unabdingbar, um Schädigungen der Gelenke zu vermeiden. Grundsätzlich sollte beim Training auf dem Fitnessfahrrad immer auf eine aufrechte Körperhaltung geachtet werden. Hierfür ist es hilfreich, sich verstärkt auf eine Anspannung zwischen den Schulterblättern und des Gesäßes zu konzentrieren.

Bauchroller

Der Bauchmuskeltrainer gehört zu den kleinen und einfach zu verstauenden Fitnessgeräten für das heimische Wohnzimmer. Das macht ihn jedoch nicht weniger effektiv als andere Geräte. Da die Bewegung beim Training am Bauchroller jedoch sehr komplex ist, kann der Nutzer hier auch besonders viele Fehler machen. Diese führen dann nicht nur zu einem ineffektiven Training, sondern mitunter auch zu gesundheitlichen Schäden. Besonders besteht die Gefahr, dass beim kontrollierten Verlängern der Bauchmuskulatur ins Hohlkreuz ausgewichen wird. Die Bandscheiben und Spinalkanäle werden dabei stark gereizt, da sie unter Gewichtsbelastung komprimiert werden. Damit das Training effektiv und gleichzeitig schonend bleibt, ist es wichtig, langsam und kontrolliert zu rollen. Das ist anstrengender als ein schneller Bewegungsablauf, fördert allerdings den Muskelaufbau und beugt zugleich einer Überdehnung vor. Positiver Nebeneffekt: Ein weniger ausgeprägtes Hohlkreuz lässt den Bauch dünner wirken.

Gesunde Homefitness hat ihren Preis

Fitnessgeräte, die beim Online-Versandhändler oder im Sportgeschäft für den Privatgebrauch erworben werden können, sind mit den hochwertigen und auf einen permanenten Betrieb ausgelegten Maschinen in Fitnessstudios nicht vergleichbar. Von den Profi-Geräten unterscheiden sie sich meist sowohl in der Größe und den Anschaffungskosten als auch letztendlich in ihrer Ausstattung. Das Preisspektrum variiert jedoch auch bei den im Einzelhandel verfügbaren Modellen stark. Bei der Anschaffung von Geräten sollte unbedingt ein Experte oder Fachpersonal hinzugezogen werden. Wer auf die Mitgliedschaft in einem guten Fitnessstudio verzichten oder sich zusätzlich ein Homegym einrichten möchte, sollte dies immer unter Vorsicht und nach Möglichkeit mit einem ausgebildeten Trainer oder vor zumindest vor einem Spiegel tun, um die eigenen Bewegungsabläufe während des Trainings überprüfen zu können.

Zum Autor
Alexander Srokovskyi ist Physiotherapeut, Experte für Schmerzbehandlung und Inhaber mehrerer Praxen

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© VioletaStoimenova/iStock