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Neue Regeln für mehr Sicherheit

Mit 1. Oktober 2022 ist die 33. Novelle der Straßen­verkehrsordnung in Kraft ­getreten. Ziel war es, die sanfte Mobilität zu fördern und die Verkehrssicherheit vor allem für Kinder und ­Jugendliche zu ­verbessern.

Radfahren, E-Biken und Roller fahren liegen im Trend. So verzeichnete beispielsweise allein das Radverkehrsaufkommen in Wien zwischen 2014 und 2021 ein Plus von 28 Prozent, aber auch die Unfallzahlen sind gestiegen. Nach Angaben der ÖAMTC-Unfallforschung gab es im Jahr 2020 über 9.000 Unfälle, an denen Radfahrende beteiligt waren. Das entspricht einem Plus von 36 Prozent gegenüber 2012.

Die Novelle enthält nun eine Reihe von Änderungen, wie etwa den notwendigen Seitenabstand beim Überholen von Radfahrern:-fahrerinnen oder die Erlaubnis für Radfahrern:-fahrerinnen, in bestimmten Situationen nebeneinander fahren zu dürfen. „Der Rad- und Fußgänger:innenverkehr soll damit sicherer werden und es soll mehr Möglichkeiten für ein gleichberechtigtes Zusammenspiel ­aller Straßenverkehrsteilnehmer:innen geben“, fasst Peter Schwaighofer, BSc, AUVA-Experte für Verkehrssicherheit, die Intention zusammen. Ob das auch immer gelungen ist und ob die neuen Regeln geeignet sind, Unfälle zu verhindern, wird sich zeigen. Fakt ist, dass manche Änderung einiges an Verwirrung und Unsicherheit nach sich ziehen werden.

Regelungen für Fußgänger:innenzonen

Da das Schieben von Fahrrädern in Fußgänger:innenzonen immer erlaubt ist, wurde nun auch das Abstellen sowie Halten und Parken durchgehend erlaubt. „Dabei sind die Fahrräder so aufzustellen, dass sie nicht umfallen oder die Verkehrsteilnehmer:innen behindern können“, sagt Schwaighofer. Für das Befahren von Fußgänger:innenzonen mit Fahrrädern gilt weiterhin, dass auf die Beschilderung zu achten ist. „Auf dem Gehsteig ist das Abstellen von Fahrrädern nur dann zulässig, wenn dieser mehr als 2,5 m breit ist. Dies gilt allerdings nicht im Bereich von Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, außer es sind dort Fahrradständer aufgestellt“, so die Novelle.

Nebeneinanderfahren erlaubt

Bisher war das Nebeneinanderfahren von Radfahrern:-fahrerinnen nur auf bestimmten Straßen erlaubt. Ab sofort dürfen maximal zwei einspurige Radfahrer:innen auf Fahrbahnen mit zulässigem Maximaltempo von 30 km/h nebeneinander fahren, wenn es das Verkehrsaufkommen zulässt und niemand behindert wird. Kinder unter zwölf Jahren dürfen von einem:einer Erwachsenen immer – außer auf Schienenstraßen – in der Form begleitet werden. „Die Idee, dass Eltern so neben ihren Kindern fahren, ist grundsätzlich begrüßenswert. Jedoch ist es oft schwierig einzuschätzen, wann andere Verkehrsteilnehmer:innen behindert werden und wie der Nachfolgeverkehr zu beobachten ist“, gibt Schwaighofer zu bedenken. Die Montage eines Rückspiegels am Fahrrad erscheint unter dem Aspekt sinnvoll, jedoch gibt es dazu keine zwingende Vorschrift.

Im Zweifel: stehen bleiben!

Fahren gegen die Einbahn ist auch künftig nur zulässig, wenn es per Verkehrszeichen ausdrücklich erlaubt wird. In Wohnstraßen darf im Schritttempo auch ohne besondere Kennzeichnung gegen die Einbahn geradelt werden. „Wege in dieser Form abzukürzen, ist vielleicht eher in der Großstadt als im ländlichen Raum hilfreich. Schwierigkeiten können sich durch Vorrangsituation an den Kreuzungen mit Querstraßen ergeben“, sagt der AUVA-Experte.

Mit Zusatztafel ist nun bei sogenannten T-Kreuzungen das Rechtsabbiegen bei Rot für den Fahrradverkehr erlaubt. „Die Radfahrer:innen müssen halten und sich vergewissern, dass niemand gefährdet wird“, erklärt Schwaighofer. Vonseiten der AUVA wird diese Regelung dennoch kritisch gesehen: „Das Rotlicht signalisiert im Straßenverkehr immer ein STOPP. Jetzt gibt es eine abweichende Regelung, die kaum Vorteile bringt und aus Sicht der Lern- und Verkehrspsychologie eindeutig abzulehnen ist.“ Ein Umstand, der sich gerade bei jüngeren Verkehrsteilnehmern:-teilnehmerinnen nachteilig auf die Sicherheit auswirken kann und für schwächere Verkehrsteilnehmer:innen irritierend wirkt. Zudem, so der Experte, sei zu erwarten, dass sich diese Ausnahme bald bei anderen Kreuzungen als Regel einschleichen könnte.

Abstand halten

Wer künftig Fahrräder und E-Scooter überholen will, der muss einen fixen Abstand einhalten:  Im Ortsgebiet sind das mindestens 1,5 Meter, außerhalb des Ortsgebietes mindestens zwei Meter. „Eine Ausnahme besteht, wenn man selbst nicht schneller als 30 km/h fährt“, sagt Schwaighofer. Nicht als Überholen gilt das Vorbeibewegen an einem:einer Radfahrer:in auf einem Radfahrstreifen und einem Mehrzweckstreifen.

Neues für Radfahrer:innen auf einen Blick

  • Das Abstellen sowie Halten und Parken von Fahrrädern in Fußgänger­zonen ist durchgehend erlaubt.
  • Ab sofort dürfen maximal zwei einspurige Radfahrer:innen auf Fahrbahnen mit zulässigem Maximaltempo von 30km/h nebeneinander fahren, wenn es das Verkehrsaufkommen zulässt und niemand behindert wird.
  • Fahren gegen die Einbahn ist künftig zulässig, wenn es per Verkehrszeichen ausdrücklich erlaubt wird. In Wohnstraßen darf im Schritttempo auch ohne besondere Kennzeichnung gegen die Einbahn geradelt werden.
  • Mit Zusatztafel ist bei so genannten T-Kreuzungen das Rechtsabbiegen bei Rot für den Fahrradverkehr erlaubt.

Gut zu wissen!

  • Fußgänger:innen müssen einen Gehsteig nur benützen, wenn die ­Benützung „zumutbar“ ist.
  • Die Benützungspflicht für Ober- und Unterführungen entfällt ersatzlos, diese sollten aber im Sinne der Sicherheit weiterhin benützt werden.
  • Die Verpflichtung, Schutzwege innerhalb einer Distanz von 25 Metern zu benutzen, entfällt dann, wenn es die Verkehrslage zulässt und der Fahrzeugverkehr nicht behindert wird.
  • Neu sind sogenannte „Schulstraßen“,
    die das Verkehrsaufkommen vermindern sollen: Für einfahrende Fahr­zeuge, die ­keine Radfahrer:innen sind, ist die Zufahrt zur Schulstraße als „Sackgasse“ zu sehen. Für alle gilt Schrittgeschwindigkeit.
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© elenabs/iStock