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Was Exoskelette und Robotik leisten können

Die AUVA Informations­veranstaltung „Exoskelette und Robotik: Anwendung im Arbeitnehmer:innenschutz in Gesundheits­einrichtungen“, die kürzlich in Kaprun stattgefunden hat, zeigte anschaulich, welche Anwendungsmöglichkeiten es für Exoskelette und Roboter im Arbeitnehmer:innenschutz in Gesundheitseinrichtungen gibt.

Experten:Expertinnen aus verschiedenen Bereichen informierten umfassend über dieses Thema und präsentierten ihre Exponate. Die Veranstaltung, die sowohl in Präsenz als auch online stattgefunden hat, fand großen Anklang und die Teilnehmer:innen hatten vor Ort die Möglichkeit, Exoskelette auch selbst auszuprobieren.

Einsatz von Exoskeletten

Exoskelette sind am Körper getragene physisch unterstützende Assistenzsysteme, die Köperhaltungen und Körperkräfte unterstützen sollen und dadurch physischen Fehlbelastungen entgegenwirken. „Womit kann diese Unterstützung beginnen und wie weit sind wir damit in der Arbeitswelt in der Anwendung?“ Diese und viele andere Fragen konnten den Teilnehmern:Teilnehmerinnen im Laufe dieser Fachtagung ­beantwortet werden. Unterstützungshilfsmittel können bereits ganz im Kleinen ihre Anwendung finden. So kommen unterschiedliche Systeme wie zum Beispiel ein mit Drucksensoren ausgestatteter Handschuh, genannt „Iron Hand“, zum Einsatz, der bei Kontakt mit einem Objekt Kraftunterstützung ausübt und so die Unterarmmuskulatur entlasten soll.

Grundsätzlich können drei Kate­gorien von Exoskeletten unterschieden werden:

Kategorie 1: Unterstützungsort

Je nach dem Ort der Unterstützung wird zwischen Systemen unterschieden, die für den ganzen Körper gedacht sind, sowie nur für die unteren Extremitäten, nur Rumpf, Schultern und Arme. Genauso sind auch Systeme nur für die Hände auf dem Markt.

Kategorie 2: Energieversorgung

Nach der Art der Energieversorgung wird zwischen „aktiven“, mit Elektromotor angetriebenen Systemen und „passiven“, aus Feder- und Seilzugmechanismen bestehenden Exoskeletten unterschieden. Aktive Systeme sind in Österreich noch nicht im Einsatz.

Kategorie 3: Einsatzbereich

Zu dieser Gruppe zählen Systeme, die haltungs- sowie halte- und kraftunterstützend wirken. Ein Beispiel ist eine Stütze für den Nacken, der sogenannte „Paexo Neck“, für Tätigkeiten, die über Kopf stattfinden. Sie kommen vorwiegend in der Autoindustrie zum Einsatz. Für wechselnde Tätigkeiten im Stehen und Sitzen gibt es eine am Körper angebrachte Vorrichtung namens „Chairless-Chair“. Sie macht es Mitarbeitern:Mitarbeiterinnen möglich, sich spontan hinzusetzen, ohne dass die Vorrichtung die Person beim Stehen behindert.

Praktische Ergebnisse im Vergleich

Exoskelette werden als Lösung beworben, um physische Gefährdungen am Arbeitsplatz zu reduzieren und arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen zu vermeiden. Anhand von kurzen Videos wurden Systeme, die bereits im Einsatz sind, während der Veranstaltung präsentiert. Die Vielzahl von Modellen und verschiedene Anwendungsmöglichkeiten, insbesondere auch in Gesundheitseinrichtungen, wurden von Mitarbeitern:Mitarbeiterinnen der AUVA der Abteilung für Unfallverhütung und Berufskrankheitenbekämpfung und von einem Experten des LKH-Universitätsklinikums Graz anschaulich dargestellt.

Konkrete Beispiele wurden mit Ergebnissen eines AUVA-Ergonomie-Projektes, das von Mag. Norbert Lechner am Universitätsklinikum für Zahnheilkunde und an der Universitätsklinik für Neurologie der Tirol Kliniken in Innsbruck durchgeführt wurde, verglichen und diskutiert. Untersucht wurden in diesem Projekt die Auswirkung einer Armunterstützung bei zahnmedizinischen Behandlungen sowie der Einfluss eines Schulter-Exoskeletts im Rahmen einer OP-Simulation in der Neurochirurgie. In der Medizinprodukteaufbereitung Tirol GmbH wurde von der AUVA der Effekt von zwei unterschiedlichen rückenunterstützenden Exoskeletten auf Hebe- und Tragetätigkeiten messtechnisch untersucht. Auch diese mitunter aufgrund der komplexen Arbeitsaufgaben nicht eindeutigen Ergebnisse wurden präsentiert.

Reduktion von Belastungsspitzen

Aus Sicht der Arbeitswissenschaften liegen die Ziele und Potenziale von Exoskeletten in der Reduktion der Beanspruchung und in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Dabei soll es hauptsächlich zur Reduktion von Belastungsspitzen kommen. Die Herausforderungen sind vielfältig. Neben Anpassbarkeit, Hygiene, Sicherheit, Freiwilligkeit der Nutzung, Beanspruchungseinfluss und Usability bis hin zur Veränderung von Bewegungsausführungen ist besonders die Kraftumleitung bzw. die Kraftableitung ein großes Thema. Exoskelette bewirken keine biomechanischen Wunder, der Kraftaufwand reduziert sich nicht auf null, die Kräfte werden nur in andere Regionen umverteilt. Ob der Hype um Exoskelette bestehen bleibt oder diese aus der Arbeitswelt wieder verschwinden werden, bleibt abzuwarten. Allerdings wird es notwendig sein, die rasch fortlaufenden Prozesse unter dem Einsatz der Technologien in der Praxis stetig in Hinblick auf die Auswirkung auf die Arbeitnehmer:innen zu evaluieren. Der Nutzen und die Langzeitfolgen werden weiterhin Gegenstand der Forschung bleiben.

Anwendungen anschaulich präsentiert

Mit einem Fachvortrag über den Operationsroboter „DaVinci“ – den verlängerten Arm der Chirurgie – wurden die Teilnehmer:innen über Technologien, die den Arbeitsalltag von Chirurgen:Chirurginnen maßgeblich verändern werden, informiert. In Zukunft wird es notwendig sein, dass neben medizinischen Qualifikationen auch spezielle Ausbildungen zur Bedienung von Operationsrobotern angeboten werden.

Die Fachtagung zeigte, dass Assistenzsysteme in der Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung gewinnen werden und auch der Einsatz der Robotik in naher Zukunft eine wichtige Rolle im Gesundheitsbereich spielen kann. Ziel der Veranstaltung war es, Sicherheitsfachkräfte, Sicherheitsvertrauenspersonen, Arbeitsmediziner:innen, Führungskräfte und Betriebsräte von Gesundheitseinrichtungen über Exoskelette und Roboter umfassend zu informieren. Anwendungsmöglichkeiten, die zeigen, wie diese Technologie eingesetzt werden kann, wurden erläutert, um Mitarbeiter:innen – speziell in Gesundheitseinrichtungen – bei ihren Tätigkeiten zu unterstützen und vor allem körperlich zu entlasten. (as)

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© Gorodenkoff/AdobeStock