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Sicherheitstechnische Prüfstelle: Gut gesichert am Berg

Beim Bergsteigen, Klettern oder am Klettersteig müssen sich Sportler:innen darauf verlassen können, dass die Ausrüstung bei einem Sturz oder bei Steinschlag vor schweren Verletzungen schützt. Die Sicherheitstechnische Prüf­stelle (STP) der AUVA prüft die Einhaltung der in der EU vorge­schriebenen Anforde­rungen.

Bergsport ist Risikosport. Bei entsprechendem Verhalten und der Verwendung von Ausrüstungsgegenständen, welche die CE-Kennzeichnung tragen, lässt sich dieses Risiko jedoch minimieren. Gurte, Seile, Helme und die meisten anderen Gegenstände, die für sportliche Aktivitäten in den Bergen gebraucht werden, testet die STP.

Für die Prüfung von Absturzsicherungen, sowohl in industriellen Bereich als auch im Bergsport, ist Ing. Daniel Krätschmer, MSc, verantwortlich. Als Bergsportler weiß er, was die Ausrüstung aushalten muss – bei Regen und Schnee, Hitze und Kälte. „Wir versuchen bei den Prüfungen, Stürze aus der ­Praxis so gut wie möglich nachzustellen“, betont Krätschmer.

Ein simulierter Sturz

Bei jeder Komponente des Systems, egal ob Seil, Gurt, Bandfalldämpfer oder Auffanggerät, wird eine eigene dynamische Prüfung durchgeführt. Das bedeutet, dass im Labor ein Sturz, meistens mit dem Sturzfaktor 2, also ein maximales Überklettern des Ankerpunkts, nachgestellt wird. Standardgewicht für diese Prüfungen ist im Normalfall 100 kg, es können aber auch Tests mit bis zu 150 kg durchgeführt werden. Gurte und Seile dürfen bei der Prüfung nicht reißen oder das Prüfgewicht freigeben, sodass es den Boden berührt.

Um einen Klettersteig sicher begehen zu können, wird ein Klettersteigset verwendet, dessen Karabiner in ein Stahlseil eingehängt wird. Das Klettersteigset besteht aus zwei an Lastarmen befestigten Karabinern, einem Bandfalldämpfer und einer Schlaufe zum Einbinden in den Gurt. Bei der Prüfung von Bandfalldämpfern wird zwischen Prüfgewicht und Falldämpfer eine Kraftmessdose angebracht, welche die Fangstoßkraft anzeigt. Sie muss durch den Falldämpfer auf unter 6 kN reduziert werden. Auf Klettersteigsets ist angegeben, für welche Gewichtsklasse sie zu verwenden sind. Sie werden mit der jeweiligen Höchstlast getestet, allerdings nicht immer mit der Mindestlast. Insbesondere für die Sicherheit von – meist leichteren – Kindern und Jugendlichen ist es daher wichtig, auf die Herstellerangaben zu achten.

Statische Prüfungen

Die einzelnen Komponenten von Kletter- und Klettersteigsets werden statischen Prüfungen unterzogen, damit sichergestellt ist, dass sie den erforderlichen Standards entsprechen. Seile werden unter kontrollierten Bedingungen einer statischen Belastung ausgesetzt, wie sie etwa beim Abseilen einer Person auftritt. Die Belastbarkeit prüft man auch bei den anderen textilen Komponenten von Kletter- bzw. Klettersteigsets wie Gurten, Band- und Expressschlingen sowie Reepschnüren. Bei Seilen wird zusätzlich kontrolliert, dass sich der Mantel gegenüber dem Kern nicht verschieben lässt.

Bei Funktionsprüfungen erfolgt zur Simulation verschiedener Witterungsverhältnisse eine Vorkonditionierung – das heißt, die STP-Prüfer:innen erwärmen oder kühlen die Komponenten vor der Prüfung im Klimaschrank oder legen sie in ein Wasserbad.

Karabiner für den Bergsport müssen nicht nur eine Zugprüfung in Längsrichtung bestehen, sondern auch seitlich und quer belastet werden können, was zum Beispiel dem Druck gegen eine Felskante entspricht. Belastungsprüfungen erfolgen auch mit offenem Verschluss; geschlossene Karabiner müssen sich unter Belastung öffnen lassen.

Bei Sicherungsgeräten wird zwischen manuellen und automatischen, das Seil bei einem Sturz automatisch blockierenden, Geräten unterschieden, die verschiedenen Normen unterliegen. Beide Typen werden einer Festigkeitsprüfung unter­zogen, Automaten zusätzlich einem Funktionstest. Bei sämtlichen Komponenten aus Metall testet die STP die Korrosionsbeständigkeit, indem das Gerät 48 Stunden lang einem Salzsprühnebel ausgesetzt wird. Auch Eispickel, die eine ausreichende Festigkeit aufweisen müssen, stehen in der STP auf dem ­Prüfstand.

Bergsteiger:innenhelme

Wer in den Bergen dem Risiko eines Absturzes oder Steinschlags ausgesetzt ist, benötigt einen Berg­steiger:innenhelm. Dieser unterscheidet sich hinsichtlich der Anforderungen laut Norm von einem Industrieschutzhelm, es gelten zum Teil andere Prüfparameter. Getestet werden Konstruktion und Leistungsfähigkeit sowie Festigkeit und Wirksamkeit der Trageeinrichtung, also des Kinnriemens.

Ing. Stefan Janotka führt in der STP die Prüfung von Helmen durch. Bei der Konstruktionsprüfung kontrolliert er, ob der Helm die vorgeschriebene Mindestbelüftung und der Kinnriemen eine Mindestbreite von 15 mm aufweisen. Es darf keine scharfen Kanten oder spitzen Stellen geben.

Für die Überprüfung der Stoßdämpfung und der Durchdringungsfestigkeit werden Helme auf verschiedene Arten vorkonditioniert: durch Schnellalterung, Wärme- und Kältebehandlung. Anschließend fällt ein Fallgewicht auf den Helm und die Stoßdämpfung wird gemessen. Die vom Helm nicht aufgenommene Kraft darf maximal 10 kN betragen. „Zur Überprüfung der Durchdringungsfestigkeit wird ein kegelförmiger Schlagkörper verwendet, der den Prüfkopf unter dem Helm nicht berühren darf“, so Janotka.

Die Festigkeit des Kinnriemens wird mit einer Zugprüfmaschine getestet, wobei die maximal zulässige Dehnung 25 mm beträgt. Zur Prüfung der Wirksamkeit der Trageinrichtung wird der Helm auf einen Prüfkopf gesetzt und der Kinnriemen geschlossen. Der Helm darf sich weder bei einem Zug von vorn noch von hinten vollständig abziehen lassen.

Besteht ein Helm diese Prüfungen, ist er zum Verkauf in der EU zugelassen. Janotka appelliert an Bergsportler:innen, zur eigenen Sicherheit nur mit dem CE-Zeichen versehene Helme zu verwenden. Billige Helme ohne Kennzeichnung erfüllen sehr oft die nötigen Anforderungen nicht und bieten daher keinen ausreichenden Schutz. (rp)

Mann mit gelbem Schutzhelm und Kletterausrüstung mit Gürtel, Befestigungsseilen und Karabinern lächelt mit Blick in die Kamera.
In der STP werden alle Ausrüstungsgegenstände geprüft, die man für das sichere Begehen eines Klettersteigs braucht.
© R. Reichhart