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Leistungsträger trotz Behinderung!

Walter Ablinger hat in seiner Karriere alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Der Handbiker aus Oberösterreich war Paralympics-Sieger und ­Welt­meister und hat Gesamt-Weltcup-Pokale daheim stehen.

Und dennoch nicht genug. Bei den Paralympischen Spielen in Tokyo vom 24. August bis 5. September 2021 will der 52-Jährige wieder um die Medaillen mitfahren. Im Interview spricht er über den Weg zu seinem großen Ziel, die beeindruckenden Zahlen dahinter und Gänsehaut-Momente – und erinnert sich an seinen Arbeitsunfall und die Zeit danach.

Wie darf man sich das Training eines Handbikers vorstellen?
Ablinger: Alleine heuer habe ich auf dem Rollentrainer mehr als 8.500 Kilometer absolviert, seit den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro waren es knapp 80.000 Kilometer. Je wärmer die Temperaturen werden, desto öfter bin ich auf den Straßen rund um meinen Heimatort Rainbach unterwegs. Und natürlich ist auch das Olympiazentrum Oberösterreich in Linz ein wichtiger Baustein in meinem Training.

Beeindruckende Zahlen, aber notwendig für Ihr großes Ziel: eine Medaille bei den Paralympischen Spielen in Tokyo?
Ich fliege jedenfalls nicht nach Tokyo, um 17. zu werden. Natürlich werde ich als Sportler an meiner Leistung gemessen. Aber Erfolg ist für mich nicht unbedingt, wenn ich andere besiege, und lässt sich auch nicht nur an Medaillen festmachen. Es geht auch um den Weg dorthin, darum die bestmögliche Leistung abzurufen und die damit verbundenen Emotionen. Für das lebe und liebe ich den Sport.

Wenn man zum Beispiel am Stockerl steht, mit der Goldmedaille um den Hals und aus den Boxen tönt die österreichische Bundeshymne?
Das ist Gänsehaut pur! Für diese Momente lebe ich, auch wenn sie ganz selten sind. Ich singe auch immer mit. Aber es sind die Momente, in denen man seinem Land etwas zurückgeben kann. Ich möchte der Öffentlichkeit ­zeigen, dass ich nicht nur Pflegegeld-Empfänger, sondern trotz Behinderung ein Leistungsträger bin.
Sie hatten vor 22 Jahren einen folgenschweren Arbeitsunfall, sind seitdem querschnittsgelähmt. Wie oft denken Sie noch an diesen Junitag im Jahr 1999 zurück?
Nicht jeden Tag, aber er ist natürlich tagtäglich präsent. Weil der Rollstuhl neben dem Bett steht und ich in diese Kiste rein muss. Es ist schade, dass es so passiert ist, aber ich lebe in der Gegenwart, habe klare Ziele und der Unfall hat mich nicht für die Zukunft geprägt. Ich konzentriere mich auf die positiven Ereignisse im Leben und versuche, nicht ständig zu jammern.

Aber das war doch sicher nicht immer so?
Ich bin nach meinem Unfall gut aufgefangen worden. Von meinem sozialen Umfeld, meiner Familie und meinem Freundeskreis, aber auch von der AUVA. Dieser Rückhalt, diese Sicherheit war wichtig, um auf die positiven Dinge zu schauen. Weil klar ist: Wenn man nach einem Arbeitsunfall ständig Existenzängste hat, wird es sich weder sportlich noch privat positiv entwickeln. Daran hatte die AUVA großen Anteil.

Wie haben Sie die Zeit nach dem Unfall erlebt?
Zunächst einmal durch das Fachpersonal in den Rehazentren. Das sind die ersten Ankerpunkte im Leben nach einem Schicksalsschlag. Wenn die nicht motiviert sind, ist es auch für einen selbst schwierig, dass man wieder ins Leben zurückfindet. Aber die Rehabilitation ist nur der Anfang, danach geht es erst so richtig los.

Wie sah die Zeit danach aus?
Ich konnte mit Unterstützung der AUVA eine Umschulung vom Zimmerer auf Bürokaufmann machen und mich dadurch wieder in den Arbeitsalltag integrieren und es gab auch Unterstützung bei Adaptierungen im betrieblichen Bereich. Dazu kommen die Hilfen im privaten Bereich, begonnen beim Hausumbau bis hin zur ständigen weiteren Betreuung. Bis heute besucht mich einmal im Jahr jemand aus dem AUVA-Außendienst und schaut, ob alles passt.

Behinderung und Bewegung – wie wichtig ist dieses Zusammenspiel?
Doppelt so wichtig wie bei Menschen ohne Behinderung. Gerade wenn ein Teil der eigenen Funktionen eingeschränkt ist, weil man einfach träge wird. Ohne Sport – und es muss nicht Spitzensport sein – hätte ich heute wahrscheinlich 130 Kilogramm, bräuchte eine 24-Stunden-Pflege und wäre ein 100-prozentiger Pflegefall. Aber dank der AUVA und meinem eigenen Willen, mich zu bewegen, habe ich ein aktives und positives Leben und bin heute fitter und gesünder als mit 20 Jahren.

In Meidling entsteht ein neues Trauma- und Rehabilitationszentrum, in dessen Planungen auch das Österreichische Paralympische Committee eingebunden war und ist. Was wünschen Sie sich in Ihrer Funktion als Athletenbeirats-Vorsitzender-Stv. im ÖPC?
Dieses Zentrum wird ein Meilenstein in der Geschichte der AUVA, der unglaublich wertvoll ist. Nicht nur für den Leistungssport, sondern für alle Menschen, egal ob im Gesundheitsbereich oder im Breitensport. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir dazu gebaut sind, uns zu bewegen, und was wir dem Gesundheitssystem sparen können, wenn wir uns gesund und fit halten. Das ist eine Chance – und ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.

Abbildung Walter Aiblinger
© GEPA pictures