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Oft ist es nur ein Moment

Bei ihren Präventionsanstrengungen setzt die AUVA alles daran, schwere oder gar tödliche Arbeitsunfälle zu verhindern. Leider gelingt das nicht immer. Oft ist es nur ein Moment der Unachtsamkeit, der fatale Auswirkungen hat.

Es war die dritte Fehlermeldung der Formanlage der Eisengießerei. Andreas P. hatte schon zweimal an diesem Vormittag wegen der enormen Staubbildung Reinigungsarbeiten durchführen müssen. Beim dritten Mal vergaß er auf das Abschalten und betrat den umzäunten Bereich der Kühlstrecke.

Kühlstrecken sind in mechanisierten oder automatisierten Gießereien Bestandteil der Prozesskette Formen-Gießen-Kühlen-Ausleeren. Die Kühlstrecke schließt sich an die Gießstrecke an und führt bis zum Ausschlagrost. Auf dieser Strecke werden die abgegossenen Formen zeitlich definiert abgekühlt, um qualitätsgerecht ausgeleert werden zu können. Kühlstrecken sind mit Dunstabzugshauben versehen und vollständig eingehaust. So steht es zumindest im Gießereilexikon.

„Durch die Bewegung des Formkastens wurde ein Endschalter belegt, der dazu führte, dass sich die Anlage in Bewegung setzte. Dabei wurde der Bremszylinder der Kühlstrecke ausgefahren und erfasste Andreas P. Anschließend wurde der Schub der Kühlstrecke in Gang gesetzt und der vorderste Formkasten mit Palettenwagen überrollte Andreas P.“, wird in der Unfallmeldung geschildert. Der Schlitten hatte ungefähr 2,5 Tonnen. Andreas wurde 41 Jahre alt.
Von den rund 1.500 Arbeitsunfällen in der Metallerzeugung und -bearbeitung pro Jahr passieren rund 300 in Gießereien. Im Jahr 2020 waren es gerade einmal 76 in Eisengießereien. Bei der Metallindustrie müssen die überlassenen Arbeitskräfte immer mitberücksichtigt werden: Auf sechs Arbeitsunfälle von Metallern kommt einer aus der Leiharbeit. (bm)

 

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