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So arbeiten Teams erfolgreich

Teamarbeit finden alle gut, doch in der Praxis führt sie häufiger zu Konflikten als zu tragfähigen Lösungen. Ihre Stärken spielt sie dennoch gerade in der Krise aus.

Viele Prozesse in Unternehmen sind durch die Pandemie zum Stillstand gekommen, andere aber mehr denn je beschleunigt worden. Entscheidungen wurden plötzlich viel schneller getroffen. Der häufigste Grund: Das Management gab Entscheidungsbefugnisse und Kontrolle ab – und zwar an Teams. „Die Krise schuf Bedingungen, in denen das Potenzial von Teams stärker zur Geltung kam. Dieses Potenzial wurde bisher nur selten ausgeschöpft. Werden zum Beispiel nur Einzel- statt Teamleistungen gefördert und belohnt, bringen Teams keine volle Leistung. Wo Chefs Entscheidungen nicht an Teams abgeben, bekommen neue Ideen keine Chance, sich zu bewähren“, erklärt Psychologe und Informatiker Univ.-Prof. Dr. Joachim Hasebrook, der Human Capital Management an der Steinbeis-Hochschule Berlin unterrichtet.
Aus der Praxis weiß der Experte, dass gerade dort, wo Teamarbeit besonders wichtig ist, sie oft besonders schlecht funktioniert. Ein Beispiel ist etwa das Gesundheitswesen. So zeigte eine Studie aus 2018, dass Mitarbeiter einer großen Universitätsklinik die Realität ihrer Teamarbeit überaus schlecht bewerteten. Sie kritisierten unter anderem die schlechte Kommunikation, fehlendes Vertrauen und gemeinsame Erfolgskriterien. Im eigenen Team Schwachpunkte offen zu diskutieren sei kaum oder gar nicht möglich, antworteten über 70 Prozent der Befragten.

Wichtig ist, dass Führungskräfte sich darauf beschränken, die Rahmenbedingungen vorzugeben. Darüber hinaus sollten sie die Teams sich selbst steuern lassen und vorrangig Teamleistungen belohnen. „Das setzt voraus, dass Hierarchien abgebaut und Entscheidungswege verkürzt werden“, weiß Hasebrook.

1+1 ist nicht immer 2

Während sich – wie aus Forschungen des französischen Agraringenieurs ­Maximilien Ringelmann hervorgeht – die Zugleistung von Maschinen und Tieren addieren lässt, ist das bei Menschen im Team nicht immer der Fall. Je mehr Personen beteiligt sind, desto eher schafft es der Einzelne, sich zurückzuziehen. Das gilt für gemeinsame Referate oder Abschlussarbeiten in Schule und Uni genauso wie für Teambesprechungen oder Arbeitsprojekte. Der Psychologe Bibb Latané prägte den Begriff des „Social Loafing“, des „soziale Faulenzens“. Dieser Effekt ist besonders stark ausgeprägt, wenn nicht klar ist, wie viel jeder Einzelne zur Gesamtleistung beiträgt. Aber es gibt auch die gegenteilige Entwicklung, den sogenannten Schrittmachereffekt: Der Psychologe Norman Triplett hat beobachtet, dass Radrennfahrer im direkten Wettbewerb mit anderen schneller fuhren als alleine.

Tipps zur Teamführung

  • In einem Team sollen sich keine Unterteams bilden.
  • Häufige Mitgliederwechsel sollten vermieden werden.
  • Führungskräfte müssen klare Ziele setzen und eine gemeinsame Richtung vorgeben.
  • Sorgen Sie für eine klare Verteilung von Rollen und Aufgaben.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit Problemen soll als Gruppenkultur gefördert werden.
  • Bestimmen Sie eine Person, die gezielt Vorschläge auf Schwächen prüft.
  • Unterstützen Sie die Zusammenarbeit zwischen Teams im Unternehmen.

Buchtipp

Benedikt Hackl, Joachim Hasebrook und Sibyll Rodde Team-Mind und Teamleistung.

Teamarbeit zwischen Managementmärchen und Arbeitswirklichkeit, Springer Verlag 2020

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Welche Art Team gute Leistungen erbringt, hängt von der Art der Aufgabe und dem Grad der Selbstorganisation ab.
© grivina/AdobeStock