Direkt zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen Jump to sub navigation

Wenn Kommunikation müde macht

In einem Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Organisational Studies im Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft der Universität Konstanz wird die Veränderung der Arbeitswelt seit März 2020 durch eine fortlaufende Befragung untersucht.

Durch das Wegfallen des physischen Kontakts vor Ort im Büro hat sich vor allem auch der Austausch unter den Beschäftigten deutlich verändert.

Guter Eindruck

Etwa die Hälfte aller Befragten findet Videokonferenzen anstrengend. Dieses Phänomen hat in der Fachwelt auch schon einen Namen: Zoom-Fatigue oder Zoom-Müdigkeit. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. In den meisten Fällen besteht bei Online-Meetings fast keine Möglichkeit, im wahrsten Sinne des Wortes abzuschalten. Die Teilnehmenden sind innerhalb eines Online-Meetings „always on“ – mit Bild und mit Ton und haben fast keine Möglichkeit mentale Pausen einzulegen. Werden Meetings auf große Screens übertragen, weiß man nie genau, wann man im Bild ist und wie groß. Dennoch will man einen guten Eindruck hinterlassen und nicht dabei ertappt werden, abgelenkt zu sein oder sich gerade an der Nase zu kratzen. In einem Offline-Meeting passiert all das schon, doch dem wird bei Weitem nicht so viel Gewicht zuteil, denn der Fokus ist ein anderer.

Technik frustriert

„Hört man mich?“, ist nach wie vor eine häufige Frage, die sich durch Online-Meetings zieht. Kein Wunder, oft ist die Tonqualität nicht gleichbleibend gut, sodass einzelne Worte oder ganze Sätze verloren gehen. Das erfordert besonders aktives Zuhören. Gleiches gilt für die Bildqualität. Lassen die Konzentration und Aufmerksamkeit für das Meeting nach, verliert man rascher den roten Faden und kann auch nicht kurz beim Sitznachbarn nachfragen. Die Latenz der Übertragung erschwert die Kommunikation. Nachfragen, Zwischenrufe und Unterbrechungen sind schwerer zu koordinieren und zu verstehen, weil nonverbale Signale verloren gehen. Wenn Online-Meetings zu Hause stattfinden, während die Familie im Hintergrund um Aufmerksamkeit buhlt, fällt es doppelt schwer, sich zu konzentrieren und dem Gesagten zu folgen.

Je mehr Teilnehmer in einem Online-Meeting sind, desto mehr Gesichter sind parallel zu sehen. Das menschliche Auge erfasst jede Bewegung, das Gehirn versucht, jede Information zu ver­arbeiten. Das ist schnell ermüdend. Auch der permanente Wechsel der Bilder ist anstrengend. Technische Probleme erhöhen zusätzlich den Frust – gelingt die Anmeldung nicht oder gibt es Verbindungsprobleme, steigt der Stress.

Die Kommunikation auf Augenhöhe ist praktisch unmöglich, denn wer anderen in die Augen sehen möchte, muss in die Kamera blicken. Blickt man auf den Monitor, sieht man – aus Sicht der anderen – weg.

Tipps gegen Zoom-Fatigue

  • Mehr Pausen einplanen
  • Meetings kurz halten
  • Ausschalten von Kamera und Ton ermöglichen
  • Multitasking vermeiden – wer nichts zu einem Meeting beitragen kann oder will, sollte das Meeting verlassen
  • Essen und Trinken bereithalten
  • Blick schweifen lassen, um die Augen zu entspannen
  • Raum lüften
  • Sitz- und Stehposition wechseln, wenn es die Technik möglich macht
  • Verzicht auf Videokonferenzen, wenn die Kommunikation auch per Telefon möglich ist
07-SHOTPRIME-STUDIO_AdobeStock_312785871.jpg
© SHOTPRIME STUDIO/AdobeStock