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Tipps für entspanntes Arbeiten

Eine IMAD-Studie für das Arbeitsmedizinische Zentrum AMZ Hall in Tirol hat die Arbeitssituation im Homeoffice untersucht und schließt mit konkreten Tipps.

41 Prozent der Erwerbstätigen in Österreich arbeiteten vor einem Jahr im Homeoffice. Der Winter-Lockdown dauerte damals bereits zwei Monate an, mit einer kurzen Unterbrechung. Nach mehreren Wellen hat das Arbeiten von zu Hause aus bereits Routine bekommen. ­Homeoffice ist in der Regel ein digitaler Arbeitsplatz am Bildschirm, 22 Prozent haben dafür einen abgeschlossenen Raum wie etwa Gäste- oder Schlafzimmer, weitere 20 Prozent einen eigenen Arbeitsraum, 46 Prozent sitzen am Esszimmertisch, davon wechseln 65 Prozent den Platz im Tagesverlauf. Diese Erkenntnisse liefert eine Studie, durchgeführt von IMAD Marktforschung und Datenanalysen im Auftrag des Arbeitsmedizinischen Zentrums AMZ Hall in Tirol.

Befragt wurden 25 Frauen und 25 Männer in Tirol, großteils zwischen 31 und 45 Jahren, in einem sehr ausführlichen Online-Videogespräch. „Sogenannte Tiefeninterviews mit einer Dauer von 30 bis 50 Minuten geben den Menschen Raum, ihre Erfahrungen zu reflektieren“, erklärt die IMAD-Geschäftsführerin MMAg.a Barbara Traweger-Ravanelli. Ein Bedürfnis, das gerade bei diesem Thema offensichtlich stark spürbar war. 86 Prozent der Befragten waren während der vergangenen Lockdown-Phasen erstmals in ihrer Berufslaufbahn im Homeoffice – und das mehr oder weniger von heute auf morgen, rund ein Viertel hat Führungsaufgaben, rund zwei Drittel einen Haushalt mit Kindern. Besprochen wurde Grundlegendes wie Ausstattung und Arbeitsplatz, vor allem aber weiterführende Fragen aus einem Leitfaden, erarbeitet von IMAD und AMZ Hall im wissenschaftlichen Austausch mit dem Psychologen und UMIT-Tirol Professor Dr. Bernhard Streicher.

Flexibilität kontra Kommunikation

Als zentraler Vorteil des Homeoffice erscheint für 40 Prozent die flexible Zeiteinteilung, bei den Nachteilen dominiert für 84 Prozent die fehlende Kommunikation. Für 36 Prozent gibt es berufsbezogen zu wenig Austausch, auch fehlen Informationen. Nahezu die Hälfte vermisst die Gespräche mit Kolleginnen:Kollegen und zwischenmenschliche Kontakte. Die Studie zeigt deutlich, dass sich eine fehlende Struktur des Tagesablaufs wesentlich auf die Einstellung zum Homeoffice auswirkt. Ein strukturierter Arbeitstag wird als stressfreier und weniger belastend empfunden. 72 Prozent hatten ihr Homeoffice ähnlich dem Büroalltag organisiert. 18 Prozent pendelten sich in eine neue Struktur ein, wie etwa ein Vater, der im Homeoffice tagsüber alleine für den kleinen Sohn verantwortlich war und seinen Arbeitsrhythmus völlig neu gestalten musste. Nur zehn Prozent kamen mit dem Homeoffice schlecht zurecht. Auf einer Skala von null bis zehn wurde in der IMAD-Erhebung eine relativ hohe Gesamtzufriedenheit von 7,4 ermittelt.
Zugleich beobachteten 70 Prozent der Befragten verschiedene psychische Belastungen. Mehr als ein Viertel nannte an erster Stelle Isolation durch fehlende persönliche Kontakte mit den Berufskollegen:-kolleginnen. Für ein Fünftel war die Mehrbelastung durch die Familie eine große Herausforderung.  Immerhin geben 26 Prozent der Befragten an, zu Hause effizienter und zielgerichteter zu arbeiten. Die Ablenkung im Homeoffice passiert vor allem in Wechselwirkung mit dem Umfeld: 20 Prozent fühlen sich durch Personen im gemeinsamen Haushalt gestört, 18 Prozent fällt es schwer, sich von diesen abzugrenzen.

Konkrete Tipps

Die Learnings aus der Studie bestätigen die praktischen Erfahrungen der Experten:Expertinnen im AMZ Hall. Damit das Homeoffice möglichst belastungsfrei gelingen kann, empfiehlt Mag.a Veronika Steinkreß, Klinische und Gesundheitspsychologin sowie Arbeitspsychologische Leiterin im AMZ Hall, drei Bereiche ganz besonders zu beachten: „Kommunikation, Abgrenzung und Struktur sowie das Schaffen einer Büroatmosphäre. Voraussetzung dafür ist, dass der Arbeitsplatz zu Hause in seiner Ausstattung den Anforderungen der Arbeitsaufträge entspricht, damit diese adäquat erledigt werden können.

„Die berufliche Kommunikation im Homeoffice muss klarer sein, als wenn man im Büro Tür an Tür sitzt“, betont Steinkreiß. Klar definierte Aufgaben helfen, fokussiert und produktiv zu arbeiten. Hier sind vor allem die Führungskräfte gefordert. Regelmäßige Meetings sind wichtig, insbesondere auch,  um den persönlichen Kontakt zu halten und Raum zur Klärung von Fragen zuzulassen. Der direkte Austausch ist essenziell, Online-Meetings sind ein wesentliches Tool.

Klare Abgrenzung ist in jeder Hinsicht wichtig: Arbeitszeit und andere Verpflichtungen müssen getrennt sein – das ist auch im Sinne der Betriebe. „Ein besonderer Stressfaktor im Homeoffice ist die Empfindung, ständig erreichbar sein zu müssen“, analysiert Steinkreß. In diesem Sinne sollte man mit Vorgesetzen und Team konkrete Zeitfenster für Kommunikation und Austausch vereinbaren.  Im gemeinsamen Haushalt gilt es, die Linie zwischen sich und anderen zu ziehen. „Vereinbaren Sie mit Ihrer Familie – soweit möglich – fixe Arbeitszeiten für sich selbst, auch wenn diese nur kurz sind“, empfiehlt Steinkreß, denn auch eine Viertelstunde fokussierte Arbeit könne effektiv sein.
Dazu gilt es, eine Arbeitsroutine für das Homeoffice zu etablieren und klare Abläufe für sich selbst zu definieren. Jeden Tag zur gleichen Zeit zu beginnen, wie gewohnt aufzustehen, sich für den Tag zurechtzumachen, die Aufgaben zu priorisieren, einen Tagesplan zu erstellen, der sich an einem Wochenplan orientiert. Die für sich selbst definierten Arbeitszeiten sollte man strikt einhalten und sich auf die Arbeit konzentrieren.

Auf Ergonomie und Pausen achten

„Andererseits gilt es auch, auf veränderte Voraussetzung einzugehen“, ergänzte Dr.in Bernadette Trenkwalder, stellvertretende Ärztliche Leiterin im AMZ Hall. Möglicherweise lassen sich im Homeoffice gewisse anderweitige Verpflichtungen nicht aufschieben, vor allem was Kinderbetreuung angeht. „Diese sollte man bewusst einplanen, sie können aber Pausen nicht ersetzen“, so Trenkwalder. Pausen sind wesentlich und sollten regelmäßig eingelegt werden. Besonders wichtig für die Bildschirmarbeit: „Zehn Minuten Bildschirmpause pro Stunde, damit sich die Augen in diesem Zeitraum durch eine andere Tätigkeit von der Nahsicht erholen können“, so der Hinweis der Medizinerin.

Arbeits­situation im Homeoffice

84 % beklagen schwierige Kommunikation

36 % vermissen den Austausch

50 % fehlen persönliche Kontakte

40 %  sehen die flexible Arbeitszeit als Vorteil

26 % arbeiten zu Hause effizienter als im Büro

46 % arbeiten am Esstisch

22 % haben eigenen Arbeitsraum

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