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Schöne Blumen, schwere Arbeit

Im Blumenhandel sind die Beschäftigten den ganzen Tag lang auf den Beinen. Bei verschiedenen Tätigkeiten wird dabei das Muskel-Skelett-System belastet.

Wer einen bunten Blumenstrauß oder eine Topfpflanze für den Balkon kauft, kann sich meist gar nicht vorstellen, wie viele unterschiedliche und zum Teil den Bewegungs- und Stützapparat belastende Arbeiten in einem Blumengeschäft anfallen. Bei „Blumen Karin“ im oberösterreichischen Bad Leonfelden wurden im Rahmen des Präventionsprogramms AUVAfit die Risiken, Muskel-Skelett-Erkankungen (MSE) zu entwickeln, analysiert und Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet. Inhaberin Karin Pelz beschäftigt fünf Mitarbeiterinnen und einen Lehrling. Die Gesundheit ihrer Angestellten sei ihr schon immer ein Anliegen gewesen: „Wenn viel los ist, kümmere ich mich besonders um meine Mitarbeiter:innen und achte darauf, dass sie sich zwischendurch strecken, sich kurz hinsetzen und genug trinken.“

AUVAfit-Modul Ergonomie

Auf AUVAfit (www.auva.at/auvafit) wurde Pelz 2021 bei einer Veranstaltung für Unternehmer:innen aufmerksam, wo Mag. Mario Frei, Projekt-Kooperationspartner der AUVA, das kostenlose Präventionsprogramm der AUVA vorstellte. Frei und Martina Lettner, BSc MPH, Fachkundiges Organ Ergonomie in der AUVA-Landesstelle Linz, legten gemeinsam mit dem Unternehmen fest, welche Arbeitsplätze analysiert werden sollten, und erarbeiteten konkrete Maßnahmen. „In einem Blumengeschäft kommt es zu vielen unterschiedlichen Belastungsarten. Oft reichen kleine Veränderungen aus, um eine Verbesserung zu bewirken“, stellt die Ergonomin fest.
Beim Bildschirmarbeitsplatz erwies sich der geringe verfügbare Platz als größte Herausforderung. Der Schreibtisch war zu klein, die Bildschirme waren in Bezug auf Sehabstand, Neigung und Höhe ungünstig positioniert und auch die Beleuchtung reichte nicht aus. Die vorgeschlagenen Neuanschaffungen und die dafür nötigen Kosten ­hielten sich in Grenzen: Gekauft wurden eine externe Tastatur für das Notebook und eine Lampe für die zusätzliche indirekte Beleuchtung des Arbeitsplatzes.

Arbeitsplätze einfach anpassen

Platzprobleme gibt es auch an dem Arbeitsplatz, wo Gestecke gebunden werden. Zusätzliche Arbeitsflächen liegen auf einem Ladenkasten auf, deren Höhe damit nicht an die Körpergröße der Mitarbeiter:innen anpassbar ist. Es gibt keinen Bein- und Fußraum. „Das Zusammenhalten der Gestecke und Sträuße beim Binden ist anstrengend und erfordert viel Kraft“, weist ­Lettner auf eine zusätzliche Belastung im Hand-Arm-Bereich hin. Eine erste Verbesserung hat die Anschaffung einer höhenverstellbaren flexiblen Sitz-/Stehhilfe gebracht, die die Belastung durch die ungünstige Arbeitshöhe und langes Stehen verringert. Beim Binden der Gestecke wechseln sich die Mitarbeiter:innen ab, um die Hand-Arm-Belastung über den Tag zu reduzieren.

Auch im Kassenbereich werden Blumensträuße gebunden, vor allem aber Verkäufe getätigt. Die Bedienung der Kassa erfolgt über einen Touchscreen, der zu Beginn des Projekts auf dem Kassentisch so weit nach hinten gerückt war, dass man den Arm strecken bzw. sich vorbeugen musste. Dadurch wurden Schultern, Nacken und oberer Rücken beansprucht. Die Lösung für den Touchscreen war schnell gefunden: Die Kassa wurde einfach an den Rand des Tisches gerückt.

Heben und Tragen

In der Früh müssen die Blumenvasen aus dem Kühlraum geholt und im Verkaufsraum bzw. vor dem Geschäft platziert werden, am Ende des Tages erfolgt der Rücktransport. Auch hier war die Lösung einfach: Ein Supermarkt stellte ausrangierte Einkaufswagen kostenlos zur Verfügung. Zum Bewässern der Pflanzen verwenden die Mitarbeiter:innen nun kleinere, leichtere Gießkannen als früher, schwere Lasten wie Kisten oder Säcke mit Erde werden jetzt zu zweit getragen.
Bei der Grabpflege muss der Großteil der Tätigkeiten auf dem Boden oder in Bodennähe ausgeführt werden, was insbesondere den Rücken belastet. Den Beschäftigten ist meist nicht bewusst, welche Haltung sie dabei einnehmen. Um sie dafür zu sensibilisieren, wurden während der Arbeit Fotos gemacht. Eine Schulung zu ergonomischen Arbeitsweisen soll dazu beitragen, dass jeder:jede Mitarbeiter:in nicht nur anhand der Aufnahmen erkennt, welche persönlichen Arbeitshaltungen ungünstig sind, sondern auch weiß, wie er:sie diese positiv verändern kann. Kies für die Wege auf dem Friedhof wird nicht mehr in Kübeln getragen, sondern mit einer Scheibtruhe transportiert.

Nachdem im Bereich Ergonomie bereits große Fortschritte erzielt worden sind, gibt es laut Lettner die Überlegung, mit dem Modul AUVAfit Arbeitspsychologie einen zweiten Schwerpunkt zu setzen. Durch nicht planbare Ereignisse ergibt sich kurzfristig oft eine hohe Arbeitslast. Außerdem haben Pelz und ihre Mitarbeiter:innen bei Bestellungen für Trauerfloristik oft persönlich mit Angehörigen Verstorbener zu tun, die man teils auch persönlich kennt. Pelz hat gelernt, mit dieser Situation umzugehen, jetzt möchte sie auch ihre Beschäftigten dabei unterstützen. (rp)

Floristin Karin Pelz sitzend bei der Arbeit mit Topfpflanzen / Karin Pelz beim Transport von Blumen mit einem Einkaufswagen
© R.Pexa