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Neue Herausforderungen in der Arbeitswelt

Die Kampagne zur MSE-Prävention ist beendet, die Präventionsarbeit wird fortgesetzt.

Mit ihrem Präventionsschwerpunkt „Packen wir’s an!“ beteiligte sich die AUVA an der Kampagne 2020 – 2022 der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) „Gesunde Arbeitsplätze – Entlasten Dich!“. Bei der Abschlussveranstaltung, die kürzlich in Wien stattgefunden hat, zog man Bilanz und präsentierte die Aktivitäten der letzten beiden Jahre sowie einen Ausblick in die Zukunft.

Wie wichtig dauerhafte Maßnahmen zur Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) sind, betonte der Bundesminister für Arbeit und Wirtschaft Mag. Dr. Martin Kocher bei der Veranstaltung: „Die Arbeitswelt ändert sich fast täglich, aber die Herausforderungen für den Bewegungs- und Stützapparat werden weiter bleiben.“ Er wies darauf hin, dass rund 20 Prozent aller Krankenstandstage auf MSE zurückzuführen sind und MSE eine der Hauptursachen für Arbeitsunfähigkeit und Frühpensionierung ist.

Aktivitäten von AUVA und Arbeitsinspektion

Mag. Julia Lebersorg-Likar und Mag. Michaela Strebl, Ergonominnen in der AUVA-Hauptstelle, präsentierten die Materialien des AUVA-Präventionsschwerpunktes, die unter dem Motto „Packen wir’s weiter an!“ auch in Zukunft zur Verfügung stehen werden. Dazu zählen Merkblätter, Checklisten, Apps und Poster, etwa die Posterserien „Unsere Wirbelsäule“ und „Pack’s richtig an“. Veranstaltungen, Seminare, Webinare und Workshops zur MSE-Prävention werden ebenfalls weiterhin angeboten. Das Interesse daran ist groß, wie die Stellvertretende Ärztliche Direktorin der AUVA Dr. Irene Tambornino betonte: „Wir haben immer mehr Anfragen von Klein- und Mittelbetrieben zu Schulungen zum Thema MSE und bleiben auch nach dem Ende der Kampagne dran.“

Die Arbeitsinspektion hatte sich an der europäischen Kampagne mit einem Beratungs- und Kontrollschwerpunkt beteiligt und in Kooperation mit der AUVA eine Checkliste erstellt. „Die Checkliste enthält mess- und beurteilbare Parameter sowie Beispiele typischer Tätigkeiten und Angaben zur betroffenen Körperregion“, erklärte DI Ernst Piller vom Zentral-Arbeitsinspektorat. Die Checkliste weist für Erwachsene und Jugendliche unterschiedliche Belastungsgrenzen auf, z. B. beim Gewicht der Last, bei der Dauer der Tätigkeit oder der Anzahl der Wiederholungen.

Wissenschaftliche Forschung

Ein Anliegen der MSE-Kampagne war es, praktische Arbeit und wissenschaft­liche Forschung zu vernetzen. Das war bei einer Veranstaltung über den Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen am Arbeitsplatz und MSE gelungen, wie Mag. Julia Steurer vom Zentral-Arbeitsinspektorat berichtete: „Wir haben eine Brücke zwischen Wissenschaft und Arbeitsschutz geschlagen.“

EU-OSHA, Zentral-Arbeitsinspektorat und die österreichische Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida hatten mit dem „Tag der Reinigung“ am 15. Juni 2021 auf die schwierigen Arbeitsbedingungen und das erhöhte Risiko für MSE in der Reinigungsbranche aufmerksam gemacht. Um die Beschäftigten weiterhin zu unterstützen, sei unter anderem ein Pilotprojekt mit Begleitforschung zur Umstellung auf Tagreinigung geplant, so die Soziologin Dr. Karin Sardadvar von der Humboldt-Universität Berlin und der WU Wien.

Arbeits- und Organisationspsychologin Dr. Julia Schöllbauer von der Universität Wien und Soziologe Dominik Klaus, MSc, von der WU Wien präsentierten die Ergebnisse ihrer Forschungen über die Entgrenzung von Arbeit. Entscheiden sich Mitarbeiter:innen freiwillig, in ihrer Freizeit zu arbeiten, führt das zu höherer Arbeitszufriedenheit und fördert die Kreativität. Wird die Entgrenzung als Handlungszwang empfunden, überwiegen Stress, ein Gefühl des Kontrollverlusts und körperliche Symptome wie Rückenschmerzen.

Preisträger des europäischen Wettbewerbs

Beim europäischen Wettbewerb für gute praktische Lösungen zur MSE-Prävention wurden zwei österreichische Unternehmen ausgezeichnet.

Zu den Preisträgern zählt das Universitätsklinikum AKH Wien. Die Betriebsabteilung setzte in den Bereichen interner Patiententransportdienst, Service auf den Stationen und Reinigung Präventionsmaßnahmen. Im Rahmen eines aus drei Teilen bestehenden Gesundheitsförderungsprojekts wurden die Belastungen für die Beschäftigten erhoben. Als Risikofaktoren für MSE identifizierte man z. B. Ziehen, Schieben und Manövrieren der Betten beim Transport von Patienten:Patientinnen, Tragen schwerer Tabletts mit Speisen und Drehbewegungen bei Reinigungsarbeiten. Es wurden spezielle Angebote für Mitarbeiter:innen sowie für Führungskräfte geschaffen.

Auch nach Beendigung des Projekts setzt das AKH Maßnahmen zur Prävention von MSE und bezieht seine Mitarbeiter:innen in die Lösungsfindung ein. Die Leiterin der Betriebsabteilung, Gerhild Katz, MSc, nannte ein Beispiel: „Für den Patiententransport wird derzeit ein Bettmover getestet, ein am Bett angebrachter Motor. Er könnte bei Eignung und Praktikabilität in Bereichen, in denen Rampen zu überwinden sind, zum Einsatz kommen.“ Bewegungsangebote stehen ebenfalls weiterhin auf dem Programm. Ein Fokus liegt 2023 auf manueller Lastenhandhabung.

Eine Maßnahme zur Erleichterung der Manipulation von Lasten setzte auch die Rohrdorfer Baustoffe Austria GmbH, die dafür eine lobende Erwähnung im Rahmen des Wettbewerbs erhielt. Am Standort in Retz wird die Mischertrommel bei der Erzeugung von Faserbeton manuell mit Stahlfasern beladen, die in Packungen zu je 20 kg auf Paletten angeliefert werden. Je weniger Packungen sich noch auf der Palette befanden, desto tiefer musste man sich beim Beladen bücken, was den Rücken belastete.

Auf Initiative eines Mitarbeiters wurde ein Scherenhubtisch gekauft, mit dem sich die Abgriffhöhe der Pakete mittels Pedalhubs je nach Bedarf anpassen lässt. Die Anzahl der Krankenstände konnte durch diese Maßnahme verringert werden, sie wurde mittlerweile ausgeweitet. „Wir haben für sechs Standorte Scherenhubtische angeschafft. Das Feedback der Mitarbeiter:innen ist durchwegs positiv“, berichtete DI Dr. Martin Dür, MBA, Manager für Gesundheit, Arbeitssicherheit und Umwelt bei Rohrdorfer, bei der Abschlussveranstaltung.

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