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Sicherheit und Gesundheit an jedem Arbeitsplatz

In Salzburg fand kürzlich die Veranstaltung „Packen wir’s an! Prävention arbeitsbedingter Muskel-Skelett-Erkrankungen bei der Bildschirmarbeit im Büro, daheim und mobil“ der AUVA statt.

Im Fokus standen die Bildschirmarbeit und ihre gesundheitlichen Risiken, denn sie stellen Betroffene und ihre Arbeitgeber:innen vor zahlreiche Fragen: Wie richte ich meinen Arbeitsplatz ein? Wie organisiere ich mich im Team? Wie führe ich ein mobiles Team? Wie geht es meinem Körper und meiner Psyche mit der Arbeit von zu Hause aus? Mithilfe von Fachwissen aus arbeitspsychologischer, ergonomischer, juristischer und architektonischer Sicht gab es zahlreiche Tipps, wie diese Herausforderungen gelöst werden können.

Dr. Kurt Leodolter, Arbeitsmediziner der AUVA, fasste zusammen, worin das Problem besteht: „Zwei von fünf Beschäftigten in der EU berichten, dass sie von Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) betroffen sind. Dabei handelt es sich nicht nur um schwer körperlich arbeitende Menschen, sondern auch viele, die Büroarbeit verrichten.“ Verdeutlicht wird die Dringlichkeit der Thematik für Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen durch die präsentierten Zahlen: Über 21 Prozen der Krankenstandstage werden durch MSE verursacht. Fast 17 Krankenstandstage fallen durchschnittlich pro Krankenstandsfall an. Schätzungsweise 40 Prozent aller MSE sind arbeitsbedingt. Sie können auch als Folge von Arbeitsunfällen auftreten.

Evaluierung der Arbeitsbedingungen

Univ.-Prof.in Dr.in Eva Traut-Mattausch, Leiterin des Fachbereichs Arbeits-, Organisations- & Wirtschaftspsychologie an der Universität Salzburg, rät dazu, psychische Belastungen auch speziell für Arbeit im Homeoffice zu evaluieren, um daraus Konsequenzen sowohl für die Führung als auch die Selbstorganisation zu ziehen. Telearbeit ist für Unternehmen und die dort tätigen Arbeitnehmer:innen mit  Vor- und Nachteilen verbunden. Verschiedene Verfahren der Arbeitsplatzevaluierung psychischer Belastung helfen dabei, diese Vor- und Nachteile abzuwägen und geeignete Maßnahmen zu setzen.

Ergonomie am Schreibtisch

Neben psychischen Risikofaktoren wie etwa Zeitdruck ist Homeoffice auch mit einer Reihe körperlicher Risiken verbunden. Dazu zählen etwa langes Sitzen oder Stehen. Dazu zählen etwa Arbeiten unter Zeitdruck, eine schlechte Arbeitsorganisation oder fehlende soziale Unterstützung. Im Homeoffice oder beim mobilen Arbeiten werden manche Risikofaktoren noch verschärft. Mag.a Brigitte-Cornelia Eder, Ergonomieexpertin und Arbeitspsychologin der AUVA, zeigte eine Reihe von kreativen Lösungen für Bildschirmarbeitsplätze, die Risiken minimieren helfen. Höhenverstellbare Tische, die Arbeitende dazu zwingen, jeweils in einer starren – und womöglich falschen – Position zu arbeiten, erfüllen ihren Zweck nicht, mahnt Eder. Einzig die Position mit parallel am Boden abgestellten Füßen, rechten Winkeln in den Knien, der Hüfte und den Ellenbogen, mit anliegender Rückenlehne und Ohr, Schulter und Hüfte in einer senkrechten Linie ist ergonomisch korrekt – das gilt für das Homeoffice ebenso wie für jeden anderen Arbeitsplatz.

Auch die Beleuchtungsfrage stellt sich im Homeoffice. Während Eder meist ausreichend Schutz vor Blendung durch das Sonnenlicht ortet, benötigt die Beleuchtung mehr Aufmerksamkeit. Vergessen sollte auch das Raumklima nicht werden, genauso wie ausreichend Privatsphäre und Pausen zwischendurch. Was jedenfalls aus ergonomischer Sicht für Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen nötig sei, so Eder, sei ein Update zum Wissen über Ergonomie, Abwechslung, Bewegung und Wissen über Ergonomie, Abwechslung und Bewegung.

Rechtliche Grauzonen

Mag.a Patricia Puhr, Juristin der AUVA, fasste die derzeit gültige Rechtslage für mobiles Arbeiten zusammen, die aus Sicht der Expertin jedoch wenig zufriedenstellend ist. Ein lang erwartetes Maßnahmenpaket, das per 1. April von der Regierung verabschiedet wurde, bleibt klare Regelungen großteils schuldig. Arbeitsrechtliche Grundlagen hätten einen Fokus auf dem Homeoffice, für mobile Arbeit müsse die alte Rechtslage reichen. Besonders erstaunlich sei die Regelung, dass das Dienstnehmerhaftpflichtgesetz auch für andere Personen im Haushalt gelte – der Dienstgeber müsse also auch für andere Haftung übernehmen. Viele Fragen bleiben offen und erfordern oft von Fall zu Fall klärende Informationen durch Fachexperten:-expertinnen.

Soft Skills der Arbeitsräume

Mag. Herbert Reichl vom Institut für Wohn- und Architekturpsychologie in Linz legt den Fokus auf die Raumbedingungen für gutes Arbeiten. Ungünstig konzipierte Arbeitsräume können Menschen unter Stress setzen, verhindern Konzentration, lassen mehr Fehler passieren, erschweren die Kommunikation und verunmöglichen Kreativität. Aus diesem Grund plädiert Reichl für Konzepte zur Farb-, Akustik-, Klima- und Lichtgestaltung, zu Natur im Arbeitsraum und Privatheit als Soft Skills. Regulation und Selbstbestimmung hält der Architekturpsychologe für unerlässlich.

Präventivbetreuung auch im Homeoffice

Die Experten:Expertinnen der Veranstaltung waren sich einig, dass Arbeitsplatzevaluierungen körperliche Fehlbelastungen und psychische Belastungen gleichermaßen berücksichtigen müssen. Arbeitgeber:innen wie Arbeitnehmer:innen sind gefordert, Kontrollmechanismen einzuführen, erforderliche Ressourcen zur Verbesserung zur Verfügung zu stellen und gut verständliche wie leicht umsetzbare Maßnahmen zu kommunizieren. In den Betrieben gibt es in vielen Fällen eine gute Präventivbetreuung – die Umsetzung zu Hause lässt jedoch noch zu wünschen übrig. Es geht letztlich darum, Gefahren zu ermitteln und zu beurteilen, Maßnahmen festzulegen und schließlich zu überprüfen. Homeoffice und mobile Arbeit bergen viele Chancen, die jedoch genauso ein Maßnahmengerüst für Gesundheitsförderung brauchen wie Büroarbeitsplätze. Betont wird außerdem, dass vereinbarte Arbeitsformen für beide Seiten passen müssen – für Arbeitgeber:innen wie Arbeitnehmer:innen. (bw)

AUVA-Angebote für Betriebe zum Präventionsschwerpunkt „Packen wir’s an!“

  • Veranstaltungen mit Informationen zur Prävention von arbeitsbedingten MSE
  • Kostenlose Beratungen zur ergonomischen Gestaltung von Arbeit
  • Vergünstigte AUVA-Seminare und Workshops rund um arbeitsbedingte MSE
  • AUVA-Merkblätter, Videos, Tools u. v. m. als praktische Unterstützung
  • AUVAfit – das kostenlose Programm zur Arbeitsplatzoptimierung

www.auva.at/mse

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© R. Reichhart