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Wenn Präsentieren zur Stressfalle wird

Die Rückkehr zur neuen Normalität be­deutet für viele wieder Stress, Unsicherheit und ­Belastung. Anstelle von Online-­Meetings heißt es jetzt wieder live vor Publikum ­Präsentationen zu halten oder Besprechungen zu moderieren.

Der Marketingleiter Hubert K. war froh, dass er in Pandemiezeiten seine wöchentlichen Berichte online abgeben konnte. Nach wenigen Minuten Videotelefonie konnte er die vorbereitete Bildschirmpräsentation einschalten. Er verspürte jedes Mal große Erleichterung, wenn er das Gefühl hatte, unsichtbar zu sein. Jetzt ist es wieder anders. Er muss vor den Augen aller sprechen.

Herr K. ist kein Einzelfall. Je höher die Position ist, desto mehr steigt der Erwartungsdruck an die eigene Leistung und desto größer wird die Angst, Fehler zu machen. „Zum Glück für die Lampenfiebergeplagten kann man im Internet auch inkognito Hilfe suchen. Viele Kunden, die in meine Praxis kommen, legen größten Wert darauf, dabei nicht gesehen zu werden, obwohl ich unter anderem auch Stimmtraining und Vortragscoaching anbiete“, sagt Maria Staribacher, Auftrittscoach, Stimmtrainerin. Sie setzt sich dafür ein, dass das Thema Redeangst kein Tabu sein muss. „Rund 80 Prozent aller Menschen, die vor anderen auftreten müssen, sind davon betroffen“, weiß Staribacher.

Fokus liegt auf dem Scheitern

Schauspieler und Musiker, Politiker und Manager, die präsentieren müssen, sind ebenso betroffen wie Schüler und Studenten. Unter Beobachtung Leistung zu erbringen setzt viele unter großen Druck. Die Panik lässt sie schon Tage vorher nicht mehr schlafen, quälende Gedanken stören das Konzentrationsvermögen, das Herz rast und Schweißausbrüche beunruhigen zusätzlich. Die Angst zu versagen, sich zu blamieren und negativ bewertet zu werden, dominiert Denken und Fühlen und vermindert die Fähigkeit sich zu entspannen. Die ganze Konzentration wird auf ein mögliches Scheitern gerichtet und beeinträchtigt die Leistungsperformance und die Lebensqualität.

Gehören diese Stresssituationen zum Alltag, können sich gesundheitliche Schäden einstellen. Schlafmangel ruft Konzentrationsstörungen hervor, die zu fehlerhaftem Verhalten und Vergessen führen können. Muskelverspannungen werden chronisch und beeinträchtigen die Körperhaltung. Psychische Verstimmungen wie Angst, Minderwertigkeitsgefühle oder auch Gereiztheit können in Depressionen enden und beeinträchtigen auf alle Fälle die Kommunikation mit Mitarbeitern und Familie. „Spätestens an diesem Punkt sollte man sich professionelle Unterstützung holen“, ist Staribacher überzeugt.

Auftritte erzeugen Stress

Beim Präsentieren kommen unsere Urängste zutage – wir müssen zwar nicht ums nackte Überleben fürchten, aber wir sorgen uns um unsere soziale Existenz. Wir glauben, die Auftrittsbühne sei wie eine Lupe, die Unsicherheiten, Ängste, Fehler und Schwächen in Übergröße sichtbar macht. Aus Angst, entlarvt zu werden, vermeiden viele Menschen Situationen, in denen sie etwas von sich preisgeben könnten und verpassen damit Chancen.

Ab wann Lampenfieber zum Störfaktor wird, ist eine Frage der Intensität: In leichtem Grad wirkt es sogar leistungsfördernd, versetzt den Vortragenden in einen wachen, konzentrierten Zustand. In stärkerem Ausmaß kann es lähmende Angst und Versagen produzieren.
Lampenfieber stellt sich immer an der empfindlichsten und schwächsten Stelle der Betroffenen ein. Fürchten Geigenspieler das Zittern der Hände beim Bogenführen, so ist es bei Vortragenden die brüchige Stimme oder ein Blackout. Die Angst macht den betroffenen Menschen genau an jenen neuralgischen Punkten verletzbar, die für seine Leistung ausschlaggebend sind.

Maria Staribacher, Auftrittscoach, Stimmtrainerin

Der Umgang mit Lampenfieber

Tipps von Maria Staribacher, Auftrittscoach, Stimmtrainerin, Lebens- und Sozialberaterin, systemischer und wingwave-Coach

Akzeptieren Sie sich selbst. Der erste Schritt zur Bewältigung von Lampenfieber ist, es sich einzugestehen und zu akzeptieren. Je mehr Sie zu sich selbst stehen, desto weniger können Ihnen Kritik und Spott etwas anhaben.

Achten Sie auf Ihre Gedanken. Ersetzen Sie herab­setzende Gedanken durch positive Aussagen über sich selbst. Das bedarf meistens etwas Übung, da wir nicht gewohnt sind, gut über uns selbst zu denken. Außerdem sind viele dieser Gedanken und Glaubens­sätze unbewusst. Ein guter Coach kann Ihnen helfen, diese Mechanismen herauszufinden und auf­zulösen.

Bereiten Sie Ihre Auftritte sehr gut vor. Beginnen Sie rechtzeitig. Spielen Sie Ihren Auftritt mehrmals durch. Halten Sie eine Generalprobe. Je besser Ihre Vorbereitung ist, desto sicherer werden Sie sich auch bei Ihrem Vortrag fühlen.

Tun Sie etwas für Ihren Körper. Das Wichtigste ist, die Atmung zu beherrschen. Machen Sie über einen längeren Zeitraum regelmäßig Übungen zur Beruhigung der Atemfrequenz. Atmen Sie dabei in einem gleichbleibenden Rhythmus. Mit Sport lassen sich Stresshormone gut abbauen. Hilfreich ist es auch, vor dem Auftritt Treppen zu steigen oder um den Häuserblock zu gehen. Meiden Sie auf alle Fälle Beruhigungs- oder Aufputschmittel, ebenso Kaffee und Alkohol.

Übung macht den Meister. Nutzen Sie jede Gelegenheit, um vor anderen Menschen das Wort zu ergreifen. Melden Sie sich für die Moderation von Meetings und Diskussionen. Halten Sie bei Feiern kleine Ansprachen. Sie werden sich daran gewöhnen, dass Sie im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. Und mit der Zeit werden Sie sogar Freude daran haben.

Info & Kontakt

www.lampenfiebercoaching.at

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Die Angst zu versagen, sich zu blamieren und negativ bewertet zu werden, dominiert Denken und Fühlen und vermindert die Fähigkeit, sich zu entspannen.
© fizkes/iStock