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Packen wir’s an!

Muskel-Skelett-Erkrankungen stehen im Fokus des kommenden AUVA-Präventionsschwerpunkts 2021/22.

Im Beruf ist „Anpacken“ gefragt – bei körperlicher Arbeit, im übertragenen Sinn aber auch bei Aufgaben, die am Computer erledigt werden. Treten dabei Fehl- oder Überbelastungen auf, kann es zu Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) kommen. Dabei handelt es sich um degenerative Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparats, zum Beispiel von Wirbelsäule, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern.

Gesundheit schützen, Kosten sparen

„Packen wir’s an“ nennt die AUVA ihren Präventionsschwerpunkt 2021/22, mit dem sie sich in die Kampagne der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) „Gesunde Arbeitsplätze – Entlasten Dich!“ einbringt. Ein Ziel des AUVA-Schwer­punkts ist es, bei Arbeitgebern sowie Arbeitnehmern mehr Bewusstsein für MSE zu schaffen. „Die AUVA steht den österreichischen Unternehmen in Sachen Prävention als starker Partner zur Seite“, so der Obmann der AUVA DI Mario Watz.

Dass sich die Prävention arbeitsbedingter MSE auf vielen Ebenen rentiert, zeigen auch die Zahlen: „Eine Schätzung der AUVA auf Basis des ­Fehlzeitenreports 2020 ergibt, dass sich in Österreich die Gesamtkosten für arbeitsbedingte MSE auf weit über eine Milliarde Euro belaufen. ­Gemäß unserem gesetzlichen Auftrag zur ­Prävention von Berufskrankheiten und Arbeitsunfällen unterstützen wir als AUVA Unternehmen dabei, arbeitsbedingten MSE vorzubeugen und damit die Gesundheit von Beschäftigten zu schützen sowie Kosten zu sparen“, erklärt der stellvertretende AUVA-Generaldirektor Mag. Jan Pazourek.

Risikofaktoren für MSE

Einer der häufigsten Risikofaktoren für MSE ist das Heben oder Bewegen schwerer Lasten. Knapp ein Drittel aller Beschäftigten gibt laut des von der EU-OSHA herausgegebenen „Austrian Report 2020“ an, bei der Arbeit mit schweren Lasten zu hantieren. Besonders gefährdete Tätigkeiten sind beispielsweise Bauarbeiten, Lagerarbeiten, Paketzustellung und Pflegearbeit. Lastenhandhabung kommt auch in Branchen vor, die bereits weitgehend automatisiert sind, da oft der letzte Arbeitsschritt manuell erledigt werden muss. Beim Onlinehandel etwa heben Zusteller Pakete aus dem Lieferwagen und tragen sie oft über mehrere Stockwerke zum Empfänger.

Ebenso belastend für den Bewegungsapparat sind langes Stehen, zum Beispiel im Verkauf oder am Fließband, sowie langes Sitzen. Davon sind Arbeitnehmer nicht nur an Computerarbeitsplätzen betroffen, sondern genauso bei Portiertätigkeiten oder Lkw-Fahrten. Wiederholte Hand- oder Armbewegungen verursachen bei Personen, die an der Supermarktkasse tätig sind, Näh- oder Produktionsarbeiten durchführen, oft Beschwerden. Mit Arbeiten in ermüdenden oder schmerzhaften Positionen sind Beschäftigte in unterschiedlichen Berufen konfrontiert.
Neben körperlichen Belastungen tragen auch psychosoziale Faktoren zur Entstehung von MSE bei. „Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychischen Belastungen. Dazu zählen unter anderem hohe Arbeitsanforderungen bei zugleich geringen Handlungs- und Entscheidungsspielräumen, monotone Tätigkeiten und das Verschwimmen der Grenzen von Arbeit und Freizeit“, erklärt AUVA-Kampagnenmanagerin Mag. Marie Jelenko.

Physische und psychische Belastungen wirken aufgrund individueller Faktoren wie der körperlichen Verfassung und der Persönlichkeitsmerkmale bei verschiedenen Personen unterschiedlich. Jedoch sind einige allgemeine Grundsätze im Rahmen des Arbeitnehmerschutzes zu berücksichtigen. Darüber hinaus spielt auch die Arbeitsmarktlage eine Rolle. Beschäftigte, die Angst um ihren Job haben oder ihren Kollegen keine zusätzliche Arbeit aufbürden wollen, neigen dazu, trotz chronischer Schmerzen arbeiten zu gehen, statt sich auszukurieren.

MSE als Berufskrankheit

Es gibt Muskel-Skelett-Erkrankungen, die in der gesetzlichen Liste der Berufskrankheiten angeführt werden. Voraussetzung für die Anerkennung ist allerdings der Beweis eines direkten, überwiegenden Zusammenhangs der Erkrankung mit der versicherten beruflichen Tätigkeit und dieser ist bei den meisten MSE sehr schwer zu erbringen. MSE sind klassische multikausale Erkrankungen. „So kann beispielsweise die Entstehung eines Meniskusschadens durch eine arbeitsbedingte häufige kniende Tätigkeit verursacht oder verschlimmert werden, aber ebenso kann das Freizeitverhalten, beispielsweise Schi fahren, Fußball spielen et cetera, für den Schaden verantwortlich sein“, bringt Dr. Isabel Kaufmann, Arbeitsmedizinerin in der AUVA-Hauptstelle, ein Beispiel.

Im niedergelassenen Bereich wird oft nicht der Zusammenhang zwischen MSE und Berufskrankheiten hergestellt. Einerseits ist hier natürlich der Fokus auf die Behandlung des Patienten gerichtet, andererseits fehlt oftmals die Zeit, um eine ausführliche Arbeitsanamnese zu erheben.

Arbeitsunfälle

Fehl- oder Überbelastungen haben aber nicht nur MSE zur Folge, betont Mag. Julia Lebersorg-Likar, Präventionsexpertin Ergonomie in der AUVA-Hauptstelle: „Jeder zehnte Arbeitsunfall steht in Zusammenhang mit einer Bewegung unter oder mit körperlicher Belastung.“ So kann es zum Beispiel bei der Handhabung von schweren Lasten zu einer Fehlhandlung kommen. Der plötzliche Kontrollverlust führt dazu, dass man stolpert, ausrutscht oder stürzt und sich beispielsweise eine Verstauchung, Zerrung oder einen Knochenbruch zuzieht.

Um Unfälle zu vermeiden, sollte der Arbeitgeber ein „Maßnahmenpaket“ schnüren, so Lebersorg-Likar: „Er muss zum Beispiel darauf achten, dass die Lasten nicht zu schwer sind, dass Arbeitsmittel wie Hebe- und Tragehilfen zur Verfügung stehen und regelmäßig gewartet werden. Die Mitarbeiter müssen in der Anwendung unterwiesen und geschult werden – und die Arbeitsmittel auch verwenden.“

Die AUVA sieht sich dabei laut Jelenko als Partner der Unternehmen: „Wir geben Empfehlungen, wie die Rahmenbedingungen von Arbeit den körperlichen und psychischen Voraussetzungen von Menschen entsprechend gestaltet werden und worauf Beschäftigte selbst achten können, um MSE vorzubeugen.“ Im Rahmen des Präventionsschwerpunkts sind mehrere Veranstaltungen – vom Forum Prävention im Mai 2021 bis zur Abschlussveranstaltung im Herbst 2022 – geplant. Informationen und praktische Unterstützung für die Präventionsarbeit gibt es in Publikationen, online und in Form von Ergonomie-Tools. Workshops, Seminare und Webinare zum Thema MSE werden während des Schwerpunkts um die Hälfte reduziert ange­boten.  (rp)

  „Packen wir’s an!“ am Forum Prävention 2021

Der Startschuss für den AUVA-Präventionsschwerpunkt „Packen wir’s an!“ zu arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen fällt am Forum Prävention, Österreichs bedeutendster Fachveranstaltung auf dem Gebiet der Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten.
Das Forum wird am 18. und 19. Mai als Online-Veranstaltung stattfinden. MSE werden bei diversen Programmpunkten ein Thema sein.

Info & Kontakt
Details und Informationen zur Anmeldung unter http://forumpraevention.auva.at

  „Packen wir‘s an!“ ab sofort in jeder ALLE!ACHTUNG!

Während des AUVA-Präventionsschwerpunktes finden Sie in jeder Alle!Achtung!-Ausgabe in der Rubrik „Packen wir‘s an!“ interessante Artikel rund um das Thema MSE sowie Bewegungstipps, Rätsel & Co. auf den letzten zwei Seiten des Heftes. Viel Spaß beim Lesen!

Abbildung Arbeiter in Paketlager mit Rückenschmerzen
© WavebreakMediaMicro/AdobeStock
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Anteil Beschäftigter in Österreich in Betrieben mit physischen Risikofaktoren
© Daten: MSDs facts and figures overview: prevalence, costs and demographics of MSDs in Europe; National report: Austria 2019; Grafik: AUVA; © Illustrationen: osha.europa.eu